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geht er wieder weiter, und so ist er überall neu, überall ungewöhnlich. An denWeltpriester dagegen ist man gewöhnt; er hat die schwierige Aufgabe, immer frisch,immer neu zu seyn. Die Herzen der Zuhörer sind ihm nicht so bereitet; auch bat ernicht bloß das Wort auszustreuen, sondern er muß auch die Saat pflegen, das Un-kraut entfernen, den Boden immer von Neuem auflockern; noch mehr: Die Welt siehtmit argwöhnischem Auge auf sein Leben, ob eS auch dem Worte entspreche; diekleinste Makel wird bemerkt, vergrößert, und die Wirkung der Lehre dadurch geschmä-lert, oft geradezu vernichtet. Der Missionär trägt eine bestimmte Reihe christlicherWahrheiten vor, und zwar die erhabensten, ernstesten in ununterbrochener Reihenfolge.Wie aus schwerem Geschütz, auf Einen Punct hin gerichtet, schlägt Kugel auf Kugelein, so daß selbst der härteste Stein endlich gebrochen wird. Bei dem Weltpriestcrsind alle diese Wahrheiten auf daS ganze Jahr vertheilt, zwischen die einzelnen Pre-digten tritt jedesmal eine ganze Woche mit all ihren weltlichen Zerstreuungen undSorgen. Welche Tiefe, welche Lebendigkeit und Innigkeit ist da nicht nöthig, damitder Eindruck der einen Predigt doch einigermaßen bis zur folgenden bewahrt werde!So hat schon in der Lehre die Weltgeistlichkeit eine schwierigere Aufgabe als derRegularkleruS. bp.HL-'stÄnvÄ -
In einer andern Beziehung aber steht der Weltpriester ganz einzig da: er istan die Spitze einer Gemeinde gestellt, um sie zu leiten und zu führen. Diese Sorge,bei weitem die schwerste deS Pncsters, hat er allein. Er ist hier auf den Leuchtergesteckt, zu leuchten Allen, die im Hause sind, mit einem guten Beispiel: AllerAugen sind auf ihn gerichtet. Seine Fehltritte dienen den Bösen zur Entschuldigung,den Guten zum Aergerniß; seine Tugenden sind den Guten ein Antrieb, den Bösenein Anstoß; er ist das Salz, der Sauerteig, der die ganze Gemeinde durchdringensoll. Er darf nicht fade werden, er darf nicht schwach werden, er darf nicht ermat-ten. Wie unendlich schwieriger ist diese Aufgabe für den Weltpriester als für denOrdenSmann, der in seinem Hause lebt, geschützt gegen die bösen Einflüsse der Welt,umgeben von frommen, gleichgesinnten Männern; dessen Leben einer steten Aufsichtunterliegt, der Ruth und Hilfe stets in der Nähe hat, was AlleS bei dem Welt-priester entweder gar nicht oder nur sehr spärlich vorhanden ist. Dagegen sind eineMenge Dinge, die seine Wirksamkeit lähmen: Fruchtlosigkeit jahrelanger Bemühun>gen, Undank, Verleumdung, oft offene Verfolgung; dazu die vielen Sorgen für dieGemeinde und Alles, was deren Seelenheil betrifft, in der Kirche, in der Schule,im HauS, für Klein und Groß. Alle Seelen, die ihm anvertraut worden, werdenvon seiner Hand gefordert werden; er ist der Vater.und der Hirt Aller, und dieganze Last ruht auf ihm allein, eine Last, die nur selten ein OrdenSmann zu tra-gen hat. Auch dazu hat also der Weltpriester eine größere Kräftigung und Stärkenothwendig.
Der Weltpriester hat dieselben Tugenden zu üben, die auch der Ordensmannzu üben hat. Der Unterschied ist nur der, daß Letzterer es unter weniger Gefahrenund getragen von seinem Gelübde und seiner Ordensregel thut. Der Wellpriesteraber, besonders der Landgeistliche, steht hier allein> den mannigfaltigsten Gefahrenpreisgegeben. Er hat die Demuth zu üben, wie der Regulär; nur ist es diesemungemein leichter; er unterwirft sich einfach seinem Obern und seiner Regel; dieVersuchungen zum Hochmuth liegen ihm ferner; er hat Andere neben und über sichvon gleichen oder noch höheren GeisteSgaben; seine Verfehlungen gegen die Regelerinnern stets an seine Schwachheit; er sieht um sich her die schönsten Tugendbeispiele.DaS Alles fehlt dem Weltgeistlichen; dagegen ist er umringt von Gefahren deö Hoch-muths; er ist meist der Gebildetste, der Fähigste und Geehrteste in der Gemeinde;in allen Angelegenheiten wendet man sich an ihn; er soll rathen, helfen; ihm gehor-chen wenigstens die Bessern in der Gemeinde, So ist er auf der einen Seite derHöchste; auf der andern soll er wieder der treueste und gehorsamste Diener der Kircheseyn, gehorsam auch im Kleinsten und scheinbar Unbedeutendsten, mit Liebe ergebender kirchlichen Ordnung und seinen Obern um Gottes willen; der Welt gegenüber