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leibliche Hilfe zu leisten, ihm gedeihlichen Rath der Pflege zu ertheilen, oder gar — eineinfaches, sicherwirkendes Arzneimittel einzugeben, ohne eben erst hiezu eines Doctorat-Diplomeg zu bedürfen: o wie süß und erquicklich im Herzen, wie vortheilhaft und groß-artig stellt sich da abermal der Beruf des katholischen Missionärs heraus, und sichert ihmdaS Anrecht auf den würdigen Lobspruch: ein ächter, thatsächlicher Freund der Mensch-heit zu seyn! — Im Nachgange dieser Hindeutung auf medizinische Kenntnisse von SeitedeS MissionärS in Amerika bedarf es für Unterrichtete keiner weitem Meldung, daß da-selbst vorläufig noch keine Privilegien bestehen, kraft deren bloß gradnirte Aerzte befugtseyn, Kranke zu behandeln, die sich ihnen anvertrauen; daß dem nicht also ist, bringtfreilich den nächsten Uebelstand einer ausgebreiteten Quacksalberei, und eincö vielseitigenPrellenS mit allmächtigen Wunderpillen, Wunderessenzen, Wunderlinklurcn :c.;gleichwohl liegt anderseits klar am Tage, daß — systematisch todtcurirt nicht besser sey,als empirisch mißglückt, — und daß der Vortheil immerhin größer bleibe, je einfacherund schneller und nachhaltiger dem Patienten geholfen wird. — Abgesehen von allerPrariS gegen Andere — darf kaum in Zweifel gezogen werden, daß dem Missionär einesolch' einfache, verläßliche Curart für seine eigene Person, — wenigstens auf dem Lande— gleichsam nothwendige Kenntniß ist, woferne er sich aufrecht halten will in dem viel-beschwerlichen, vielgefährlichen Wirkungskreise. — Vorsicht schadet gewiß niemals.—Einen namhaften Vorschub zumal leistet dem Missionär in seinem heiligen Berufe solch'bescheidenes Handhaben der Medizinen, falls es ihn trifft, unter die Urvölker deS Lan-des, die sogenannten Indianer, zu wandern, und ihnen den heiligen Glaubensboten zumachen; — zwar haben dieselben gewöhnlich große Kenntnisse der wohlthätigen Heil-kräfte von Pflanzen, Säften:c., und wissen sich schnell zu helfen in Alletags-Krankhei-ten; doch — bekanntlich hat daS gelbe Fieber, in jüngster Zeit die Cholera, gar schreck-liche Verwüstung unter ihnen angerichtet, so daß beinahe ganze Stämme davon ausge-rottet wurden. Wie erfreulich mithin für den katholischen Apostel derselben, Balsam deSLebens an Seele und Leib zu spenden, und dem Lande, daS der Herr ihnen gegeben,ihre Nachkommenschaft zu erhalten, der Kirche deS Herrn, die sie aufgenommen hat, eineneben so frommen, als kernigen Zuwachs zu gewinnen.
Hier böte sich gar schöner Anlaß, den katholischen Missionär Amerikas in seinererhabensten Größe— als Indianer-Apostel — zu schildern, und die wahrhaft übermensch-lichen Verdienste in'S Licht zu stellen, so er da erwerben kann, wie selbe bereits forthinvon einzelnen Helden dieser Art — leider! an Zahl zu wenige — erworben werden;allein — zunächst fordert der hohe Gegenstand eine Feder, welche aus selbsteigener Er-fahrung schreiben kann, um die Aufgabe würbig und wahr zu lösen.
Die Entfernungen, welche in dem großen Rom die heiligen Stätten von ein-ander trennen, erlauben es gar manchem Bewohner der Stadt, nur nach Monatensie wieder zu besuchen. So erging eS auch unS: eine geraume Zeit war verflossen,seitdem wir am Grabe des heil. PauluS in der großen schönen Basilika, die seinenNamen trägt, zum letzten Male halten knieen können, als endlich ein freundlicher Tagerschien, welcher zur bekannten Pilgerfahrt in die sieben Hauptkirchen unS einlud.
Welch herrliche Erinnerungen umgeben da den Pilger, wenn er zur frühenMorgenstunde die noch schlummernde Stact verläßt und deS Weges gen St. Paulzur alten Via OstiensiS hinauf wandert! — Da liegt zur Linken daS Forum mitseinen Tempelresten, mit seinen gestürzten Säulen, mit seinen Triumphbögen, so todtund still und wüst,, wie'S einst in den Herzen der heidnischen Menschbeit mag aus-gesehen haben; und obendrein schaut düster und grimmig, wie daS Schicksal in'Sheidnische Leben, der PalalinuS, als wollt' er jeden Augenblick daS ruinengekrönteHaupt schütteln unv die Trümmer der goldenen Burg, die einst der grausame Nero