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22. „Die Wissenschaft Gottes gibt Demjenigen, welcher sie besitzt, Scharfsinnund Kraft, weil sie zu gleicher Zeit den Geist schärft und erweitert. . . ."
23. „Unter den Menschen, welche ich kenne, — und ich kenne deren viele, —sind die einzigen, in denen ich einen unzerstörbar gesunden Sinn, eine wahre Weis-heit, eine bewundernswürdige Fertigkeit in praktischer und weiser Lösung der schwie-rigsten Aufgaben fand, wie auch die Fähigkeit, immer einen AuSgang, immer einZiel zu finden für die verwickeltsten Angelegenheiten, Diejenigen, welche ein beschau-liches und zurückgezogenes Leben führten . . . ."
24. „Wenn Gott nicht Diejenigen, welche ihn verachten oder mißkennen, dieseBetrüger von Profession, zu einer beständigen Dummheit verdammte, oder wenn ernicht in ihre eigene Tugend einen Zügel für Diejenigen gelegt, welche mit reichlicherKenntniß ausgestattet: die menschliche Gesellschaft würde weder der Weisheit der Einennoch der Bosheit der Andern haben widerstehen können. Die Tugend der beschau--lichen, und die Dummheit der gewandten Menschen, das war das Einzige, waS dieWelt in ihrem Daseyn und vollkommenen Gleichgewicht erhalten konnte. Es gibt nurein Wesen in der Schöpfung, welches in sich alle Wissenschaft der Beschaulichen, unddie ganze Bosheit Derjenigen vereiniget, welche Gott nicht kennen oder verachten,und verachten die geistliche Beschauung: daS ist der Teufel. Der Teufel hat dieWissenschaft der Einen ohne ihre Tugend zu haben, und die Bosheit der Andernohne ihre Dummheit; und darin gerade besteht seine zerstörende Kraft und seine unge-heure Macht."
„WaS die liberale Schule im Allgemeinen betrifft, so ist sie nur in dem Gradetheologisch, als eö alle Schulen sind. Ohne eine bestimmte Darlegung ihres Glau-bens zu geben, ohne sich damit zu beschäftigen, ihre Gedanken über Gott und Men-schen, über das Gute und das Böse, über Ordnung und Unordnung ins Klare zustellen, im Gegentheil ihre Verachtung für hohe Dinge zur Schau tragend, glaubtdie liberale Schule an einen abstracten und gleichgiltigen Gott, von der Regierungin menschlichen Dingen durch die Philosophen bedient, in der allgemeinen Weltregie-rung durch gewisse Gesetze geleitet, welche er im Anbeginn der Zeiten festgestellt...."
25. „Was daS Uebel betrifft, so läugnet eS die liberale Schule in physischenDingen, und erkennt eS in den menschlichen. Für sie lassen sich alle auf daS Uebeloder daS Gute bezüglichen Fragen auf die eine der Regierungsform, und alle Fragender Regierung auf die der Legitimität zurückführen, in der Art, daß daö Uebelunmöglich, wenn die Regierung rechtmäßig, und im Gegentheil, wenn die Regierungunrechtmäßig, daS Uebel unvermeidlich ist Die Frage über Wohl und Uebel läuftalso darauf hinaus, zu beweisen, welche Regierungen rechtmäßig, und welche usur-patorisch sind."
Das Walten der göttlichen Vorsehung.
Wenn je etwas den Menschen in eine ernste Stimmung versetzt, so ist eSgewiß der Wechsel eines Jahres. Blicke auf die Vergangenheil erregen in ihm diesonderbarsten Gefühle, und wohl dem, der denselben einen freien Lauf läßt undihnen einen bleibenden Eindruck auf sein Herz gewährt. In der Gegenwart undjüngsten Vergangenheit wurde eine persönliche Gottheit mehr als je bezweifelt, jamehr als je geläugnet, und doch gibt es kaum eine Periode in der Geschichte, wosich die Eristenz und das Walten derselben mehr kund gibt als in dieser. Wer nurimmer einen vorurtheilSfreien Blick auf die Ereignisse der Neuzeit wirft, kann denFinger Gottes nicht verkennen.
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Einem Philipp dem Schönen von Frankreich, dem wohl Ironie seiner Zeitdiesen Beinamen gab, ist der Reichthum der Templer und die Pracht ihres OrdenS-hauseS in Paris (der Tempel genannt) ein Dorn im Auge. Neid und Habsuchtdrängen ihn zu einem ränkevollen Kampfe gegen sie. Seine Pläne gelingen, der