Zwölfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojtzeitung.
14. März II. 185S.
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Hirtenbrief des Hochwürdigsten Herrn Wilhelm Emmanuel,Bischofs von Mainz , zur Fastenzeit 1832.
Wilhelm Emmanuel ,durch GotteS Erbarmunq und deS heiligen apostolischen Stuhles GnadeBischof von Mainz .
Unserem Ehrwürdigen KleruS und unseren geliebten Diöcesanen Gruß und Segen
in dem Herrn.
Die Zustände in einzelnen Theilen der Diöcese, insbesondere in der StadtMainz selbst, haben mich im vorigen Jahre genöthigt, den RongeaniSmuS, dersich den Namen Deutschkatholicismus beigelegt hat, zum Gegenstand meinesHirtenbriefs zu machen, und daS Verhältniß dieser Secte zur katholischen Kirche aus-einanderzusetzen. Zu diesem Ende habe ich damals die Grundwahrheiten deS Chri-stenthums und die Lehren der rongischen Secte nebeneinandergestellt und von einerWahrheit zur anvern bewiesen, daß jedes geistige Band zwischen Christenthum und RongeaniSmuS zerrissen ist. Selbst die Taufe, die, wenn sie im Geisteder Kirche Christi gespendet wird, die Täuflinge Aller christlichen Konfessionen mitder einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche verbindet, und sieso lange in der Gemeinschaft der Kirche erhält, bis sie durch selbstverschulveten Irr-thum sich freiwillig von derselben trennen, hat der RongeaniSmuS, nicht dem Namen,aber der Sache nach, verworfen, und Kinder, die in dem Geiste dieser Secte getauftiverden, erhalten nur den Schein der Taufe und gehören nicht dem Christen-thume an.
Die Wahrheit dieser Aussage ist mit Gründen nicht widerlegt worden und hatdadurch eine neue Bestätigung erhalten. Man hat zwar zu behaupten versucht, daßdoch der Glaube an einen Golt den sogenannten Deutschkatholicismus noch mit unSvereine. Wenn man aber die durch Schrift und Wort bekannt gewordenen Lehrender Verkündiger dieser Secte näher prüft, so stellt sich nur zu klar heraus, daß dieRongeaner in derselben Weise an Gott glauben, wie sie Christus verehren, wie siesich katholisch nennen unv von Taufe und Abendmahl reden, d. h. daß sie altchrist-liche Namen gebrauchen und damit einen unchristlichen, ja antichristlichenSinn verbinden. Diese Art zu handeln erstrecken sie sogar bis auf ihre Lieder.Bei ihrem sogenannten Gottesdienste nehmen sie alte volkSthümliche Gesänge derkatholischen Kirche, behalten die alten Melodien und einzelne Verse dieser Liederbei, streuen aber zwischen durch neue Verse, die eben ihre Irrlehre enthalten undder Lehre der Kirche widersprechen. Gewiß wird da Niemand in Wahrheit sagenkönnen, daß sie mit der Kirche noch dieselben Gesänge gemein haben.