Ausgabe 
12 (15.2.1852) 7
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Und nun erfaßt Verzweiflung die Verzagten,So daß sie toll, von blinder Wuth geschlagen,Die Waffen gegen sich zum Morde tragen,Da sie umsonst sich an die Beste wagten.Doch diese blickt in düsterm TrauernHernieder auf die blut'gcn Brnderleichcn,Und sühnend raget von den heiligen Mauern,Des Kreuzes unversehrtes Siegeszeichen!

Tafrathshofer.

Einladung

zum GebetSverein für die Vereinigung schiSmatischer Slaven mitder katholischen Kirche unter Anrufung der beiden Slavenapostel

Cyrill und MethodiuS. *)

Das letzte Gebet unseres göttlichen Lehrmeisters und Heilandes zum himmli-schen Vater für seine Apostel und Gläubigen war, daß sie einig wären, so wie Erund der Vater EinS sind (Joh . 7, 1!). Von gleichem Geiste der Einigkeit beseeltwaren auch die Apostel, unter denen der große Weltapostel Paulus die gläubigenKorinther durch den Namen Jesu Christi bittet und ermahnt, keine Spaltungen zupflegen, sondern vielmehr vollkommen Eines SinneS und Einer Meinung zu seyn(l. Kor. i, 10). Auf diese Grundlage haben auch alle nachfolgenden apostolischenMänner und auch die beiden heiligen Apostel der Slaven, Cyrill und Method, imausgezeichneten Grade an der heiligen katholischen Kirche gebaut, lebten und wirktenin heiliger Gemeinschaft mit Rom , dem apostolischen Lehrstuhle, dem Mittelpuncte derEinigkeit, und haben alldort nach glorreich vollbrachtem Tagewerke auch ihre Ruhegefunden. Dieses herrliche Gebäude der Älaubenseinigkeit unter den bekehrten christ-lichen Slavcnvölkern hat das unglückselige Schisma deS Michael CerulariuS zerstörtund den schönen Rock Christi in zwei große Theile (die orientalische und occidentalischeKirche) zerrissen, Völker getheilt, und zwischen Brüdern einen fanatischen Haß ange-facht, der durch acht Jahrhunderte dauert, zum großen Nachtheile der Religion undKirche, so wie jeder wahren christlichen Volksbildung, besonders bei den weit zer-streuten slavischen Völkern.

Der glänzende Stern christlicher Civilisation, der den Slaven in den beidenAposteln Cyrill und Method im 9ten Jahrhunderte so glänzend aufging, ist ihnen imilten Jahrhunderte durch daS unselige Kirchenschisma untergegangen. Alle Versucheeiner Vereinigung sind, mit weniger Ausnahme, großentheils erfolglos geblieben;eine kalte Eisdecke eines tief eingewurzelten NeligionShasseS bedeckt die Herzen auch .der sonst so gemüthlichen, warmen, aber getrennten Slavenvölker, die nur die GnadeGottes zu brechen, die verschlossenen Herzen zu öffnen und sie mit dem Feuer christ-licher Liebe zu erwärmen im Stande ist.

Die Kraft deS Gebetes ist wunderbar, und was ein vereintes Gebet vermag,beweisen die zahlreichen Bekehrungen der getrennten Brüder durch England und Deutsch-land in unsern Tagen. Die GebetSvereine Frankreichs für die Bekehrung Englands ,so wie die Gebetsvereine für die Glaubensvereinigung deS durch die sogenannte Re-formation zerrissenen Deutschlands haben über die beiden Völker ein neues, frisches,religiöses Leben auSgegossen, daö als ein Geschenk GotteS für die katholische Kircheeine erfreuliche Zukunft verkündet, während im Lager deö unglückseligen SchiSma einestarre Grabesstille herrscht, die nur häufige Vorfälle deS lieblosesten Fanatismusunterbrechen. Und doch sind unS die nichtunirten Griechen so nahe in Anbetracht derUnterscheidungSlehren, den Slaven so nahe der Abstammung und der Sprache nach.Die unselige Glaubensspaltung ist die große Scheidewand, die unS gegenseitig ent-fremdet; und so lange diese Mauer nicht fällt, ist jede bleibende Annäherung und

") Der hochwürdigste Herr Fürstbischof von Lavant hat diesen Gebetsverein bei den Priester-Erercitien in seiner Diöcese in Anregung gebracht, und obenstehende Einladung zum Beitritte erlassen;welche wir, an uns geäußertem Ansuchen gemäß, gern diesem Blatte einverleiben. D. R.