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oben, der Erleuchtung und Belehrung durch GotteS heiliges Wort, der Anbetung unddeS DankeS gegen Gott in seinem ihn verherrlichenden Dienste, der Stärke und Kraftin den heiligen Sacramenten? Sind sie, in ihrem pharisäischen Stolze, besser alsAndere? Sie wähnen, deS heiligen Sacramentes der Buße nicht zu bedürfen. Sindsie denn nicht schwach und der Verirrung unterworfen, wie Andere? Haben sie einenFreibrief, auS jeder Versuchung der Welt und ihrer Verlockung unversehrt hervorzu-gehen? Sind sie niemals dieser Versuchung unterlegen? Haben sie keine Sünde? Werda sagt, er habe keine Sünde, der betrügt sich selbst, er lügt (l. Joh . 1, 3). Siebedürfen nicht deS Empfanges der heiligen Communion, so wähnen sie. Hat dennaber der Herr nicht auch für sie daS Geheimniß seines Leibes und BluteS eingcsctzt als Denkmal und Unterpfand seiner Liebe, als stärkende Speise zum guten Kampfe,als Brod der Seele zur Erlangung des ewigen Lebens? Wollen sie von seiner Liebesich ausschließen, und haben sie keine Liebe für ihn? Gibt eS für sie keinen Kampfmit der Welt und ihrer Lust, und bedürfen sie keiner Stärkung, um ihn siegreich zubestehen? Bedarf ihre Seele nicht deS ewigen LebenS und der Kräftigung, dasselbezu gewinnen? Der Herr hat verheißen, daß er durch den Genuß seines Leibes undBluteS in ihnen leben wolle, aber sie wollen nicht leben in ihm. Er will sie aufer-wecken am jüngsten Tage, aber sie wollen begraben seyn in ewigen Tod (Joh. 6,55—57). Wahrlich, sie täuschen sich nur selbst. Sie zählen sich zu den Gläubigen,aber ihr Glaube ist ein todter. Ihre Anerkennung der Religion ist ohne Wahrheit.Ihre Meinung, daß sie der Kirche, ihrer Lehren, ihrer heiligen Uebungen und ihrerGnadenmiltel nicht bedürfen, ist ein blinder Selbstbetrug. Ihr Bekenntniß der Reli-gion ist nur Heuchelei, eS ist nur laue Gleichgiltigkeit, welche in den todten Wortennur den sittlichen Tod verbirgt.
WaS aber sollen Wir von Jenen sagen, welche ihre Gleichgiltigkeit durch offeneMißachtung deS Herrn und seiner Kirche kund geben, indem sie, wie so oft unteruns geschieht, seinen Sabbath entheiligen und so das christliche Leben in seiner Wur-zel zerstören? Willst Du wissen, wie da und dort daS christliche Leben bestellt ist,so sieh nur zu, wie der Sonntag gefeiert wird; seine Feier ist dessen ein sichererPrüfstein. Der Sonntag ist der Tag des Herrn, ihm und seinem Dienste geheiligtund der christlichen Ruhe bestimmt. Also hat ihn Gott eingesetzt. Wer darum denSonntag nicht feiert, der begeht einen Raub an Gott : denn er entzieht ihm die Ehre,die ihm gebührt, den Dienst, den wir ihm schulden. Er begeht einen Raub an sichselbst: denn er versagt seiner Seele die Erhebung und seinem Leibe die Ruhe.Ueberall, wo der Sonntag entheiligt wird, ist auch daS christliche Leben im Verfalle.Wie sehr wird da und dort diese Wahrheit unter uns mißkannt! Den Einen ist derSonntag ein Tag der Ruhe, aber nicht der Erhebung, vielmehr der Erniedrigung.Sie seiern ihn wohl, aber nicht dem Herrn, sondern sich selbst. Sie dienen, abernicht Gott, von dessen heiligem Hause und Dienste sie sich fern halten, sondern derWelt, im Götzendienste ihrer Lust, in unheiligcn Vergnügungen, oder gar in unsitt-licher Ausschweifung. Sie schänden den Sabbath des Herrn, ihre Sonntagsfeicr isteine Gotteslästerung. Andere verbringen zwar nicht also den Tag des Herrn, aberdennoch ist er auch ihnen nicht ein Tag der Erhebung, und nicht einmal der Ruhe.Sie würdigen den Sonntag herab, indem sie an ihm Handel und Gewerbe treiben,knechtliche Arbeiten fortsetzen oder ihre Dienst- und Werkleute zu knechllichen Arbeitenzwingen. Für alle diese gibt es keinen Sonntag: er ist ihnen wie jeder andere Tag,den Einen ein Tag deS Geschäftes und Gewerbes, daS Gewinn bringt, den Andernein Tag der Arbeit und mühevollen Anstrengung, wie jeder Werktag. Die Einenwie die Andern dienen nicht dem Herrn, sondern dem Mammon und sich Die Hab-sucht der Einen macht die Noth der LeibeSnahrung ihrer Dienst- und Werkleute fürsich zu einer Quelle vermehrten Gewinnes, unbekümmert darüber, daß die Seele derArmen ohne die Erhebung und den Trost der Religion in stumpfe Rohheit versinkt;und die Andern mühen sich ab in knechtlicher Arbeit, ohne ihrem Leibe einen Tagder Ruhe und Erholung zur Stärkung für neue Arbeit zu gönnen, ohne ihrer von