Ausgabe 
12 (11.1.1852) 2
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Orden wird vertilgt, die meisten Glieder wenigstens der angeklagten Hauptverbrechenunschuldig, einem schmerzlichen Tode überliefert und aus dem prachtvollen Tempelwird ein königliches Schloß. Da rollt eine lange Zeit vorüber und die That deSKönigs ist bereits verschollen. Doch plötzlich sehen wir einen tiefgebeugten Mannzum Richtplatz wanken, ruhig legt er sein Haupt auf daS Schaffott, daS Messer fälltund sein Blut färbt das Gerüst. Wer ist wohl dieser Mann? wer ist der Ortseines letzten Aufenthaltes, von dem man ihn auf den Richtplatz führt? Es istLudwig XVI. , ein Enkel jenes Philipp, und jener Ort ist der Tempel. (Erwurde später ein Gefängniß.) Der Nachkomme mußte daS Verbrechen seines Ahn-herrn sühnen.

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Die folgende Zeit versetzt unS nach Rom , in die heilige Stadt. Trauer ver-kündet ihr Anblick; denn eben hat eine Abtheilung deS französischen Heeres den Va-tikan besetzt und führt den heiligen Bater, einen PiuS, in die Gefangenschaft.Der Mann, auf dessen Gebot dieß geschieht, heißt Napoleon.- Der Lauf derZeit hüllt einen Schleier über dieses Gemälde, und als er ihn wieder lüftet, dawohnt und regiert in Rom der heilige Vater und jener Herrscher stirbt verbannt aufeinem Felsen im Meere. Doch seine That ist noch nicht ganz getilgt; darum rollenwieder Zeiten vorüber und zeigen einen heiligen Vater, außerhalb Rom weilend.Die Revolution hat ihn vertrieben. Nach wenigen Monaten aber führt man ihn imTriumphe zurück. Wie heißt wohl dieser Papst? wer ist das Heer, daS ihn zurück-führt? wie nennt sich Jener, der eS gesendet? Höret! Jener Papst ist ein PiuS.Jenes Heer ein französisches. Jener Gebieter ein Napoleon . Durchden Neffen hat der Herr daS Unrecht gesühnt, das der Onkel an dem heiligenStuhle verübte.

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Rom ist Republik und erklärt den Stuhl Petri als zertrümmert. Der ver-bannte PiuS mahnt vergebens und endlich schleudert er den Bann gegen seinundankbares Reich. Man lacht, man nennt diese Waffe längst verrostet, und umdem Höhne die Krone aufzusetzen, läßt ein Prinz Canino die Bannbulle auf seineRetirade kleben. Man lacht und lacht sort über die Ohnmacht des hohen Priestersund seine veraltete Waffe; aber Plötzlich ändert sich das Geschick. Das republi-kanische, revolutionäre Frankreich sendet (trotz dem allgemeinen Unwillenwegen dieses offenen Widerspruches) Truppen, um das republikanische, revo-lutionäre Rom dem Papste zu erobern. Canino lebt nun in der Verbannungund denkt nach über die Macht der verrosteten Macht des BanneS, Pins aber sitztauf dem Stuhle seiner Vorgänger mit erneuerter Macht. Die Vorsehung hat jeneBegebenheit wiederholt, in welcher der Ruf deS Herrn aus einem die Kirche ver-folgenden SauluS einen vertheidigenden Paulus machte.

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IV

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Am Main sitzen die Führer Deutschlands , um dem Vaterlande in einer neuenVerfassung daS goldene Zeitalter zu verschaffen. Der Bischof von Münster stelltden Antrag, in dieser wichtigen Angelegenheit zuvor den Herrn um seinen Segen zubitten und darum die Versammlung mit einem feierlichen Gottesdienste zu eröffnen.Ein Tumult im Hause ist'die Antwort, und mit Entrüstung eilt Raveaur auf dieBühne und ruft: Jetzt ist nicht mehr die Zeit zu dergleichen Frömmeleien. Auchdieses Bild verschwindet, und bald sehen wir ein anderes: Die Versammlung istaufgelöst, ihre Glieder sind zersprengt, Raveaur stirbt in der Verbannung und haterfahren, daß doch noch Zeit zu dergleichen Frömmeleien war. Der Bischofvon Münster aber weidet noch immer seine Heerde und genießt die Früchte seinesGebeteS.