Ausgabe 
12 (18.1.1852) 3
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Hölzern in die Wand deS Zimmers, welche aus rohen Eichstämmen besteht, unddarüber etwa einen solchen Kistendeckel zu befestigen, und daö ganze Gerüste mit demWeißzeuge aus der Garderobe der Hausmutter zu bekleiden; als Ertrazier solcheineS Kunstaltars verschafft der Missionär sich zuweilen noch eincn^Shawl der Haus-frau, heftet ihn ob dem Altare gleichsam zum Baldachine, unv sucht, wo möglich,ein Crucifix oder religiöses Bild als Altarblatl in dessen Mitte anzubringen; zuweilentrifft eS, statt solcher Gegenstände bloß den eigenen Rosenkranz aus der Tasche zulangen, und gehörig in Herzform aufzuheften, damit der Vorschrift in allwege Genügegeleistet sey.

Laufs der Zeit streckt der Missionär seine Gedanken nach weitern Planen aus,indem er die Gemeindemänner allgemach um sich sammelt, und ihnen an's Herz legt,wie nothwendig die Baute einer eigenen, kleinen Kirche vorerst aus Holzbleibe; er entwirft die Skizze hiezu, d. h. schlägt Größe und Anordnung derTheile vor, namentlich deS FenstereinsatzeS, um nicht daS eine Höher, das andereweiter, daS dritte und vierte abermal verschieden sehen zu müssen, weil die Rahmenhiezu gewöhnlich schon in Städten zu Kaufvorräthig sind; woher selbe bezogen werden.

Ein wichtiges Augenmerk für den Bauzweck hat der Missionär dem zur Kirchedienlichen Terrain zuzuwenden; vor allem muß er auf den dermaligen, oder nocheher auf den künftigen Mittelpunct der Gemeinde schauen, damit keine Rivalitätenentstehen mögen; sodann muß er unabweichlich darauf bestehen, daß der Baugrund je mehrere Acres (Jucharte) desto besser vom Eigenthümer gesetzmäßig abge-treten werde an den resp. Bischof der Diöcese, oder nach gewöhnlicher Sprach-weise: daß der veeä (Kaufbrief) auf den Namen des Bischofs laute, entweder glatt-hin, ohne irgend einen Vorbehalt, oder nur unter einfacher Bedingniß der Verwen-dung deS Grundes zu dem Kirchenbaue; denn gar gerne läßt der deutsche Farmersich von irgend einem dünkelhaften Sprudelkopfe seines Stammes weiß machen: dasKirchengut in Amerika solle und dürfe nicht unmittelbar dem Klerus unter die Händekommen, sondern müsse stets allerwege solcher Abhängigkeit entzogen, folglich, bloßunter directer, alleiniger Verwaltung der Gemeinde, resp, ihrer Ausschüsse oder Ge-walthaber (truswes) stehen bleiben. Woferne der Missionär versäumt, jene ent-scheidende Forderung durchzuführen, ist auch leider! zu sehr schon einer end-losen Kette von Zwisten, Wirren und Scandalen der bösesten Art das Anfangsgliedgeschmiedet. Es schreiben sich hievon her all' die Ercommunicationen und Jnter«dicte, womit die Bischöfe Amerikas vielfach diese und jene Gemeinde belegen mußten,bis wieder in die rechte Bahn deS Friedens, des Heiles eingelenkt ward. Betreffder Plätze für Gottesacker, Schule und Pfarrhaus hat es in solcher Rücksicht schlecht-weg die nämliche Bewandtniß; soll nämlich jedem möglichen Anstoße vorgebeugt seyn,so hat der Missionär zur nächsten Aufgabe, den vesä hierüber in beste Ordnungzu bringen.

UebrigenS zu Ehre der meisten katholischen Gemeinden Amerikas sey gesagt,daß sie von vorneherein niemals schon den Willen haben, sich mit ihrer Geistlichkeitin irgend eine Spannung zu setzen, noch minder hartnäckig auf unbilligen Ansichtenund Forderungen bestehen; nur erst das tückische Spötteln und gleißnerische Lobhudelnder Freiheit unv Selbstständigkeit aus dem Munde eines sogenannten VolksfreundeS,eines hohlen Schwätzers, eines elenden Schmarozers treibt allgemach argen Spuckim Gehirne und Herzen deS sonst schlichten, deutschen SettlerS, und verwirrt ihmbeide fortschreitend zu völliger Stumpfheit gegen jede, vormals richtige, bessereUeberzeugung. Gleichwohl aber Gott Lob! ist der tüchtige, kluge Missionär nochdurchweg im Stande, solchen Schwindel der Verführten, nicht doch der Verführerselbst, durch nüchterne, parteilose Erklärung der Sache zu heilen, und die Sache in'srechte Geleise zu bringen. Es kehrt Vertrauen, Ordnung, Friede und Segen zurückin alle Herzen, die frommen Willens sind, unv dagegen den nachtschwarzen, blut-rothen Molchen, welche selbst bodenlos den Boven unterwühlten, tritt allge-meine Verachtung auf den Racken!