Ausgabe 
12 (8.2.1852) 6
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menfluß vieler Ursachen und zuletzt noch in dem tollen Treiben der letzten Jahre, woaller moralische Unrath aufgewühlt auf die Oberfläche des Lebens trat, jene religiöseGrundlage vielfach erschüttert und gleichsam wie mit Trümmer und Schlamm bedecktwurde. Das geschah in hohem Grade auch in Mainz , dieser Stadt, welche durchihre Geschichte und ihren ganzen Charakter eine vorzugsweise katholische Stadtist, so daß sie wohl zu Grunde gerichtet, aber nimmer ihr ein anderer Charakter auf-gezwnngen werden kann; für sie ist also die Mission, diese großartige religiöse LebenS-erneuening in der That von jedem Standpuncte, der nicht jener der Zerstörung selbstist, als ein höchst wichtiges und heilbringendts Ereigniß zu betrachten. Wir wolltennun einige Tage warten, um ein einigermaßen sicheres Urtheil, wenn auch nur einvorläufiges, über die Wirksamkeit der Mission uns zu bilden, und können wir nunsagen: eS scheint gewiß, daß die Mission in einer sehr großartigen und fruchtbarenWeise verlaufen wird. Man komme um fünf Uhr des Morgens in den Dom, undseine weiten Räume sind dicht gedrängt voller Menschen, und wohl mehr als dieHälfte derselben mögen Männer seyn; man gehe hierauf 3'/» Uhr nach St. Emmeran,AUeS ist gedrängt voll Menschen; und eben so findet man es wieder um 2 Uhr Nach-mittags in St. Emmeran, um 4 Uhr im Dome, Abends 6 Uhr in St. Emmeranund um 8 Uhr im Dome; in dieser Stunde wächst die Menschenmenge inS Ungeheure,wohl an die 810,000 mögen sich hier zusammendrängen.

Das ist die Eine Thatsache ; die andere ist, daß die Frequenz stets zunimmt,in sehr merklicher Progression; wie ein Magnet zieht die Mission an, in weitern undimmer weitern Kreisen. Die dritte Thatsache ist, es findet keine, nicht die mindesteStörung statt, ja kaum hört man da und dort eine alberne Aeußerung, vor nichtlanger Zeit ist daS bekanntlich ganz anders gewesen. Eine vierte Beobachtung, diesich Jedem aufdrängt, ist die Art und Weise, wie die Predigten gehört werden.Da ist diese unermeßliche Menge und wo man hinsieht, bemerkt man fast nur ernste,gesammelte Mienen; da ist diese unermeßliche Menge, und eS herrscht die tiefste Stilleschon vor dem Beginne der Predigten; auch die Menschenströme zu der Kirche, auSder Kirche bewegen sich in merklicher Ruhe und Stille; während der Predigten aberkann man öfters eine Stille bemerken, die fast einen größern Eindruck macht, alsdas Wort des Redners, die sie hervorrief. Auch jene tiefe Rührung, die in Thränensich kundgibt, welche nicht durch sinnliche Motive, sondern durch erhabene Wahr-heiten und tief innerliche Gemüthsbewegungen verursacht werden, zeigt sich öfters.Unter den Missionären sind freilich mehrere, die Alles besitzen, was den Redner aus-macht und man ist ihrer Bewunderung voll; aber dennoch schiene eS unS sehr irrig,ihren rednerischen Mitteln jene Erscheinungen zuzuschreiben; der Grund liegt vielmehrin der Kraft der christlichen Wahrheiten selbst, von denen eS unS nicht wundern kann,daß sie da, wo sie auf einmal, gleichsam wie die Sonne aus dichten Nebeln, mitconcentrirter Stärke und mit vereinigten Strahlen hervorbrechen, ihren Einfluß aufein Volk üben, daS seiner innersten Wesenheit nach christlich ist, aber durch schlimmeZeitverhältnisse in einen Zustand religiösen Zerfalles gekommen, der ihm selbst lästigist und aus dem heraus sich unbewußt nach einem Zustande deS innern Friedenssehnt, den die Mission ihm nahe bringt. (Mainzer I.)

Paris.

Paris , 25. Jan. Heute feiern wir in unserer Psarre (St. Nicolas du Chardon-nct) daS Fest der Geistlichkeit. Mit diesem Feste hat eS folgende Bewandtniß. Jedeunserer Pfarren hat sich einen bestimmten Heiligen als Patron ihrer Geistlichkeit gewähltund zwar einen solchen Heiligen, der eine gewisse Beziehung zum geistlichen Stande hatund ikm als Vorbild dienen kann. So findet man unter Andern als Patrone: den heil.Petruö, PauluS, Johannes, Carl BorromäuS , Vincenz von Paul u. s. w. Unsere Pfarrehat den h. Franz von Sales gewählt, dessen Fest auf den künftigen Donnerstag fällt undheute anticipirt wurde. Der heutige Tag ist für unsere Geistlichkeit ein Freudentag; manerinnert sich der Gnade der hl. Priesterweihe, gedenkt freudig des WahlspruchS:Mein