Ausgabe 
12 (11.1.1852) 2
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Lasset uns beten für unsere tapfern Heere, die uns in den vorangegangenenJahren schon gegen daS erste Anwogen der umwälzenden Mächte geschützt haben,daß der Geist deS Evangeliums sie erfülle, der allein wahre Treue, Tapferkeit undOpferwilligkeit dauernd erhält, und sie erhebe und begeistere in dem schönen Bewußt-seyn, daß der Waffendienst fortan nicht bloß ein Ehrendienst, sondern ein christlichesRitterthum sey für Alles, was der Menschheit werth und heilig ist.

Lasset unS beten, und an unserm Theile dahin wirken, daß die Gesinnungen ^ehrenfester Treue und edler Pietät, die Höheres achtend sich selber adelt, und dievon jeher die Zierde und der Ruhm deS biedern deutschen Volkes waren, unter unSnicht erlöschen, sondern neu angefacht und belebt in dem heranwachsenden Geschlechtefortgepflanzt werden.

Lasset unS insbesondere beten und flehen, Geliebte, um göttlichen Schutz fürunsern obersten Hirten, den Papst, der in seiner doppelten Eigenschaft, als Ober-haupt der Kirche und als Landesherr, den feindlichen Angriffen der unterwühlendenBosheit jener gegen alles Heilige verschworenen Rotten zwiefach ausgesetzt ist. Darummußte auch Er ihre gottlose Tücke am ersten erfahren und entlarven; denn zumDanke dafür, daß er seinem Volke alle gewünschten Freiheiten gewährt, vertriebensie ihn, nachdem sie zwei Jahre lang ihm geheuchelt und geschmeichelt, von seinemSitze, entsetzten ihn seiner Regentenwürde, und jetzt, da er von verbündeten Mächtenzurückgeführt und geschützt ist, überschütten sie ihn noch täglich auS der Ferne mitLästerung und Drohung, und arbeiten rastlos, sein Volk zu Treubruch und frevel-hafter Gottlosigkeit zu verführen. Möge unsere treue kindliche Anhänglichkeit undunser Gebet ihm Trost und Muth und Kraft von Gott erlangen, und ihm die drei-fache Dornenkrone, die er trägt, erleichtern I

Lasset uns beten für die gesammte Christenheit, daß sie wachse im Glauben und ^in der Liebe, und unter dem Anhauche des göttlichen Geistes erstarke zum Kampfe,der sich bereitet. Lasset uns flehen, daß Angesichts dieses drohenden Kampfes alleUneinigkeit, Zwietracht und Spaltung hinweggethan werde unter allen Denen, dieJesum Christum ihren Herrn nennen und zu Seiner Fahne stehen wollen. Lasset unSflehen, daß daS reine Licht der Wahrheit und des Friedens alle Menschen erleuchte,die da guten demüthigen Willens sind; flehen, daß die Schuppen aller Mißverständ-nisse und ererbter Vorurtheile von den geblendeten Augen der Irrenden und Getrenn-ten fallen, damit Alle, die sich als Söhne Eines Vaters und als Brüder EineSHerrn bekennen, sich auch als die Söhne Einer Mutter wiederfinden, auf daß unterihrem Paniere geschaart die große Gemeinde der Gläubigen den Himmlischen »schönWie der Mond, auserkoren wie die Sonne," den Feinden aberfurchtbarerscheine wie ein geordnetes Heerlager" (Hohel. 6, 10.).

Wenn bei dem beängstigenden Ausblicke in eine dunkle, verhängnißvolle Zukunft,zu dem wir durch eine höhere Betrachtung der Gegenwart unS hingedrängt fühlen,etwas uns zum Troste gereichen und unS zu der Hoffnung ermuthigen kann, daßGotteS Langmuth die Tage der schwersten Prüfung noch fristen, das äußerste Verder-ben vorerst noch abwenden und vor der endlichen Reinigung seiner Tenne und derweltgerichtlichen Sichtung seines WeizenS u. noch neue frische Garben in seine Scheu-nen einführen (Match. 3, 12.), vielleicht auch seine gläubige Schaar zum bevorste-henden Kampfe geistig rüsten will: so ist eS die Wahrnehmung der Auffrischung desreligiösen LebenS, welche sich auf den weiten Gefilden der Kirche, und zunächst auchin unserm deutschen Vaterlande erfreulich kund gibt.

Während einerseits die Seelenhirten sich in stiller Zurückgezogenheit an geeig-neten Orten versammeln und in mehrtägigen geistlichen Uebungen den heiligen Geistihres Berufes und die himmlischen Kräfte der empfangenen Weihe nach des ApostelsMahnung (2. Timoth. 1, 6.) in sich erneuern, durch ausrichtige Selbsterforschungsich vor Gott Rechenschaft geben von der Verwaltung ihres Amtes und zu neuenheiligen Entschlüssen treuer Pflichterfüllung sich ermannen, gibt andererseits der geseg-nete Erfolg der MissionSpredigten Zeugniß, daß in dem Volke die Empfänglichkeit

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