Ausgabe 
12 (29.2.1852) 9
Seite
67
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

67

geworden, geliebte Erzdiöcesanen? Ist nicht in der letzten Zeit Vieles unteruns besser geworden? Hat man es nicht erkannt in den Höhen und in den Tiefen,daß gegen die drohenden Erschütterungen dieser Zeit nur ein Heilmittel zu finden ist,die Religion? und hat man es nicht laut ausgesprochen, daß die Religion wieder dieGrundlage alles Gedeihens werden müsse? Hat nicht der Glaube selbst in den ver-hängnißvollen Ereignissen, welche seinen gänzlichen Untergang herbeizuführen schienen,neue, tiefere und fruchtbringendere Wurzeln unter unS geschlagen? Gottlob, eS ist so,geliebte Erzdiöcesanen, und eS gereicht uns zum oberhirtlichen Troste, dessenZeugniß ablegen zu können. Die Religion hat einen neuen Aufschwung genommen,der Glaube hat sogar neue Blüthen und Früchte unter uns hervorgebracht. UnserHerz wallt auf in heiliger Freude, wenn Wir auf das blicken, waS in den letztenJahren unter unS entstanden ist. Wir sehen die Väter der Gesellschaft Jesu , alsaußerordentliche Sendboten des Evangeliums in der Mutterkirche und in den Kirchenanderer Städte Unseres ErzbiSthumS, wie mit Feuerzungen durch ihr die Geisterdurchleuchtendes und die Herzen entflammendes Wort die im Glauben Erkalteten undim Tode der Sünde Erstorbenen zum neuen christlichen Glauben und Leben erwecken.Neben ihnen sehen Wir die Priester des heiligen Vincenz mit unermüdlichem Eiferdie Städte und Dörfer durchwandern, und in den geistlichen Uebungen der heiligenMission die Gläubigen durch daS Wort des Herrn und die heiligen Sacramente zumchristlichen Kampfe gegen das Böse und zur Ertragung der Mühseligkeiten deS Lebensausrüsten. Wir sehen die frommen Schwesternvom Kinde Jesu," wie sie an meh-reren Orten die innige Liebe zu dem göttlichen Kinde, dem sie sich geweiht, auf diearmen Kleinen, welche der Tod, oder der Eltern sittliche Verderbniß zu Waisengemacht, übertragen und sie mit Muttersorge zu gesitteten Menschen und Christenerziehen. Wir sehen diearmen", an Schätzen der aufopfernden Liebe so reichenSchwestern des heiligen FranciScuS" mit vollster Hingebung dem segensvollen Berufesich widmen, am Krankenbette wachend und wartend, den Leidenden jeder Art Pflegeund Trost zu bringen. Wir sehen dieFrauen vom guten Hirten" mit ausopferndemMitleid die aus dem Sündcnpsuhle der Unzucht reuig sich Erhebenden in ihr stillesAsyl aufnehmen und sie durch Buße,' Gebet und Arbeit zu einem sittlichen und ehr-baren Leben zurückführen. Wir sehen die Töchterder heiligen Theresia vom BergeCarmel" in der frommen Abgeschlossenheit in immerwährender Anbetung das Erbar-men GotteS über die sündige Welt und seinen Segen über die ganze Christenheitherabflehen. Und als jüngste, eben jetzt aufsprossende Blüthe am Baume der Kirchein Unserm Erzbisthume, erwarten Wir dieSchwestern der christlichen Liebe vomheiligen Vincenz", welche dem gleichen Berufe der Kindererziehung und der Pflegeder armen Kranken sich zu weihen bestimmt sind. An der Seite dieser gottgewcihtenKlostergemeinden sehen Wir den Xaveriusverein seine reichen Spenden zusammentragen,auf daß damit, als mit einem wahren Gottesalmosen, in den entferntesten Ländernüber dem Weltmeere die unsterblichen Seelen auS der Nacht des Heidcnthums zumLichte des Evangeliums erweckt und durch die heilige Taufe zur Kindschaft GotteSgewonnen werden. In gleichem Geiste sehen Wir den Vereinder heiligen Kindheit"die armen verlassenen Heivcnkindlein, welche die grausamste Unnatur der eigenen Elternschon an der Schwelle des Lebens dem Tode freiwillig Preis gibt, nicht bloß für daSkörperliche, sondern auch für daS geistige Leben in Christus retten und erkalten.Den BonifaciuSverein sehen Wir den katholischen Brüdern, denen eS an Mitteln zurGründung von Schulen und Kirchen gebricht, mit werkthätiger Liebe zu Hilfe kommen.Den Vincentiusverein sehen Wir in die Wohnung deS Armen und Kranken Speiseund Kleidung, und damit zugleich daS ächte Almosen, das theilnehmende Wort deSRathes, des Trostes und der Liebe tragen. Und neben diesen größern Vereinensehen Wir auch andere, die da und dort, von christlichem Sinne beseelt, zum Baueeines Spitals, oder zur Gründung eines Waisenhauses, oder anderer Anstalten derNächstenliebe sich verbunden. DaS alles hat in den letzten Jahren der werkthätigeGlaube in Unserm Erzbisthume hervorgerufen, geliebte Erzdiöcesanen! Und