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Dem apostolischen Auftrage mit Freuden entsprechend, bringen Wir Euch dem-nach zur bevorstehenden heiligen Fastenzeit die Gnadenschätze, die der heilige VaterEurer Andacht eröffnet, geliebte Erzdiöcesanen. Wir verkünden Euch in sei-nem Namen das von ihm verliehene dreißigtägige Jubiläum» O, möchtet Ihr Alle,die Ihr Unserer oberhirtlichen Leitung anvertraut seyd, dem Rufe des heiligen VaterSfolgen und Euch beeifern, die von ihm Euch dargebotenen Gnadenschätze zu gewinnen!Zu deren Erlangung hat der heilige Vater bestimmt, daß neben einem besondern ein-tägigen Fasten und dem würdigen Empfange der heiligen Saeramente der Buße unddes Abendmahls noch die Ausübung besonderer LiebeSwerke: die Darreichung einesden Kräften deS Gebenden angemessenen Almosens an die Armen, und die Spendeeines beliebigen Beitrags zu dem GotteSwcrke der Ausbreitung deS heiligen Glaubensunter den Heiden erforderlich sey. So übet denn diese Werke der Liebe mit frommemEifer, bereitet Euch zum Empfange der heiligen Sacramente durch gottgefälligesFasten vor, unterstützet Eure nothleidenden Brüder durch Almosen und bringet EureLiebesgabe zum frommen Werke der Ausbreitung deS heiligen Glaubens. Und damitverbindet auch Euer frommes Gebet nach der Vorschrift deS heiligen VaterS und inseinem apostolischen Sinne, aus tiefer Seele, in aufrichtigem Glauben, in festver-trauendcr Hoffnung und inbrünstiger Liebe (Lpist. kno^cl.). Betet vor Allem sürunsern heiligen Vater Pius lX., den vielgeprüften, von schweren Sorgen um dieLeitung der ganzen Kirche bedrückten obersten Hirten, daß Ihm rer Herr die aposto-lische Bürde erleichtern und mit seiner ganzen Gnadenfülle beistehen wolle, damit Er,wie Er auf dem Stuhle Pelri, zum Felsen und Mittelpunkte dcö Glaubens gesetzt,Allen Glauben und Liebe spendet, so auch wieder von Allen GlaubenStreue und Liebezurückempfange — also wahrhaft ein Mittclpunct deS Segens für alle Seine Kinderauf der weiten Erde. Beret für unsern König und alle christlichen Fürsten, daß derHerr sie mit seinem Geiste erfülle, sie mit Kraft und Weisheit, Gerechtigkeit undMilde ausrüste, damit sie in Eintracht und Frieden christlich regieren, zu Golteö Ehre,ihnen selbst zum Heile und ihren Völkern zur Wohlfahrt. Betet für alle Bischöfe,Priester und Gläubigen: sür die ganze heilige Kirche, daß Gott sie in des lebendigenGlaubens Einigkeit unter allen Völkern und in allen Landen immer mehr ausbreiteund erhöhe, daß er die Weit von allen Irrthümern reinige und allen Menschen dieErkenntniß der Wahrheit und deS Heils verleihe, daß er die Zuchtruthe seines Zor-nes, die wir durch unsere Sünden verdient haben, von uns gnädig abwende, daß erden Winden und Wogen gebiete und Frieden in unsern Tagen schenke, daß er seinVolk selia. mache, sein heiliges Erbe segne und Hirten und Heerde zum ewigen Lebenführe (Lpist, Knebel, ?ii ?. IX.). — Mögen die Engel des Friedens, die da gol-dene Schaalen in ihren Händen tragen, Euer Gebet auf dem goldenen Altare deSHerrn in der Höhe darbringen, und möge cS, unterstützt durch die mächtige Fürbitteder allerseligsten uubefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, durch die FürbittedeS Apostelfürsten Petrus und seines Mitapostels Paulus , so wie der heiligen Schutz-patrone Eurer Pfarrkirchen, gnadenreiche Erhörung finden, Euch und UnS zumSegen. — Die Gnade deS Herrn sey allezeit mit Euch! Amen.
Gegeben zu Köln am Feste Mariä Lichlmesse, 2. Februar 1852.
-j- Johannes Cardinal von Geissel.
Die Bibliothek eines Lanbgeistlichen.II.
Mit einer doppelten Wissenschaft muß der Geist deS Priesters genährt seyn,mit der heiligen Wissenschaft und mit der Wissenschaft der Heiligen. Meine dochKeiner, wenn er auch nur geringe, ungelehrte Leute zu unterrichten und zu erziehenhat, eS bedürfe weder der einen noch der andern; eS genüge an einer oberflächlichenKenntniß der Theologie, etwa aus ein paar modernen Büchern, und eS genügean einer oberflächlichen christlichen Moral. Wer so dächte, würde seine eigene