Ausgabe 
12 (8.2.1852) 6
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sondern auch in ökonomischer Hinsicht die erfreulichsten Resultate geliefert. Ohne desUmstandeS weiter zu gedenken, daß die ehrwürdigen Schwestern freiwillig auf denjeder Einzelnen für Kleidung zugewiesenen Jahresbeitrag von 100 Lire verzichteten,hat es sich auch herausgestellt, daß, seitvem sie die Verwaltung der Küche übernah-men, diese nicht nur weit besser bestellt war, sondern daß auch in einem Jahre nur 122Malter Kohlen gegen den alljährlichen frühern DurchschniuSverbrauch von 344 MalterKohlen verbrannt wurden. Am Brennöl belief sich der jährliche DurchschuittSve»brauch früher auf 222 Pfund, unter der Leitung ver Schwestern wurden nur 157Pfund gebraucht; an Brod wurden im laufenden Jahre 259 Pfund erspart; an Blut-egeln, die sonst nach einmaliger Verwendung weggeworfen, von den Schwestern aberdurch zweckmäßige Behandlung zur wiederholten Verwendung vollkommen geeigneterhalten wurden, sind 173,341 Stück in der Zeit von 4 Jahren und 4 Monatenerspart worden, was einer Geldökonomie von 23,292 Lire gleichkommt:c. !c. Soberichtet die Wiener Zeitung .

Berlin .

Berlin , im Januar. Hengste nberg entwirft in derevangelischen Kirchen-zeitung" ein trauriges Bild von derkirchlichen Verwahrlosung Berlins ." Die mei-sten Kirchen stehen an Sonntagen leer; in der Marien-, Kloster-, Neuen-, Waisen-hauSkirche predigen die Geistlichen für die leeren Bänke, nur sehr wenige, königlichenPatronats, an welchengläubige" Prediger angestellt sind, werden besucht. ESerscheint ihm daher ziemlich gleichgiltig,ob die neue Kirche in der Georgenparochievollenvet werde oder nicht denn leere Kirchen mit ihren leeren Predigern seyen jadoch als geistliche Ruinen zu betrachten; möge die äußere Ruine als Symbol diesesganzen ruinirlen KirchenwesenS dastehen I" Wir wollen nicht untersuchen, ob bloßder Magistrat, der Patron der meisten Kirchen, wie Hengstenberg meint, dieSchulv dieser kirchlichen Verwahrlosung trage; merkwürdig sind aber die Mittel, dieer zur Abhilfe solcher Noth vorschlägt. Er räth neue Kirchen zu bauen aus frei-willigen Beiträgen, unv zwar möge der König, wie einst Daviv,einen besondernSchatz von Golv und Silber" dazu hergeben; dann meint er, könne es nichts Er-wünschteres geben, als wenn römisch-katholischer Eifer sich Berlin recht zum Ziel-puncte machte. Er ruft daher auS:Hätten wir erst sechs Klöster in un-serer Stadt, sähen wir auf den Straßen eben so viel Capuciner alsConstabler, schlüge die katholische Mission erst ihr Lager hier auf,so dürften wir wohl hoffen, daß viele Schlafende zum Eifer erwecktwürden. Wir müssen es bedauern, daß der Piusverein im vorigen Jahre den Planaufgegeben hat, seine Hauptversammlung in dieser Stadt zu halten. Vielleicht wirddieser Plan im nächsten Jahre wieber ausgenommen." ES muß sehr traurig umdiekirchliche Verwahrlosung Berlins" stehen, da ein Mann, wie Hengstenberg,ein solch verzweifeltes Mittel vorschlägt und die Protestanten durch die Katholiken-furcht in die Kirchen treiben will. Würden sechs Klöster in Berlin gegründet, sowürden vielleicht manche Protestanten voll fanatischen EiserS in die Kirchen eilen,um dort:Eine feste Burg ist unser Gott" zu singen, aber Viele würden auch stillzu den Klöstern gehen, um dort zu suchen, wonach ihr Herz sich sehnt, und waS siein den protestantischen Kirchen nicht finden, wahre Versöhnung mit Gott, wahrenFrieden deS Herzens. Hengstenberg lobt seit einiger Zeit wiederholt den ThomaSvon Kempen . Möge er denselben wieder und wieder lesen in den stillen Mauerneines katholischen Klosters und das vierte Buch etwa vor dem Tabernakel eines Klo-sterkirchleinS, wo das ewige Licht brennt, eS wird ihm dann vielleicht klar werten,warum die Protestanten ihre Kirchen nicht besuchen, wenn sie auch nach seinemWunsche Tag und Nacht offen stehen.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer.