Ausgabe 
14 (5.3.1854) 10
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Recht zustehen soll, die Katholiken an der Treisam und Lahn ans dem kurzen Wegeder Gewalt in ihren heiligsten Interessen zn knechten und muudtodt zu machen.Wenn eS Euch gelingt, durch diese Rechnung Anhänger zu gewinnen, so wollen wirwenigstens nicht unter den Dupirten seyn. Solche Glaubensdummheit überlassen wirandern, weil wir wissen, daß das katholische Volk jener Gegenden unverbrüchlich zuden Bischöfen steht. Eure Katholiken, die auf der Seite der Unterdrücker stehen,müßt ihr mit schwerem Gelde besolden und werdet damit doch nicht weiter kommen,als so weit überhaupt in Revolutionszeiten die Untreue gegen geistliche und weltlicheObrigkeit reicht. Eure Beamten von Karlsruhe, Heidelberg »nd Mannheim , die euchmit ihrer Kaffeehausüberzeugung so hohen Muth geben, imponiren uns eben so wenigals die Pfarrerssöhne ans Dillenburg ; wir haben sie im Jahre 1848 thcilweisc anseiner Seite gesehen, und in einem Tone gehört, daß nie ein Katholik vor solchenBundesgenossen Ehrfurcht haben kann und darf, Bon solchen zweideutigen Kapacitätenund Herzeu lassen wir uns nicht verdummen und blind machen.

Unsere Katholiken, auf die es allein ankommt, wohnen im badischen Oberland,in den Gründen von Ehrenbreitstein, Montabaur, Limbnrg, Camberg und auf denSteinkohlenlagern des Westerwaldes: da könnt ihr nachfragen, zu wem das katholischeVolk in katholischen Angelegenheiten steht. Im Jahre 1843 konnten die Empörer undWühler mit ihrer Treue gegen den Landesfürsten allein nicht fertig werden; diesesVolk läßt in GewtssenSsachen nur sich nicht mäckcln. Im Jahre 1854 wird eS mitseiner Treue für die Bischöfe, welche der heilige Geist gesetzt hat, die Kirche GolteSzu regieren, eben so wahr, so unbestechlich, so liebenswürdig seyn. Das regt EuerböseS Gewissen auf, das verleitet Euch zur täglichen wiederholten Jonrnallüge:DaSVolk, das Volk ist für nnS gegen Christus und seine Kirche!" Mit Euch ist Niemand,außer Nonge, Hecker und wer das traurige LooS hat, in aller StaatSweiSheit undMenschenerfahrung ein Dummkopf zu seyn.

Segeln wir aus diesen Binnenseen deutscher Verwässerung uud kleinstädiischerKurzsicht iuö Volksleben von heute über, um auch da näher zu untersuchen, ob wirk-lich die katholische Religion ihre Bekcnner verdumme, so stellen wir nach dem Buchedes berühmten Berliners Nicolai über Italien die italienische Nation als Beispielkaiholischer Volksverdummung der norddeutschen intelligenten Bauernschast gegenüber,um aus diesem Contraste am schnellsten über die Frage klar zn werden. War Nicolaivielleicht ein abgedankter Hosralh oder GcMecapitän, so begreifen wir seine Milzsuchtim schönen italienischen Lande beim kindlichsten Volke der Welt. Solche Leute labvrirenan der Lungenröhrenschwindsucht oder am Rückenmark, das seinen Nervengeist verloren,oder am partiellen Wahnsinn und dergleichen Plagen des intelligenten Menschen-geschlechtes. Da ist es kein Wnnoer, daß die Geruttd bricht, der Verstand ausgeht,das Blut zur Galle wird. Wir haben keine Lust, ein gleiches Experiment durchzu-machen und die Natur der Läuse in unserm eigenen Pelze zu stuvireu. Klar undgerecht, wie eS uns Gott erschaffen, schauen wir Land und Leute an.

Der Italiener ist der lebendige Abdruck seines sonnenglühenden Landes, lebhaftund empfindlich für alles Gute uud Schöne, namentlich ein geborener Kunstkenner,voll Einklang für alle harmonischen Töne des LicdeS und der Musik, dabei frommund kirchlich gesinnt, sparsam, thätig mit Umsicht und nach Maaßgabe seiner natür-lichen Anlagen, ausdauernd in Gefahr, Noth und Freundesliebe, voll innigen Sinnesfürs Familienleben, mit höchst uneigennütziger Brude» uud Schwestcrliebe, friedfertigund immer fröhlich, ein Sänger aus Natur- und Herzensdrang, Noch tausend andereNaturgaben der wälschcn Volksstämme könnten wir anführen, und alle Einsichtsvollenwürden uns Recht geben. Alle beweisen, daß man die Dummheit beim Italienernicht suchen darf, daß sie auf ihn am allerwenigsten zutreffend ist. Und doch ist er katho,lisch, ultramontan im strengsten Sinne des Wortes, mit der innigsten Anhänglichkeitan die Institutionen der Kirche. Stellt nun den norddeutschen Bauer, den Arbeits-mann der Städtchen und Dörfer, den Matrosen und andere Musterbilder an der Nord-und Ostsee mehr mit ihrer Branntweinpest, mit ihrem Tabackskauen, mit ihrem stups-