Ausgabe 
12 (11.1.1852) 2
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für Gottes Wort und GotteS Heil auch durch die sittliche Verwüstuug der letztenJahre noch nicht ertödtet ist; daß vielmehr das ernste heilige Wort von der wahrenBestimmung deS Menschen, von GotteS Gerechtigkeit und Erbarmung, von der Erlö-sung in Christo, von ihrer Verwirklichung in der Kirche, von den Pflichten veö Chri-sten, von Sünde, Tod, Gericht, ewiger Vergeltung, Verdammniß und Seligkeit:c.noch m den Seelen der Menschen, die Gott dafür geschaffen hat, offenen Eingangfindet. Und Gott sey dafür gepriesen, daß es so ist, und daß die Kirche gegenüberder teuflischen Verführung ihr heiliges Predigt- und RettungSamt auch in außerge-wöhnlicher Weise zu üben, von weisen Regierungen nicht gehindert wird, weil diesebegreifen, daß zuletzt in dem Glauben und Gewissen der Christen der einzig festeAnkergrund für das schwankende Staatsschiff zu finden ist.

Auch dieß Bisthum mit dankbarer Freude sage ich'S hat im abgelaufenenJahre beider Wohlthaten sich zu erfreuen gehabt; und wenn ich mir und Euch, meinegeliebten priesterlichen Mitbrüder beider Diöcesanantheile, zu dem Eifer Glück wünsche,den Ihr in Theilnehmung an den mehrfach gehaltenen geistlichen Uebungen gezeigthabet, so thue ich eS in der sichern Ueberzeugung, daß Ihr, weit entfernt, darineinen Ersatz für das täglich fortzusetzende Studium Eurer Berufswissenschaften zusuchen, vielmehr nur einen neuen Sporn zur ernstern Betreibung desselben darin wer-det gefunden haben, durch die gewissenhafte Erwägung, daß eS nebst dem Gebetekeine nothwendigere, heilsamere und schützender« Beschäftigung für den Priester gebe,als das Studium der theologischen Wissenschaften, zumal in dieser Zeit des stolzenGottentfremdeten Wissens, welches auch an seinem Orte mit den Waffen ächterWissenschaft bekämpft und besiegt werden soll.

Auch hinsichtlich der außerordentlichen Missionen, die bereits in mehreren Pfarr-gemeinden der Diöcese von begeisterten OrdenSmänncrn (denen ich hier für ihreunermüdliche, uneigennützige und so weise geregelte Thätigkeit meinen warmen Dankvor Gott und aller Welt ausspreche), mit so gesegnetem Erfolge zur Freude undErbauung der herbeiströmenden Gläubigen sind gehalten worden, und im nächstenJahre, so Gott will, an noch mehreren Orten auf dringendes Begehren gehaltenwerden sollen, möchte ich Euch, meine geliebten seelsorglichen Gehilfen, noch erinnern:daß, wie groß und erfreulich auch die augenblicklichen Eindrücke und Erfolge diesererschütternden und tiefeingreifenden Vorträge zu seyn Pflegen, der bleibende Segenund die reifende Frucht davon doch vor Allem Eurer fortgesetzten Sorgfalt und treuenPflege bedarf, damit nicht, nach dem Gleichnisse deS Herrn (Matth . 9, 17.), derjunge gähreude Wein in alte morsche Schläuche gefaßt, diese zerreiße und im Sandeverrinne, nicht die schöne Begeisterung, unbenutzt und ungepflegt, einer erkaltendenAbspannung und größern Stumpfheit Platz mache.

Nicht minder dürfen wir die katholischen Vereine als eine tröstliche Erscheinung,als ein segenreiches Werk begrüßen, ganz geeignet, den auflösenden und zerstörendenKräften entgegen zu wirken, indem sie das kirchliche Gemeingefühl wecken und bele-ben, die falsche Schaam, welche so viele Schwache von dem offenen Bekenntniß ihresGlaubens abhält, besiegen, die werkthätige Nächstenliebe anregen nnd auf gemein-same, der Noth der Zeit begegnende Bahnen lenken, auch der wahren kirchlichenFreiheit, die von kurzsichtiger, engherziger Politik leider noch so vielfach verkanntund von kleinlicher Allregiererei mißtrauisch verschränkt wird, freimüthig und besonnendaS Wort reden.

Sie werden durch solches Wirken sich als nützliche HilfSschaaren in dem großenKampfe für die Erhaltung der sittlichen Weltordnung auch serner bewähren, wennsie, wie bisher, sich bescheiden auf die ihrer schönen Thätigkeit vorgezeichneten Trän-zen beschränken, von politischen Streitfragen und Parteiungen und von Einmischun-gen in das kirchliche Hirtenamt sich fern halten, und nur für die große, allen Gutenund Verständigen heilige Sache deS Rechtes, der Ordnung, deS christlichen Gehor-sams und der opferwilligen Nächstenliebe einstehen. Und in dieser Zuversicht könnenwir Hirten der Kirche, nach dem Vorgange unseres obersten Hauptes, ihnen nur die