Zwölfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojtzeitung.
15. Februar 7. - 1852.
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Die Kirchenstürmer.
„Wohlan! laßt uns die stolze Beste brechen„Mit ihren hohen, altersgrauen Zinnen;„Sonst mögen wir umsonst den Kampf beginnen,„Das Sclavenloos, das uns bedrückt, zu rächen! — >„Erschallt der Wächter Horn von ihren Thürmen,„Da fiuthen, zahllos wie der Sand am Meere,„Der Zwingburg Mauern vor dem Feind zu schirmen,„Heran der Kirche kampfgeübte Heere!"
So sprach der Meister von der rothen Gilde,Und mit des Beifalls frevelndem GcbahrenBegrüßten der Gesellen rohe SchaarcnDen Ruf: „Für die Verhaßte keine Milde!" ') —Was von der Bosheit und der Lüge WaffenIm Arsenal des Zcitgeists aufgespeichert,Sehn' wir nun stolz die Helden an sich raffen,Mit buntem Wehrgehänge flink bereichert.
Der zielet mit der Läst'rung gift'gcn PfeilenHin nach dem Kreuze auf des Thurmes Spitze:Umsonst! des Himmels nahe NachcblitzcZerstieben sie, eh' sie das Ziel ereilen;Die graben mit dem Lügcngeist im BundeIn trutzcm Grimme nach dem Fundamente:Doch weh: da starrt ein Fels aus tiefem Grunde,Und muthlos sinken die erschlafften Hände!
Hier richten sie die dröhnenden GeschosseMit sicherm Blicke nach dem Hauptportalc,Da winkt der Herr und sieh': die KathedraleSteht unentweihet vor dem wilden Trosse!Dort schleudern sie der Lüge FeuerbrändeMit grauftm Spotte nach den hcil'gen Zinnen,Doch ruhig sah'n die grauen RicscnwändeDer Flamme Strom im leichten Sand zerrinnen.
Jetzt winkt des lauernden Berräthcrs TückeDen Kämpfenden, die schon den Muth verlieren:Er will zur Nacht sie in die Beste führen,Ganz nnbclauscht vom scharfen Wächterblicke.Doch eh' die Sonne von dem Tag gewichen,Ist des Verrathes Frevel kund geworden,Und als die Harrenden herangeschlichen,Sah'n sie bewacht die wohlverschloss'nen Pforten!
eerssen I'mtsmö!