Ausgabe 
12 (4.1.1852) 1
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des Himmels verkündend..... Stets verkündet die unmittelbare Dazwischenkunftdieser Menschen, die mit dem Mittelpuncte der Kirche zusammenhängen, irgend etwasGroßes und Außerordentliches; dann gehen in dem erstarrten Zeitalter seltsame Dingevor, gleich denen, die man bei gewissen namenlosen Krankheiten bemerkt, wenn dieWerkzeuge gelähmt, und unS die unmittelbare Einwirkung des Geistes gewissermaßenalle ausgehobenen Verrichtungen ersetzt." Was also vom Ganzen der Kirche gesagt ist,daS gilt nicht weniger von den einzelnen Theilen derselben, und daß eS, besondersin Deutschland und seinen Diöcesen, sich vielfach als eine große Wahrheit bewährt,brauchen wir nicht erst zu' sagen. Stets aber hatten solche besondere Abgesandte desHerrn, die in der Kirche ja nie aufhörende Macht der Wunder, und stets war dasWunderwirkende Macht ihres Gebeteö.

In einem deutschen Bischofssitze lebte ein katholisches Ehepaar in tiefer Uneinig-keit; die Frau war fromm, und hielt treu an der Kirche, der Mann hingegen hattesich von den Rongeanern und ihrem Anhange so viel vorschwätzen lassen, daß er sichüber die Lehren der Kirche erhaben glaubte und immer mehr in Unglauben versank.Wer solche Leute, besonders in den untern Classen der Gesellschaft, kennt, der wirdbegreifen, daß der Friede in diesem Hause nicht wohnen konnte. Eines TageS gingdie tiefgebeugte Frau zu dem Allen ohne Unterschied zugänglichen Oberhirten, undklagte ihm ihre Noth. Der Bischof tröstete sie, und ermähnte sie, zu beten, daSsey das einzige Mittel. Die Frau kehrte erhoben nach Hause zurück, und betete Tagfür Tag, aber eine lange Zeit verging, und keine Aenderung erfolgte in dem Wesendes ManneS. Da wurde dieser krank; die arme Frau kam abermals zu dem Bischöfeund klagte von neuem Er tröstete sie wieder, und verwies sie abermals auf dasGebet, fügte jedoch dießmal hinzu, wenn ihr Mann eine Sinnesänderung zeige, sollesie sogleich zu ihm, dem Bischöfe, kommen, sey es bei Tage, sey eS bei der Nacht,er werde sie zu ihrem Manne begleiten. Die Frau kam nach Hause und that wieder Bischof gesagt. Abends gegen sieben Uhr brachte der Diener dem Bischöfe unddessen Caplan das gewohnte frugale Nachtessen, wobei der Bischof ihm bedeutete,Niemand mehr vorzulassen, eine Frau ausgenommen, welche er dem Diener näherbeschrieb. Später kam der Diener zurück, den Tisch abzudecken, doch er fand Allesunberührt. Gegen Mitternacht schellte es am Hause, der Diener fragte am Fenster,wer da sey, unv findet die ihm beschriebene Frau, welche ihn bittet, dem Bischöfezu sagen, daß ihr Mann nach ihm verlange. Der Diener geht zum Wohn-, zumSchlafzimmer deS Bischofes, und findet ihn nicht; er sucht ihn in dem Zimmer deSCaplanS, im ganzen Hause, vergebens; da fällt ihm ein, er möge wohl in derHauscapelle seyn, und so war es, dort fand er den Bischof nebst seinem Caplan imGebete vor dem Altare liegen. Er tritt zu ihm hin und meldet die Frau, worauf ^der Bischof sofort sich erhebt, und mit ihr zu dem reuevoll zerknirschten Manne geht,welcher sogleich beichtet, am folgenden Tage die heilige Communion empfängt, undseitdem in musterhafter Ehe mit seiner Frau lebt. Und weiter?Er sprach: Hütedich, daß du Niemanden etwas sagest, allein sobald er fort war, fing er (der Ge-rettete) an, viel von der Sache zu reden, und das Gerücht verbreitete sich in derganzen Umgegend." Marc. 4, 44, 45, 28. Heine ist eben in Aller Munde.Eines TageS war auch die Rede von ihm in einem Kreise, den derselbe Bischof mitseiner Gegenwart beglückte. Jeder sprach laut und scharf seine Entrüstung über dieBestialität deS Romanzero und über dessen Verfasser auS, Alle waren in der lebhaf-testen Aufregung, als der Bischof plötzlich mit seiner liebevollen Stimme einfiel, undernst sagte:Der arme unglückliche Heine! Beten wir für ihn!" Dieß schöne undächt christliche Wort des hochwürdigsten Oberhirten ließ Alle verstummen. Es warihnen seitdem ein heiliges Gebot, dessen Erfüllung sie keinen Tag versäumen. Schenkeder Herr diesem Gebete seines frommen Dieners dieselbe Erhörung, welche er jenemandern schenkte! vereinigen wir zu dem Ende unsere Bitten mit denen des Bischofes!

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

VerlagS-Znhaber: F. C. Kremer.