13
die Kraft geben, es zu glauben; aber ich werde deinen freien Willen nicht mit demJoch der vollen Offenbarung beschweren
13. . . . „Wer könnte die Gränzen bezeichnen in diesem geistigen Reiche zwi-schen dem göttlichen Willen und dem freien Willen deS Menschen? Wer sagen, wiesie neben einander hergehen, ohne sich zu verwirren, sich zu schaden? — Nur Einesweiß ich, o Herr! daß, arm und klein wie ich bin, groß und mächtig wie Du bist,Du mich dennoch eben so sehr achtest, als Du mich liebst, und so sehr liebst, alsDu mich achtest; ich weiß, daß Du mich nicht mir selbst überläßt, weil ich aus mirselbst nichts kann, als Dich vergessen und mich verlieren. Ich weiß, daß Du, wennDu mir die Hand reichst, mich zu retten, Du sie mir so sanft reichst, so zärtlich,daß ich sie nicht nahen siihle. In der Sanstmuth bist Du dem Zephyr gleich, inder Kraft dem Sturmwind. Ich bin von Dir hinfortgeführt worden, wie vom Sturm-wind, und ich wende mich frei zu Dir, wie von einem leichten Winde getrieben.Du machst mich fortschreiten, wie wenn Du mich antriebest, aber Du treibst michnicht an, sondern Du gehst mich bittend an. Ich bewege mich, und Du bewegstDich in mir.... .
14. „Die Menschen nennen die täglichen Wunderwerke natürlich, und wunderbardie nicht alltäglichen. Die Thorheit Derjenigen ist schwer zu begreifen, welche dieMacht, dann und wann Wunder zu thun, Demjenigen absprechen, welcher die täg-lichen wirkt. Was in der That ist dieß anders, als Dem, der mehr gethan, dasWenige absprechen? Oder, waS gleichbedeutend, Demjenigen, der immer wirkt, läug-nen, daß er es bisweilen thut?. ."
15. „Die Unwissenheit deö Verstandes ist gar nichts Anderes, als die Ablö-sung von dem göttlichen Verständniß; die Schwäche deS Willens die LoSIösung vondem höchsten Willen. Das physische Mißverhältnis?, durch die Sünde erzeugt, bestehtin der Krankheit und dem Tode. Deßhalb ist die Krankheit nichts Anderes, alsUnordnung, die Veruneinigung, die Störung deS Gleichgewichts unter den Theilenunseres Körpers..."
16. „Die Wollust deS Fleisches und die Hoffart des Geistes haben einen Na-men: die Sünde. Die entschiedene Loöreißung der Seele von Gott und die der Seelevom Körper heißt mit einem Worte: der Tod. ."
17. „Von allen Geheimnissen ist das furchtbarste das der Freiheit, welche denMenschen zum Herrn seiner selbst macht, zum Theilnehmcr an der Göttlichkeit in derFührung und Regierung der menschlichen Dinge....."
18. „Wenn das Geschöpf nicht Freiheit genug hätte, um mit der Fähigkeit, dieihm Gott geseht, auf dem einen oder dem andern Wege z» ihm zu kommen, mitweicher Freiheit würde es den Hunger in Sättigung verwandeln, um srei zu seyn? ..."
19. „Der Mensch wollte durch das Band der ursprünglichen Gerechtigkeit undder heiligenden Gnade nicht mit Gott geeint bleiben, und sah sich dann durch dasBand seiner unendlichen Barmherzigkeit mit ihm geeinigt. Wenn Gott den Sünden-fall zuließ, so behielt er gleichsam den Erlöser der Welt im Rückhalte, ihn, der inder Fülle der Zeiten kommen mußte. Dieß höchste Uebel war nöthig um des höchstenGutes willen, dieses ungeheure Ereigniß um deS maßlosen Glückes willen."
20. „Die Wissenschaft der göttlichen Geheimnisse ist die Wissenschaft allerFragen."
21. „WaS die liberale Schule betrifft, so sage ich nur, daß sie in ihrer stol-zen Unwissenheit die Theologie verachtet, nicht, weil sie nicht theologisch ist nachihrem Zuschnitt, sondern weil sie theologisch ist, ohne es zu wissen. Diese Schuleist noch nicht so weit gekommen, und wird wahrscheinlich nie dahin kommen, daSenge Band zu verstehen, welches die göttlichen und menschlichen Dinge vereinigt hält.Sie verkennt ganz und gar die Verwandtschaft der politischen, socialen und religiösenFragen; sie weiß nichts von der Abhängigkeit, in der sich alle auf die Regierung derVölker bezüglichen Aufgaben zu denen verhalten, welche sich auf Gott beziehen, denobersten Gesetzgeber aller menschlichen Gesellschaften____"