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berufe — dem Jugendunterrichte — ohne Entgelt zu weihen. — UebrigenS gebührtvielen katholischen Landgemeinden Amerikas schon langehcr das gerechte Lob, daß sieihr Bestes gethan haben in solchem Bezüge, und daß auch die mehrsten Schulen sichdes preisenswerlhesten Erfolges erfreuen, woferne die Lehrer an Hand ihrer Geistlich-keit arbeiten mit heiligem Eifer, nicht bloß um des eigenen, materiellen Interesseshalber, oder gar — — im heimlichen Geiste der sogenannten Emancipation von allerkirchlichen Leitung und Aufsicht. — Nach alle dem zeigt das Bild eines kaiholischenMissionärs in Amerika — neben dem wesentlich nöthigen Schlagschatten — gar manche,lieblich anziehende, zuweilen sogar romantisch schöne und großartige Lichlpanhie, undeS schwellt unfehlbar jede fühlende Brust, erhebt unwillkürlich jedes theNnehmendeHerz, solchem GotteSwerke alle möglichste Förderung zu wünschen.
Der Missionär selbst bleibt hinter den frommen Wünschen dieser Art nicht zu,rück, sondern er opfert sich thatsächlich ihrer kräftigen Ausführung nach Maaß seinerKräfte, ja wohl gerne über dasselbe hinaus, weil überzeugt, daß nur außerordent-liche Hingabe den heiligen Beruf zum Gedeihen bringt, und zum unsterbliche» Lebenerhebt. — In Folge dessen kommt dem Missionär immerhin ganz genehm die rascheErweiterung seines Wirkungskreises, indem sich hier wieder eine Station, und dorteine zweite, und anderSwo eine dritte bis zu einer sechsten und zehnten — anmeldet,um von ihm geistlich versehen zu werden. — Allerdings sind die Entfernungen der-selben eben nicht selten auf zehn und zwanng und fünfzig englische Meilen ausgedehnt;und eS fehlt wohl noch oft an rechten Communication. Mitteln, d. h. Neisegelegcn-heiten; indeß' — die Liebe ist allerfinderisch, und sie weiß auch dort Raih, wo derenge Verstand oft rathloS bleibt; — der Mann GolteS schnürt sich im schlimmstenFalle sein Ränzchen, gefüllt mit allem nöthigen Apparate einer Mission, uud trolltzu Fuß entlang der Openings und Prairien, welche endlich zur gewählten Stationkommen lassen. Dort knüpft er getrost und mnthig den abgebrochenen Faden seinerLehre wieder an, und legt die überstandene Mühsal srommgläubig auf den Altar desHerrn, dem er dieß Opfer in Liebe gebracht hat.
Einen wesentlichen Moment des katholischen MissionärlebenS bildet ganz natürlichauch die Krankenpflege, welche vorzugsweise in neuen Ansiedelungen fast allcnvärtsmehr oder weniger streng in Anspruch nimmt; denn — die leidigen Wechselfieber,gewöhnliche Folge der Reisestrapa^en, der vielen anfänglichen Entbehrungen in Nah-rung und Wohnung, — ja des oft schwernagenden GrameS über das verlasseneGlück der Vaterhcimat, und der bittern Sorge — alltäglich — um willen des liebenBrodes am künftigen Morgen, am folgenden Abend: ach! die Schauer jener Wechsel-fieber brechen zumal den meisten Neueinwandercrn drüben so an Körper als an Geistalle Kraft, allen Muth, alle Hoffnung und malen der krankhaften Phantasie einZukunfrbild vor, dessen Schreck selbst dem Tode den Schrecken benimmt, ihn als will-kommensten Freund mit kalter Hand noch fenrig begrüßen macht.
Wer zählt die Seufzer, wer die Thränen, so da in einsamer Hütte im dichten Ur-Walde, oder ans endloser Prairie, dem gebrochenen Herzen, dem matten Auge ausgepreßtwerden? — wer erfaßt und würdiget genugsam die Tiefe nnd Weite deS Schmerzes, sosich über Familie an Familie ergossen hat, nachdem das Wechselficber dort Einkehr ge-nommen? — Man mnß die fahle Farbe, das eingesunkene Auge, den schorfigen Mund,den eisigen Frost, oder den großperlenden Angstschweiß, ach! man muß den leibhaftigenTod in den letzten Zügen selbst gesehen haben, um da den ganzen, herben Eindruck vordie Seele zu bringen, und sie lreumitleidig zu machen! — Der Missionär — kaum an-gelangt in der Station — hört die Jammerbotschaft, und beflügelt dann schon seinenSchritt, als Trostbote, als Friedensengel in die niedrigen Hütten zu eilen, dort dasmalle Flämmlein des Glaubens, der Zuversicht, der Geduld und Ergebung wieder unzu-fachen, und neuen Lebensbalsim in die Todeswunden einzuträufeln. Welch' seliges Be-wußtseyn ihm, — welch' Uebermaaß von Wonne ihm — dieser geistliche Beruf, diesevolle Ausstattung mit himmlischen Gnaden- und Heilsschätzen! — Und — wenn derMissionär nebstdem noch im Stande ist, dem hilfbedürftigen Kranken mit eigener Hand