Ausgabe 
12 (29.2.1852) 9
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojtzeitung.

L9. Februar S. 185S.

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Hirtenbrief deS Hochwürbigften Herrn ErzbifchofS von Köln .

Johannes,der heil, romischen Kirche Cardina l - Pri e st er von Geissel,durch GotteS Barmherzigkeit und des heiligen Apostolischen Stuhleö GnadeErzbischos von Köln,desselben Apostolischen Stuhles geborner Legat zc. :c.,der hochwürdigen Geistlichkeit und allen Gläubigen der Erzdiöcese Gnade, Friedenund Segen von Gott dem Vater durch unsern Herrn JesuS Christus !

Abermals hat der heilige Vater zu Rom seine obersthirtlicbe Stimme von derHöhe seines apostolischen SitzeS erschallen lassen. AIS oberster Wächter deS Heilig-thumS bestellt, daß er den Völkern im Kreislaufe der Zeit den kommenden Tag deSHeils, oder die hereinbrechende Nacht deS geistigen Unglücks ansage (Js. 2l, tl),hat sein, die katholische Welt überwachendes Auge den Zustand der Kirche unter denVölkern erwogen. Was er gefunden an heiligen und gnadenvollen Früchten eineswieder gebesserten Lebens, welches das früher von ihm verliehene große Jubiläum beiUnzähligen in allen Ländern hervorgebracht, gereichte ihm zur Beruhigung und Freude.Aber dennoch blieb sein väterliches Herz fortwährend mit Schmerz und Trauer erfüllt.Wie könnte daS auch anders seyn in unsern verhängnißvollen Zeiten, in denen seinprüfender Blick der Verwirrung, der Verkehrtheit unv der Verderbniß so viel trifft,daß seine Seele darüber von heiliger Besorgniß erfüllt ist? Er hat darum an allePatriarchen, Erzbischöfe und Bischöse der katholischen Welt ein apostolisches Rund-schreiben erlassen, ihnen seinen Schmerz und seine Besorgnisse mitzutheilen, damit siemit ihren Gläubigen die Uebel dieser Zeit und die auS ihnen drohende Gefahr erken-nen, und mit ihm die Mittel ergreifen, dem Verderben entgegen zu treten. >

Und waS ist eS, waS sein apostolisches Herz beängstigt, geliebte Erzdiö-cesanen? Welche Uebel erblickt sein prophetisches Wächterauge? Er bezeichnet siemit hohen, ernsten Mahnworten. ES ist die Verkehrtheit dieser Tage, in denen dieFeinde GotteS und der Menschen die Gemüther verwirren, die Sitten verderben, dieReligion untergraben und, alle Bande zerreißend, die göttliche und menschliche Ord-nung umzustürzen suchen. ES ist die Geistesverblendung so Vieler, welche die Kircheund ihren apostolischen Mittelpunct anfeinden, die Tugend und Ehrbarkeit hassen, dasLaster unter dem Namen der Tugend predigen, mit zügelloser Frechheit sich Alleserlauben, jedes Ansehen und jede Gewalt übermüthig mißachten, alles Heilige undGesetzliche verspotten, die arglose Jugend verführen, und durch verderbliche Bücher,Schriften und Zeitblätter, in denen die Sünde gelehrt wird, die Geister vergiften unddie Seelen morden. Es ist insbesondere der todbringende Unglaube und die religiöseGleichgilttgkeit, in welche in unsern Tagen so Viele versunken sind (Lpist. Lao^ol.