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Seele und seine Gemeinde unfehlbar zu Grunde richten, er besäße keinen Funkenächt priesterlichen Geistes. Von der eigenen Vervollkommnung abgesehen, kann Nie-mand Landlcmen Predigten, Niemand Kindern christliche Lebre mit Nutzen hallen,als nur in demselben Maaße, als er von der göttlichen Wahrheit erfüllt und in ihreTiefe eingedrungen ist. Ein gründlicher Theolog wird in der Regel klarer und ein-dringlicher zum Volke reden, dem kleinen Kinde die ersten Elemente der heiligen Lehrebesser beibringen, als ein seichter und oberflächlicher, wenn dieser auch nocl> so schönzu reden und das Gefühl zu rühren versteht. Eben so kann Niemand die Seelenauch der Ungebildetsten und Kleinsten für Cbristus gewinnen, zum Himmel führenauf der Kanzel und im Beichtstuhl, dem die Wissenschaft der Heiligen gänzlich fremdist; je besser er sie aber kennt, je mehr er aScelisch gebildet ist, um so gedeihlicherwird unler seiner Pflege wahre, gediegene Frömmigkeit im Volke sich entfalten, wirdschon in den Herzen der Kinder Wurzeln schlagen. Zur würdigen und segensreichenVerwaltung deS SeelsorgamtcS bedarf daher der KleruS auf dem Lande wie in derStadt jene doppelle Wissenschaft, denn fehlt sie ihm, so ist daS Salz der Erde faulgeworden und taugt nur noch zum Zertreten. Wir sagen jene doppelte, weil dieErfahrung lehrt, daß theologisches Wissen zur gottgefälligen Verwallung des Scel-sorgamteS nicht zureicht, sondern eher aufbläst als ausbaut, wenn nicht die Flammeheiliger Liebe, genährt durch daS Oel deS GebeteS, im Herzen brennt, und nicht einexemplarischer priesterlicher Wandel die Grnndbcdingung einer gedeihlichen Wirksamkeitlegt. Durch die Seelsorge, diesem unbestritten unmittelbarsten, höchsten und würdig-sten, aber auch schwierigsten Beruf eines katholischen Priesters, soll, wie „daS Salzb.Kirchenblalt" in Nr. i sich ausdrückt, der Gedanke und daS Werk Jesu Clmsti, deöUrhebers und Urbildes aller Seelsorge, fortgesetzt, soll die Verkörperung deS göttli-chen Gedankens und Willens deS Stifters der Kirche vermittelt werden, indem durchsie und in ihr die Anwendung des Ewigen und Unveränderlichen auf daS Zeillicheund Wandelbare zn geschehen hat. Es setzt demnach die Scelsorge ein richtiges Ver-ständniß des Eivigen, ein gründliches Wissen um daS Unwandelbare und dessen Be-ziehungen zum Geschöpfe nothwendig voraus, und es kann die Seelsorge nur in sofern entsprechen, als sie auf die unveränderliche Grundlage der Heilsökonomie gebautist, nur in so weit conseauent, als sie auS GotteS ewiger Ordnung herauswächst,nur in so fern katholisch seyn, als ihr die Principien, so wie der Geist unserer hei-ligen Kirche zum Grunde liegen. Sieht man nur nach den einzelnen hervorragendenBeziehungen des ScelsorgsamteS, begleitet man den Priester auf die Kanzel, in denBeichtstuhl, in die Schnle, an's Kranken- und Sterbelager, würdiget man seinenPrivatverkehr, überall wird man finden, daß ihm gereiftes theologisches Wissen, beson-ders in unsern Tagen, und der Geist kirchlicher AScese unerläßlich sey. Auf derKanzel entspricht der Seelsorger nur dann seiner von Christus ihm gewordenenMission zu lehren, wenn er nicht sich, den Menschen, sondern den Gekreuzigten, seingöttliches Wort, wie solches in der Kirche hinterlegt ist, den Gläubigen verkündet.Christi Wort ist aber umfassender, als man auf den ersten Anblick glauben dürfte,erfordert ernstes Studium und t efe Meditation. Christi Wort ist geordnet, trägt alsGolteSgedanke ein System in sich, daS nur derjenige erfassen wird, der sich bemüht,in Christi Wort, so wie in den Wunderbau des menschlichen Geistes einzudringen.Christi Wort steht unendlich höher als menschliche Klugheit und Weisheit, und daßnun diese nicht mit jenem verwechselt werde, dazu gehört eine längere Vorbereitung.Im Beichtstuhl wird der Seelsorger das Bußsacrament nur dann nach der AbsichtJesu verwalten können, wenn er einen tiefen, auf Selbstkenntniß gegründeten Blickin die tausend Falten des menschlichen HerzenS, eine recht gründliche Kenntniß deSgöttlichen Willens und der Bedingungen, unter denen Gott unsere Sünden verzeiht,und eine genaue Bekanntschaft mit den vielen Satzungen unserer Kirche besitzt. Sounzählbar aber die Falten deS menschlichen HerzenS sind, so erhaben die Pläne GotteS ,so mannigfach die kirchlichen Satzungen sind, so endlos ist daS Studium deS Beicht.vaterS. — Auch die Seelsorge in der Schule ist kein Leichtes. Da heißt eS nieder-