Ausgabe 
12 (29.2.1852) 9
Seite
66
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

66

?ii?. IX.); der Unglaube, welcher alles Göttliche und Heilige verläugnet dieGleichgiltigkeit, welche lau und kalt für alles Gute erstirbt: Das ist eS, was dasHerz des heiligen Vaters bekümmert und seine Seele mit Schmerz erfüllt.

Mit Recht, geliebte Erzdiöcesanen! denn eS gibt kein größeres Uebel,als der Abfall von Gott, der Unglaube. Schon an einer andern Stelle haben WirEuch die wichtige Wahrheit anS Herz gelegt, daß nur die Religion die Grundlagealles Gedeihens seyn könne, und ohne sie nimmer und nirgendwo Heil und Segenzu finden sey. Wir wiederholen Euch heute diese große Wahrheit und ibre Bestäti-gung auS dem apostolischen Munde deS Hohenpriesters, welcher da als oberster Hüterund Herold der Wahrheit unter den Völkern gesetzt ist. Es ist ein Gesetz der ewigenGerechtigkeit, und eS ist unabänderlich: der Abfall von Gott, der Unglaube, ist desVerderbens Quelle und Vollmaaß. Für den Menschen, der von Gott abfällt unddem Unglauben fröhnt, gibt eS nichts Heiliges mehr; für ihn hört alleö auf, waSdie Religion heiligt und schützt: Familie, Eigenthum, Vaterland. Die Familie, inwelcher der Unglaube wohnt, kann auf die Dauer nicht gedeihen; früher oder späterwird die Gottvergessenheit auch die Unsittlichkeit, daS Laster und den Ruin ins HauSbringen. Die Gemeinde, in welcher der Unglaube mächtig wird, kann nicht bestehen;sie wird in Rohheit und Sittenlosigkeit, in Zwietracht und Parteisucht zerrüttet wer-den, und in fortschreitendem Unheil zerfallen. Ein Volk, in welchem der Unglaubedie Herrschaft gewonnen, geht dem Verderben entgegen. Der Unglaube untergräbtalle Grundlagen der Gesellschaft, er predigt und übt, statt der Zucht und Sitte,Ausschweifung und Unzucht, statt der Wahrheit, Redlichkeit und Treue Lüge,Trug und Meineid, statt deS Rechtes und der Gerechtigkeit Bedrückung und Ge-walt, und alle menschliche und göttliche Ordnung unterwühlend, frißt er, wie eintödlicher Krebs, um sich, bis er zuletzt, in seinen von Gott abgefallenen Anhän-gern mächtig geworden, weder Gott noch der Menschen Ansehen mehr scheuend, zuTage tritt und in offener Empörung alles Bestehende umstürzt. DaS ist deS Unglau-bens Auögang. So will eS das Gesetz der ewigen Gerechtigkeit, und so lehrt eSdie Geschichte aller Zeiten. Immer und überall, wo der Unglaube mächtig wird, dabricht auch mit Macht das Verderben herein. Hat nicht dieses Gesetz der ewigenGerechtigkeit in den jüngsten Tagen in einem Nachbarlande wiederum eine neue Be-stätigung erhalten? Haben wir nicht vernommen, wie dort an einigen Orten die auSUnglauben und Gottvergessenheit geborene Zügellosigkeit mit allen Schrecken sich erhobund während der wenigen Tage ihrer Herrschaft alle Gräuel beging? War eS nicht,als wenn dort der Engel der Offenbarung den Abgrund, daraus Scorpionen empor-stiegen, geöffnet hätte (^poo. 9, 3)? War es nicht die Losung des Fürsten derFinsterniß zu Plünderung und Mord, zu allen Gräuelthaten, zur Vernichtung allesHeiligen? War eS nicht ein Vorbild des unsäglichen Jammers, der mit dem allge-meinen Umstürze kommen mußte, der Vorläufer der Alles unter die Füße tretendenBarbarei? Ja, eS war sie selbst schon, wie sie ist, habsüchtig, blutgierig undunzüchtig, offen und ohne Scheu. Gott ließ sie eine kurze Zeit schrankenlos wal-ten, damit daran die Völker und Fürsten wiederum lernen sollten, in welchen Ab-grund der Abfall von Gott führe, und wie überall und allzeit die Wahrheit deSGesetzes der ewigen Gerechtigkeit sich bewähre, daß der Unglaube aller Uebel Quellesey und deS Verderbens Vollendung.

Und dieser großen Wahrheit hat der heilige Vater lebendige Worte verliehen.AuS obersthirtlichem Herzen hat er von der Zinne der Kirche apostolische Mahnwortean die Bischöfe gerichtet, damit sie ihre Gläubigen aufs Neue unter der Fahne desGlaubens sammeln, sie aufrufen, den Unglauben abzuthun, und sie ermuntern, inerneuerter Gottesfurcht die drohenden Gefahren abzuwenden, und gegen das herein,brechende Verderben ihre ganze Hoffnung auf den Herrn zu setzen, bei dem alleinHilfe und-Heil zu finden ist l^pist. Lno^cl.).

Ist denn aber der Glaube und die Gottesfurcht auch unter unS so sehr erlo-schen, ist der Abfall von Gott, der Unglaube so allgemein und mächtig unter unS