Ausgabe 
12 (8.2.1852) 6
Seite
47
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

47

LooS fiel mir auf ein herrliches Theil!" man wünscht sich Glück und gibt sich den Bruder,kuß. WaS der Tauftag und sein Jahrestag jedem Christen ist, nämlich eine feierliche An-gelobung, den christlichen Glauben zu bekennen und zu befolgen, so wie eine feierliche Er-neuerung der Taufgelübde; waS der Tag der ersten h. Communion und sein JahreStagjedem zur innigsten Gemeinschaft mit dem Gottmenschen zugelassenen Christen ist, nämlicheine Angelobung und jährliche Erneuerung dieses Versprechens, mit Christo vereint zubleiben, wie die Rebe mit vem Weinstock; was der TrauungStag und sein Jahrgedächtnißden Eheleuten ist, nämlich ein Versprechen und eine wiederholte Erneuerung dieses Ver-sprechens, einen Bund zu bilden, wie ihn Christus mit seiner Kirche bildet das ist, inbesonderer Art, auch der heutige Tag der Geistlichkeit, nämlich eine Belebung und Auffri»schung der mit dem Priesterstand übernommenen Gelübde und Pflichten. Man siebt heutenur die Geistlichen um den Allar; alle Chordienste, die sonst von Chorknaben, Chorsän-gern u. s. w. ausgeführt werden, werden von Geistlichen bestellt, kurz der ganze geistlicheStand ist den Tag über bei allen Feierlichkeiten um den Altar versammelt und zeigt damitan, daß er einzig dem Dienste des AltarS gewidmet ist. Eine ähnliche Erscheinung findenwir hier am Feste der unschuldigen Kinder, wo nur der Priester am Altare ist, alle übri-gen Altar- und Chordienste aber von Chorknaben verrichtet werden. Die Knaben sind dieSänger im Chor und wissen sich ihrer Aufgabe vortrefflich zu entledigen. ES versteht sichvon selbst, daß die heutige Festrede ausschließlich an die Geistlichkeit gerichtet ist. Beidieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf ähnliche sinnreiche, im christlichen Boden be-gründete Feste hinzuweisen, die hier bestehen, aber in Deutschland (so viel mir bekannt ist)sich nicht finden. Es sind deren drei, die gewissermaßen ein Ganzes bilden: das Fest deSh. NicolauS, der h. Katharina und der h. Barbara. Ersteres ist nicht sowohl, wie im ka-tholischen Deutschland und Rußland , ein allgemeines Kinderfest, sondern vielmehr das Festder Knaben und Jünglinge (Is köte cleg Asr?ons). Das zweite ist das Fest der Jungfrauen;und das letzte das der Verheiratheten, oder vielmehr der Frauen. Wo in Paris diese Festenoch gefeiert werden, beschränken sie sich meist darauf, daß man sich gegenseitig beschenktund daß der betreffende Theil (Knabe, Jungfrau oder Frau) an dem Tage eine gewisseHerrschaft im Hause und in den Gesellschaften ausübt. Der religiöse Charakter dieserFeste ist in unserer Hauptstadt ganz verloren gegangen, und muß man auf die entlegenenDörfer gehen, um noch einige Spuren davon wieder zu finden. Dort eröffnet eine kirchlicheFeier diese Familienfeste, unv jeder Theilnehmende muß der Kirchenfeier beigewohnt ha-ben. In der Kirche, wie zu Hause, genießt der betreffende Theil einen Vorrang, indem erdie vorder» Plätze einnimmt, den Gesang leitet und bei den Ceremonien (so weit diekirchliche Sitte erlaubt) sich betheiligt. So werden z. B. am Barbaratage die gesegnetenBrode (pains dsaits) von den Frauen ausgetheilt. (WaS beiläufig bemerkt denGebrauch betrifft, gesegnete Brode oder Kuchen an den Hauptfesten auszutheilen, so findeter sich in ganz Frankreich und ist ein offenbares Ueberbleibsel der Ngapen oder LiebeSmahlein der ersten Kirche.) Ferner bringt man der Kirche ein Opfer unv läßt die zu vertheilen-den Geschenke nicht selten zuerst segnen. Jene drei Feste, wie sie hier in Paris gefeiert wer-den, erinnern mehr an die heidnischen Saturnalien, als an christliche Feste. So wahr istes, daß der christliche Geist nur im Stande ist, eine reine und erhebende Familienfeier zugründen und zu erhalten. Mit dem Umsichgreifen deS modernen HeidenthumS haben jeneFeste ihren Sinn und ihre Bedeutung verloren, sind in Bacchanalien ausgeartet und sind,zum Glück, meist eingegangen, Mit dem wiedererwachenden christlichen Geiste wird eSnicht ausbleiben, daß jene Feste auch wieder aufstehen, denn daS Christenthum soll daSLeben der Menschheit beseelen, seinen Schmerz lindern und seine Freude heiligen, gemäßdem Spruche des Apostels:Freuet euch, aber freuet euch im Herrn!" Im christlichenMittelalter hatte jeder Stand, jedes Gewerk, jede Anstalt einen eigenen Schutzpatron,den man besonders verehrte. (M. S. Bl.)

Mailand.

Die Verwendung der barmherzigen Schwestern im großen Civilspital zuMailand hat nicht nur auf die Krankenpflege ven wohlthätigsten Einfluß geübt,