Ausgabe 
12 (15.2.1852) 7
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Befreundung vergeblich. Das unselige Schisma hat uns getrennt, die BeseitigungdeS SchiSma allein kann uns vereinen zu einem gemeinsamen Anstreben einer wahrenchristlichen Bildung. DaS wirksamste Mittel dazu ist ein GebetSverein, nicht etwazu einer leidenschaftlichen Polemik, nicht zu einer unedlen Proselytenmacherei, sondernzur frommen christlichen Fürbitte, daß Gott , der ein Gott der Wahrheit, der Liebeund Einigkeit ist, unsern zertrennten Brüdern das Licht der Wahrheit anfachen, dieTugend der wahren Demuth beleben, die uneigennützige Liebe vermehren, und Allezur Einigkeit teS Glaubens und der Hoffnung führen möge.

Es erhob sich im Jahre 1342 eine Stimme auS Baden und forderte die katho-lischen Brüder zu einem GebetSvereine, für die irrenden und ungläubigen MitbrüderDeutschlands zu beten, auf. Mit großer Freude wurde diese Aufforderung besondersvom katholischen Klerus vernommen, ES schlössen sich sogleich mehrere Priester undLaien dem GebetSvereine an und sammelten zu Hunderten betende Mitglieder. Dießwar der Grund zu dem schönen St. Bonifaciusverein, der nun für die Bekehrungund Einigung Deutschlands so kräftig wirket. Und eben reiset der berühmte PaterJgnaz v. St. Paulo, einst Lord Georg Spencer, vormaliger anglicanischer Pfar-rer, durch Irland, England, Deutschland und Italien , klopft an die Thüren derKatholiken und Protestanten, ladet alle zur Glaubensvereinigung ein, und hat für dieAusgleichung unserer religiösen Spaltungen eben durch die GebetSvereine mehr, alsirgend einer seiner Zeitgenossen gethan; denn dadurch erwacht die wahre christlicheLiebe, und wird einen mächtigen und heilsamen Einfluß auf die Neugestaltung Europas ,sowohl in religiöser als socialer Beziehung ausüben, indem es ja eben die religiösenZwistigkeiten sind, welche den Völkern eine Quelle noch größeren Uebels, als diegegenwärtigen sind, zu werden drohen.

Die Einheit der Religion wieder herzustellen soll darum das eifrigste Bestrebeneines jeden wohlwollenden Menschenfreundes, um so mehr eines jeden Katholikenseyn, dem die Religion, Nation und Vaterlandsliebe heilig sind. Diesem nach ladeich hiermit alle meine Mitbrüder, als Mitgenossen des Amtes, der Sprache und derAbstammung zu einer größern GebetSvcrbrüderung ein, auf daß der Vater deS Lich-tes, von dem eine jede gute Gabe, besouders aber die Gabe deS Glaubens kömmt,durch die Verdienste Jesu, durch die Vermittlung Maria'S, der hochgebenedeitenMutter unseres Heilandes, und durch die Fürbitte der beiden Slavenapostel, St. Cy-rilluS und MethodiuS , unsere durch die unselige Kirchenspaltung getrennten Brüder,und Schwestern zur Gemeinschaft unserer Mutter, der katholischen Kirche , führen wolle.Satzungen dieses Gebetsvereines.

1) Jedes Mitglied verpflichtet sich, täglich Ein Vater unser und Gegrüßt seystdu Maria, mit dem Beisatze:Heil. CyrilluS und MethodiuS, ihr großen Apostelder Slaven, bittet für uns!" auf obige Meinung zu beten.

2) Am 9. März, als am Gedächtnißtage der beiden hl. Slavcnapostel, wollenalle Priester auf obige Meinung ein hl. Meßopfer Gott darbringen; die Laien abernach abgelegter HI. Beichte die hl. Communion aufopfern.

3) Jedes Mitglied suche in seiuer Umgebung Theilnehmer zu werben, undscheue keine Mühe, um alle Wohlmeinenden, besonders aber Slaven zu dieser Gebels-vereinigung zu bewegen, auf daß sie sich und den getrennten Brüdern die Vervoll-kommnung in allen christlichen Tugenden, namentlich aber in der Demuth (der Hoch-muth ist die Grundursache der Trennung) und in der christlichen Liebe (sie ist daSBand der Völker und Nationen) erflehen mögen. Die ächte Demuth wird alle Hin-dernisse der Einheit beseitigen und die Liebe in allen Herzen daS Verlangen nach christ-licher Einheit entzünden, zugleich aber auch die Uebel deS SchiSma mildern.

Welche katholische Seele, die daS uucrfaßliche Glück fühlt, ein Kind der alleinwahren und eben deßhalb der alleinseligmachenden, römisch-katholischen Kirche zu seyn,sollte nicht auch das sehnlichste Verlangen haben, dieses höchste Glück hienieden auchseinen außenstehenden Brüdern und Schwestern, die sich nicht in dem Einen SchafstalledeS Einen guten Hirten befinden, und auö eigener oder fremder Schuld von dem