Ausgabe 
12 (29.2.1852) 9
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wahrlich, das sind ächte Blüthen am Baume des Glaubens, reiche goldene Früchte,gereist an der Sonne der christlichen Liebe. Dank und Segen sey dafür Allen, diedazu mitgewirkt und mitwirken. O möchten doch diese Glaubensblüthen immermehr unter Euch gepflegt, immer eifriger von Euch unterstützt werden, zu einer stetsreichern, segensvollen Ernte!

Aber dennoch, wenn auch Vieles unter unS besser geworden, so ist in dieseran Widersprüchen und Widerstreit so reichen Zeit Vieles nicht, wie eS seyn soll. Wirwollen nicht weiter davon reden, wie neben dem blüthenreichen Baume deS Glaubensauch der Giftstrauch des Unglaubens unter uns noch fortwuchert. Wir wollen nichtdavon reden, wie Manche unter unS, nachdem die Sendlinge deS Unglaubens ihreFahne zur Zenrümmerung alles Heiligen emporzutragen sich nicht mehr getrauen,nun auch nicht mehr ihren Unglauben öffentlich zu bekennen wagen. Die Macht derEreignisse hat ihnen die Zunge gelähmt und den Mund geschlossen. Sie sind ver-stummt, unbekehrt. Aber neben diesem, in der Tiefe wühlenden Unglauben gibt eSein anderes beklagenSwertheS Gebrechen, welches nicht minder wie der Unglaube dieQuelle vielfachen Verderbens ist. ES ist dieses deS Unglaubens gleichgeborne Zwil-lingSschwester, die Gleichgiltigkeit im Glauben, die Lauheit in der Religion. Wirmüssen eS mit Schmerz bekennen: eS ist Vieles faul unter uns, und am Baume deSchristlichen Lebens ist Manches verdorrt und abgestorben. Die Lauheit ist aber umso gefährlicher, weil sie den Schein deS Lebens an sich trägt, während in ihremInnern der Tod waltet; die Gleichgiltigkeit ist um so beklagenSwerther, weil sie, sichselbst und Andere betrügend, unter dem Scheine der sittlichen Gesundheit um so sorg-loser und gewisser inS Verderben führt. Diese Gleichgiltigkeit im Glauben hat sich,wie ein enödtender Winterfrost, um so viele Herzen gelagert, daß sie in Trägheitund Kälte erstarren. Sie hält Unzählige umfangen, die eS sich nicht gestehen, nichteinmal wissen, da ihnen daö Gefühl dafür erstorben ist. Sie schlafen den Schlaf derreligiösen Erstarrung, in welche der eisige Hauch der Gleichgiltigkeit sie versetzt hat.

ES kann UnS, wenn Wir umherblicken, nicht entgehen, wie diese Gleichgiltig-keit weit verbreitet ist. Werfen Wir den Blick in daS Innere so mancher Familien,wie finden Wir da nicht selten daS christliche Leben hinter jenem der alten bessernZeit zurückgeblieben! Jener alte gläubigfromme Sinn und jenes felsenstarke Gottver-trauen, welche mit der ehrenfesten Biederkeit und mit der stillen gemüthlichen Ruheder Zufriedenheit durch Eimracht und Liebe ein christliches HauS, wie ein heiligerZauber, erfüllten und es zu einem Wohnsitze deS Friedens und Glückes heiligten, istdem gegenwärtigen Geschlechte vielfach unbekannt. Da waltet jetzt in manchen Fami-lien ein anderer Sinn als jener, welcher daS ganze katholische Familienleben durch-drang und, dasselbe im Geiste GotteS und der Kirche ordnend, heiligend und ver,schönernd, überall sich kund gab. Da glauben die Eltern, sie hätten alle Pflichterfüllt, wenn der HauSvater in rühriger Geschäftigkeit auf Erwerb und Gewinn sinntunv seine Anstrengungen belohnt sieht, wenn die Hausmutter daS Erworbene ordnetund erhält, und wenn sie beide die Kinder mit Sorgfalt zu gleichem Erwerbe undGewinne heranziehen und daS Gesinde in Ordnung halten. Eine solche Familie wirdals eine musterhafte gelobt und glücklich gepriesen. Da ist Erwerb, Gewinn undGenuß daS Erste im Hause, aber daS Letzte ist die Religion. In dem Hause ist diefromme Sitte deS GebeleS veraltet; da weiß man nichts mehr von einer gemeinsamenoder gesonderten Erhebung der Seele zu Gott, und oft wird da in langen Monatennicht einmal ein frommes Wort mehr gehört. DeS L:ibeS Sorge beherrscht Alle;was der Erde ist, wird errungen; darüber hinaus geht kaum noy ein Wunsch; manfühlt dazu nicht einmal das Bedürfniß; die religiöse Gleichgiltigkeit waltet im Hause.Laue Eltern, laue Kinder und laue Dienstboten bilden da eine Familie, die, wennsie auch noch nicht dem Unglauben verfallen ist, doch ihm schnell entgegeneilt. Daist wohl der Anschein deS christlichen Lebens, aber nicht das Leben selbst. DaS Ge-deihen deS HauseS ist trügerisch, eS ist ohne Grundlage. Laß Dich nicht täuschen,Du christlicher HauSvater, und Du, christliche Hausmutter, der Flor Eures Fami-