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die schönsten deutschen Länder auf immer an unsere Erbfeinde überlieferte? Der roheSchimpf, der in den Schriften der Vormänner jener antinationalen Bewegung keineAhnung von Urbanität mehr übrig ließ, welche sonst dem deutschen Gemüthe seltenabhanden kommt? Daß in jener unseligen Zeit Knust und Wissenschaft zu Grundeging, daß beim sogenannten Wiedererwachen derselben der Zopf seine Feste feierte, dieUnnatur und Grimasse zur Herrschaft gelangten, darüber will ich nicht einmal einWort verlieren, eS war die fluchwürdige Folge der germauischeu Bundesgenossenschaftmit Deutschlands Erbfeinden, wo Bildung, Religion, Wissenschaft in dreißigjährigerVerwilderung unterging. Ist das Euer berühmtes Germanenihum, dann gebt Acht,daß nicht die nächsten Tage Euer Herz vom dummen Kopfe abfällt und zum Wäljch-lhum übergeht, weil cS der einzige Weg zur Menschlichkeit und Tugend ist, nachdenen alle vernünftige Kreaturen bewußt und unbewußt und in der Regel ohne ihreSchuld seufzen.
Freilich die deutsche Philosophie, welche berufen ist, die dumme Menschheit zuwitzigen, ist nicht von der katholischen Kirche ausgegangen, sie hat vielmehr an ihreine staudhafte Gegnerin gefunden. DaS hat man in Berlin , Jena und Königsbergübel vermerkt, und aus diesem Grund abermals den Vorwurf der Volksverdummunggegeu sie ausgesprochen. Als aber das philosophische Germcmenthum seine Aufgabegründlich gelöst hatte, als der Gottmeusch JesuS Christus , die Unsterblichkeit der Seele,der Unterschied zwischen Gut und Böse deutschwisseuschaftlich beseitiget, als die Ewig-keil der Materie, die Emancipiruug des Fleisches, die Alleinherrschaft deS Sinnen-genusseS aus dem philosophischen Ledaei auSgekrochen waren, und die Proletarier deS19teu Jahrhunl'ens die Weisheit norddeutscher Professoren allherrschend machen woll-ten mit dem Blödsinn und der Stupidität deS Lasters, daS frech genug war, über dieTugend regieren zu wollen: da freilich war es höchste Zeit, zn Frankfurt an demMain schreiben und drucken zu lassen, daß die katholische Kirche ihre Anhänger ver-dumme- Wir sind weit entfernt, diesen Ausbund von Volksaufklärung, wie sie inSüddeutschlaud sogar beiden Bauern auf dem Laude grassirt, wie sie die Schuljugendzum Theil schon anerkennt uud übt, wie sie auf deu deutschen Hochschulen theilweisevon Amlswegen gelernt wird, wie nameutlich die Frankfurter Zeitungen sie für Heidel-berg vertheidigen, auf unsere Rechnuug herüberzunehmen. So dumm sind wir nickt.Der heilige Glaube uuserer Kirche hat uuö vorciuSprophezeit, vaß es mit dieser deut-schen Philosophie so kommen werde, er ist uns jetzt um so lieber, weil er unS inZeiten bitterer Noth unfehlbar warnend und siegreich zur Seite stand, uud deu Wahn-sinn der GvtleSläugnung uuier jeder Form von den katholischen Gemeinden zurückwies.
Ist diese uichtkatholische Volksverdummung sür jeden vernünftigen Menschen schonlehrreich genng, so erreicht die politische in unsern Tagen den höchsten Grad mensch-licher Bornirthcit, deren wir uns um keine» Preis als aufrichtige Katholiken schuldigmachen möchten. Wir meinen die Bramarbasiaden in den deutschen Landen Badenund Nassau. Den Kirchenconflict soll der Erzbischos von Freibnrg oder sein angeblicherHintermann, der Bischof von Mainz , veranlaßt haben, das soll ein vernünftigerMensch glauben, blos, weil die Korrespondenzen deS deutschen Frankfurter Journals,und die über allen Ausdruck geistvollen Ariikel der Mittelrheinischen Zeitung in Wies-baden cS alle Tage zum Ekel und Ueberdrnß wiederholen, während jeve Gegenredeunterdrückt ist. Hält man die Welt wirklich für so stupid? Wir weuigsteus wollenuns aus diesen Quellen uud ihreu amtlichen Auctoritäten nickt um unsern gesundenMenschenverstand bringen. Es klingt wie ein Märchen auS Tauseud und eine Nacht,dieses unaussprechlich süße Jourualistcnlied vom Neckar und dem Neroberg, daß dieRegierungen von Baden uud Nassau ganz ruhig ihren sogenannten gesetzlichen Weggehen können, da ja alles Volk in Religionssachen mit denselben einig sey. Jagerade so wenig wie im dreißigjährigen Kriege unter Mausfeld und Wallenftein, woeS sich keineswegs um Regierung und Volk handelte, sondern um Katholiken undProtestanten. So verstehen jetzt die Journalisten in Baden und Nassau unter ihrem„Volk" die Protestanten von Baden und den oranischen Gehietstheilen, denen daS