Ausgabe 
12 (18.1.1852) 3
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sich erbaute, dort unten hin auf die christlichen Kirchen hinabstürzen. Aber daSJammergeschrei der Christen, das hier oft ertönen mußte, wie die SicgeSgesängeder Heiden, denn unser Fuß steht auf der alten Triumphalstraße sind ver-klungen; der Geist deS blutgierigen Nero, welcher nach einem römischen Volksliedein die Ruinen seiner Burg gebannt ist und nun dort unten in den schauerlichen Ge-wölben herumheult, mag in unserer Zeit noch einmal auf die Wiederkehr der altenTage gehofft haben, vergebens, sie sind überwunden: daS sagt uns der freundlicheAventiuSberg, zu dem wir jetzt hinansteigen. Wohl auch herrscht hier eine Stille,aber eS ist nicht die der düstern heidnischen Trauer, sondern die Stille und Trauerder christlichen Buße in den hier blühenden strengen Orden; wohl auch ist hierBerg ab und Berg an eine Triumphalstraße gebaut, aber von den Händen der eif-rigen Zöglinge deS JosephvereinS zum Triumph für die christliche Nächstenliebe. Unddie Siegeszeichen, die hier daS Auge erblickt, sind die Trophäen der christlichen Rit-terorden. Auch sie haben zwar den veränderten Zeiten weichen müssen, aber ihrGeist ist nicht gebannt und ihre Burgen sind nicht in Trümmer zerfallen, denn eSwalten und wirken an ihrer Statt hier viele Andere und kämpfen den Kampf deSGeistes. Und werfen wir nun beim Hinabsteigen einen Blick in die Ferne, da sehenwir unten hingebreitet auf die üppige Wiesenflur, von grünenden Bäumen umschattetden herrlichen Dom deS heiligen Paulus, daS Ziel unserer Wünsche. DieTiber , welche sich zu unsern Füßen so neckend und willkürlich durch die Weinbergehinschlängelt, wendet auf einmal den Lauf ihrer gelblichen Fluchen, als wollte siedem Grabe deS Weltapostels ihren Tribut darbringen.

Doch bevor wir an diesem Grabe knieen, sollen wir noch einmal an die Ver-gänglichkeit alles Irdischen erinnert werden. Zur Rechten am Wege erhebt sich dersogenannte Scherbenberg, eine beträchtliche Anhöhe, welche auS Aschenkrügen, Urnen,Trinkschaalen und Gefäßen aller Art, die vor Jahrtausenden in Brauch waren, gebil-det ist. Ohne Ordnung, mit Gras und Moos überwachsen, liegen hier die Bruch-stücke durcheinander, viele in ihrer noch kennbaren classischen Form, andere mürbeund zerfallend. Näher, als bei den Trümmern großer Bauten, tritt hier der Gedankedem heidnischen Privatleben, aber um so mehr bewegt und belehrt er.

Wenn wir nun eintreten in die breite Baumallee, welche unS die Aussicht aufden Chor der Basilika eröffnet, so können wir das niedliche Capellchen zur Linkennicht unbemerkt lassen. Die uralte Ueberlieferung sagt, daß hier PeiruS und Paulus,als sie auS dem Mamertinischen Gefängniß zur Marterstätte geführt wurden, sichtrennten. Paulus , als der römische Bürger, ward zur gewöhnlichen Richtstätte derRömer geführt, Petrus aber zum Stadtviertel der Juden, welches durch das jetzigeTraStevere bis zum Vatikan hin zerstreut lag. Die Tradition bestand noch in einerZeit, wo man von der alten Lage der Stadt, von der Richtung der Straßen undder Richtstätte der Kaiserzeit nichts mehr wußte. Die neuesten Entdeckungen der Arthaben aber die Voraussetzungen jener Tradition genau bestätigt.

So treten wir denn endlich, von heiligen Empfindungen der Ehrfurcht undAndacht durchdrungen, in die weiten Hallen der Basilika ein, und zwar zuerst vonder Seite deS rechten KreuzarmeS. Diese Kreuzarme, welche den Chor der Kirchebilden, sind bereits vollendet Schreiten wir voran bis zur Mitte: die staunenS-werthe Größe, und doch die Feinheil der Ausführung in der Arbeit, die kostbarenSteinarten, der Alabaster, der mannigfach verschiedene Marmor, und dabei doch eineedle Einfachheit, der größte Reichthum, und doch keine Ueberladung, das Alles fälltunS zwar sofort in die Augen, kann uns aber nicht abHallen, zuerst an dem GrabedeS Weltapostels, an dem Altar, der in der Mitte der Kreuzarme unter gothischemBaldachin sich erhebt, unsere Andacht zu verrichten. Dort unter dem Altare brenntein Licht über den Reliquien dieses heiligen Apostels; dort tief unten in den Kata-komben ruhte schon sein Körper sofort nach dem glorreichen Martertode. Diese Stätteund dieser Altar mit seinem Baldachin blieb von dem verwüstenden Brande verschont,der die alte Basilika in Asche legte. Dem 13ten Jahrhundert soll die gothische Arbeit