Ausgabe 
12 (18.1.1852) 3
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so

Hat der Missionär seine Gemeinde gleichsam die Erstgeburt seiner Liebe,oder seiner Schmerzen, daher doppelt geliebt die Urpfade des socialen LebenSdurchgeführt, dann wandelt er Hand in Hand mit ihr zuversichtlich vorwärts infestem Schritte nach dem Ziele der Bestimmung, welches kein anderes ist, alsdie fortdauernde, sittliche Besserung von innen heraus, der immer kräftigere Auf-schwung deö Geistes zum Einen, höchsten Gute oben im Himmel, und die unzer-trennliche Verbindung mit demselben in seliger Freude. Dieß und bevorab dießmuß der Leitfaden deS katholischen Missionärs seyn in all' seinem Wirken, in all'seinen kirchlichen Diensten, in all' seinen Beziehungen zu der anvertrauten HeerdeChristi deö Herrn; so, und nur so kann, wird sein Vortrag, sein Unterricht amAltare denn eine Kanzel hat er Anfangs nicht von gutem Erfolge bleiben,und wird reichlich gesegnete Früchte tragen für die Glieder der Gemeinde, klein undgroß; falls übervem noch, wie gewöhnlich, andere Settier Nichlkatholikendaselbst leben, wird ihnen daS thätige erbauliche Glauben und Leben sowohl deSMissionärs als der katholischen Glieder eine vollständig heilsame Predigt seyn, undsie werden sich allgemach als bereitwillige Schüler zu dessen Füßen setzen, um demZuge der Gnade von Oben zu folgen, und den Flugsandboden ihrer bisher blindenNachbeterei oder Selbstmeinung mit dem Felsengrunde deS klaren Bewußtseyns indem Schooße der Einen katholischen, apostolischen Kirche glücklich zu verrauschen,nimmer, ewig nimmer zu verlieren.

Eine der schwersten Aufgaben (eben so schwer sie zu schildern) ist die Schule;die geübtesten Denker, die umfassendsten Beobachter haben eingestanden, daß einegenaue Beschreibung des UnterrichtSwesenS zumal in Amerika vorerst nicht in Mög-lichkeit bleibe, sondern daß eben nur die Hauptumrisse mit einigen markirten Neben-linien geliefert werden können. Deßhalb hier bloß zu einiger Verständniß des über-wichtigen Stoffes wenige Worte; die katholischen Missionäre auf dem Lande dürfen ohne Gefahr schwerer Schuld nie und nimmer anrathen, daß die katholischenKinder schlechthin die sogenannten Comonn-, d. h. Gemein- oder StaalSschulen besu-chen; sie dürfen kaum jemals erlauben, daß die Eltern ihre Kinder unbedingt dahinschicken; sie müssen gegentheils darauf dringen, daß die katholische Gemeindemit äußerster Anstrengung auf Errichtung einer eigenen Schule bedacht bleibe.Die einzelnen Gründe dessen liegen in dem amerikanischen Schulwesen selbst, undwürden hier zweifelsohne auch die langmüthigste Geduld der Leser erschöpfen, sonamhaft übrigens ihr Interesse ist. Aber wie rettet der Missionär sich selbst,und seine Gemeinde, und deren Kinder aus dem Doppelstrudel der Scvlla undCharybdiS? welche Auswege schlägt er ein, um daS heilige Glaubensschiff der Klei-nen an'S sichere Ufer zu bringen? Gar einfach dadurch, daß er--selbsteigcn

Schule hält, daß er dem himmlischen Vorbilde, seinem Herrn Jesu nachdie Kinder um sich sammelt, und ihnen die Lehre deS Heiles in's Herz pflanzt.Art und Welse dessen lehrt ihn vorab der praktische Verstand, unv sollte es ihmvielleicht daran mangeln, so muß die christliche Liebe auShelfen. Nun die kleineZwischenfrage: wo hält der Mann GotteS seine Schule? in welchem Locale?Ach! die a>me Blockhütte seines Herbergers muß hiezu dienen, oder daS hölzerneKirchlein, so er dort zu errichten daS Glück gehabt hat; in wie ferne solche Ge-legenheiten auch wirklich geeignet seyen, mag ohnschwer Jedermann schon genugsamermessen; aber die Noth ist die beste Lehrmeisterin.

Eine zweite Frage: warum nicht eigentliche Schullehrer, d. h. Männer vomFache angestellt werden? beantwortet sich kurzhin damit: daß die katholischen Gemein-den auf dem Lanre noch alle zu jung sinv, um die nöthigen Geldmittel zum Soldeeines bestimmten Lehrers erübrigen zu können, obgleich ihnen tief im Bewußtseynliegt, daß solche Opfer die reichsten Hinterlagen zum wahren Wohle ihrer Kinderbleiben; allein anderseits soll doch wieder für'S materielle Leben zunächst gesorgtwerden, und dieß Streben findet leicht einen liebsamen Ruhepolster an der Bereit-willigkeit des apostolischen ManneS deö Missionärs, sich diesem wichtigen GotteS-