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für sich in Anspruch nimmt, so daß, wenn irgend etwas Wichtigeres uns aus unsererwissenschaftlichen Beschäftigung herausreißt, wir alöbald nach dessen Beendigung zuder festgesetzten Beschäftigung zurückkehren. Welche Zeit diese Studien in Vergleichmit den andern Berufsarbeiten in Anspruch nehmen sollen, oder allgemeiner, in wel-cher Weise die Tagesordnung eines Geistlichen bestimmt und gehalten werden müsse,daS zu zeigen, ist hier nicht unsere Aufgabe. Jeder wird dieß selbst bald findenkönnen, geleitet von einem guten aöcetischen Buche, Wir haben uns den Zweckgesetzt, das Andere, was hier noch in Betracht kommt, hervorzuheben, nämlich,welche Bücher diesem frommen Studium zu Grund zu legen seyen, oder besser, wiedie Bibliothek des Landgeistlichen, den wir hier besonders im Auge haben, beschaffenseyn müsse. Daß das ein Punct von großer Wichtigkeit sey und wohl werth, reiflicherwogen und allseitig besprochen zu werven, wird Jeder zugeben, der die Nothwen-digkeit der wissenschaftlichen Beschäftigung bei dem Geistlichen eingesehen hat. Es isthier bei dem Geiste, wie bei dem Leibe; so nothwendig diesem die Nahrung ist, ebenso jenem; und so wenig es gleichgiltig ist, welche Speisen unser Leib zu sich nimmt,eben so wenig ist es gleichgiltig, womit wir unsere Seele nähren. Auswahl isthier noch darum erwünscht, weil im Grunde wenige Bücher, wenn sie nur gut sind,ausreichen, und selten ein Geistlicher im Stande seyn dürfte, viele Bücher zusammenzu kaufen auf die Gefahr hin, auch vieles Unnöthige zu besitzen.
Wir werden dasselbe in einem andern Artikel zuerst im Allgemeinen darzulegensuchen, mit welchen Studien vorzüglich der gewöhnliche, bloß in der Seelsorgc stehendeGeistliche sich besassen solle, und dann im Besondern die einzelnen Bücher namhaftmachen und ihrem Inhalt nach besprechen, auf welche diese Studien sich am bestengründen dürften. (Katholik.)
Bensheim , 19. Febr. Unsere Mission nimmt einen herrlichen, großartigenFortgang, denn der Eifer unserer Bevölkerung für dieselbe ist von der Eröffnung anbis auf diese Stunde in stetem Zunehmen begriffen, so daß die Kirche, ungeachtetihrer bedeutenden Größe, die Andächtigen kaum zu fassen vermag und besondersMittags und Abends im eigentlichsten Sinne deS Wortes überfüllt ist; Niemand willaber auch zu Hause bleiben und Wer es nur immerhin vermag, folgt dem Rufe derGlocken und eilt in das Gotteshaus, um hier sich an den Predigten der Missionärezu erbauen und das schlummernde christliche Leben auf's Neue zu erwecken. Alleinnicht nur unsere Bensheimer betheiligen sich auf so erfreuliche Weise an der Mission,sondern auch die ganze Umgegend sendet zahlreiche Gläubige; namentlich gilt dießvon Heppenheim und Hambach, aus welchen Orten täglich mindestens drei-bis vierhundert Personen nach Benöheim kommen, die dann nach der letzten PredigtAbendS acht Uhr unter religiösen Gesängen, begleitet von ihrem Geistlichen, wiedernach Hause ziehen. Ein Gleiches gilt von Lorsch , dessen Pfarrer jeden Tag miteinem Theile seiner Gemeinde sich an der Mission betheiligt. Nicht minder findensich viele Bewohner von Darm st adt hier ein, waS besonders am letztvergangenenSonntage der Fall war, an welchem Tage BenSheim überhaupt eine so große Mengevon Fremden sah, wie wohl selten. Und dabei war die Kirche so gedrängt vollMenschen, daß es dem Prediger kaum möglich war zur Kanzel zu gelangen, undobgleich das Gotteshaus in allen seinen Theilen, selbst hinter dem Altare mit Zuhö-rern angefüllt war, wie noch nie, mußte dennoch eine große Anzahl der zur MissionHerbeigekommenen darauf verzichten, die Kirche selbst zu betreten. Dieses Herbei-strömen der Gläubigen auS den umliegenden Orten währte aber, wie schon ange-deutet, bis zu dieser Stunde ununterbrochen fort, und so zog auch heute Morgenwieder eine große Procession von Heppenheim hier ein, der eine andere vonGernSheim kommend folgte.
Wenn nun schon dieses, in unsern Tagen fast wunderbar zu nennende Zusam-menströmen so vieler von einem höhern religiösen Gefühle erfüllter und beseelter