Ausgabe 
12 (7.3.1852) 10
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73
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Zwölfter Jahrgang.

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Sonntags-Betblatt

zur

Augsburger pojheitung.

7. März I«. 1852.

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Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn ErzbischofS von Köln .

(Schluß.)

Wie aber die Gleichgültigkeit so oft im Familienkreise getroffen wird, so sehenWir auch oft im kirchlichen Leben bei Vielen eine Lauheit, welche mit jener verbun«den und häufig ihre Folge ist. ES gereicht der Kirche zum gerechten Schmerze, daßViele in dieser Gleickgilligkeir für die Religion und daS kirchliche Leben erstarrt sind.Zwar ist ihr Glaube unerschüttert; ihr Leben soll ein christliches seyn, so wollen sie.Aber wie ist ihr Glaube so todt, ihr Wille so ohnmächtig, ihr Leben so unfruchtbaran christlichen Werken! Sie üben wohl die Religion, aber nur kalt und träg, nuräußerlich, auS Gewohnheit, der Menschen wegen, ohne Wärme und Treue, unddarum ohne Blüthe und Frucht. Ihr Mund bekennt, aber ihr Herz verläugnet.Schließen sie sich auch von der Kirche und ihren heiligen Uebungen, ihrem GotteS,dienste und ihren Guadenmitteln nicht aus, so ist doch ihre Theilnahme nur eineäußerliche, ein »odtcS Werk ohne inneres Leben, ein Leichnam ohne Seele. Empfan-gen sie auch alljährlich die Gnadenmittel der heiligen Beicht und Communion, weileS also die Kirche verordnet, so empfangen sie dieselben doch ohne wahre Reue undBuße, ohne Besserung und Heiligung, und darum ohne Frucht. Sie empfangen siealö Unerweckte, und darum nicht zum geistigen Leben, sondern zum geistigen Tode.Von ihnen sagt der Herr:Du bist werer warm noch kalt, darum werde ich DichauSspeien aus meinem Munde." (^poe. 3, 13.)

Wenn aber Solche schon daS strafende Wort deS Herrn so strenge trifft, wiewird er zu Jenen reden, welche, der Kirche fast ganz entfremdet, ihre Gnadenmittelvernachlässigen? Wie Manche gibt eS nicht, welche vielleicht schon seit Jahren nichtmehr dem Gottesdienste, der Verkündigung deS göttlichen Wortes beigewohnt, nichtmehr im Richterstuhle der Buße erschienen, nicht mehr zum Tische deS Herrn getretensind! Wie sind sie doch mit sich selbst im Widerspruche und in arger Täuschungbefangen! Zwar sind sie weder vom Glauben, noch von der Kirche offen abgefallen;sie anerkennen die Macht deS Glaubens, sie anerkennen auch die große Sendung derKirche zur sittlichen Führung deS Menschen, die Hoheit ihrer Lehre, die Heiligkeitihres Gottesdienstes und ihrer Gnadenmittel. Aber ist Wohl ihr Sinn dabei einanderer, als daß die Hörung des Wortes GotteS , die Theilnahme am Gottesdiensteund der Empfang der heiligen Sacramente der Buße und der Communion wohl heil-sam sey für Anrere, jedoch sie derselben nicht bedürfen? Die also thun, mögen sichselber fragen, ob sie der Religion, der Kirche und ihrer Führung und Gnadenmittclin all ihrem Sein und Thun nicht bedürfen, wie Andere. Sind sie durch Reichthum,oder Geburt, oder Amt, oder Wissenschaft zu hoch gestellt, als daß sie dessen entbch.ren könnten? Haben sie, wer und was immer sie seyn mögen, keine Pflichten zuerfüllen, wie Andere? Bedarf ihr Geist und ihr Gemüth hierzu nicht der Gnade von