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dem Andern veranlaßt. So durchdringen die geistigen Fäden der großen Entwickelun-gen, die wir erleben, schon die vergangenen Jahrhunderte.
(Schluß folgt.)
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Ueber christliche Gculptur.
Wenn man Jahrhunderte lang sich für alles Antike, schon deßhalb, weil eS ausdem heidnischen Alterthum stammte, begeisterte und Dasjenige vernachläßigte, waS derchristliche Geist in so reicher Fülle und Schönheit geschaffen: so sind wir, wenn auch derSinn sich mehr erschlossen hat und allgemeiner, nicht mehr so bornirt einseitig ist, den-noch nicht bis zu der Höhe gelangt, von der wir die vorchristliche und christliche Kunstwenigstens mit gleicher Liebe und Unparteilichkeit überschauen sollten. Wir sind gewißnicht geneigt, die sorgsamen Bestrebungen für das Auffinden, Erhalten, Erklären und Be-schreiben antiker Denkmäler verächtlich abweisen zu wollen, vielmehr erfreut uns dieseThätigkeit in hohem Grade, weil sie dahin führt, die Geschichte und Zustände deS Alter-thums bis in daS Einzelnste und Kleinste hinein aufzuhellen und zu beleben. Allein beiWeitem die meisten dieser gewonnenen Monumente der Vorzeit haben gar keinen künstleri-schen Werth, höchst selten einen historischen, oder, wenigstens namhaften, archäologischen,sie reihen sich dagegen in der Regel ohne weitere Bedeutung an die Zahl derjenigen an,welche die Museen bereits füllen. Sie tragen demnach zur Erfrischung des Geistes, zurVersenkung deS Gemüthes in die Fülle der Schönheit Nichts bei, sie senden nicht aus derzündenden Betrachtung lcbenswarmer, aus schöpferischem Geistcsfeuer gebildeter Gestal-ten daS Licht neuer Ideen, überirdischer Wahrheiten in das Herz und führen dasselbe ge-wissermaßen in die unveränderliche Herrlichkett der Ewigkeit ein. Ja, will man auch überdas bloß historische Interesse hinaus noch daS künstlerische befriedigen, so ist die alte Ty-rannei der Gewohnheit, welche bei der bildenden Kunst nur die Antike und das ihr nach-geschaffene moderne Antike gelten lassen will, noch keineswegs besiegt, oder nur wesentlicherschüttert. Auch hier müssen wir uns — weil man in dieser Beziehung gar leicht Miß-verständnissen ausgesetzt ist — verwahren, als ob wir der alten Sculptur ihren ungemeinhohen Werth, ihre technische Vollendung, ihre formelle Schönheit auch im Entferntestenantasten wollten. Das ist so wenig unsere Absicht, als wir die herrlichen Schöpfungender alten Poesie herabsetzen möchten. Nur das wünschen wir, und zwar zunächst vomStandpuncte der Kunst, daß man über den antiken, die aus dem ächt christlichen Geiste,in den christlichen Zeiten hervorgegangene Denkmäler nicht vergessen solle. Der tiefsteGrund hiervon ist offenbar darin zu suchen, daß die Bildung Derer, welche sich mit sol-chen Gegenständen beschäftigen, daß die Bildung der yöhern Stände eben immer nocheine mehr auf der antiken, als christlichen Weltanschauung ruhende ist. Alle Gedanken,Empfindungeu, Ansichten und Strebungen des Herzens sind weit mehr verwandt demGeiste, welcher die alten Monumente hervorgebracht, als jener Betrachtungsweise, auSwelcher die christlichen Denkmäler entstammen. Die wahre Knnst ist die Darstellung deöwirklichen Lebens auf seinem letzte«, ewigen Grunde; sie ist deßhalb ein Genuß, weil sieDaS, was in der Tiefe der Seele lebt, zur Anschauung bringt. Ruht nun aber das Herzauf der Sichtbarkeit, der Sinnlichkeit, der bloßen Aeußerlichkeit, den gemeinen Erschei-nungen, wie eben daS Alterthum, so kann eS die christliche Auffassung, welche auf denGrund deö Aeußern, auf daS Ucbernatürliche, das Geistige und wahrhaft Göttliche ge-richtet ist, entweder gar nicht verstehen, oder eS wendet sich von ihr, als einem wesentli-chen Gegensatze, ab. Das ist die eigentliche Ursache, warum man die christlichen Kunst-producte bei Weitem noch nicht mit derjenigen Aufmerksamkeit schätzt, welche sie — vondem christlichen und religiösen Charakter ganz abgesehen — in rein künstlerischer Bezie-hung mit dem vollsten Rechte verdienen.
Fängt man nun auch schon seit geraumer Zeit an, einigen Respect zu bekommenvor der mittelalterlichen Architektur, obschon es hier an der richtigen Auffassung, weileben am Verständnisse des christlichen Geistes, noch sehr fehlt, und antike Reminiscenzen,oder selbstschöpferischcr Hochmuth oftmals arge Streiche spielen, so ist dieß doch mit denander» Künsten weit weniger der Fall. Zwar steht die Glasmalerei in besonderer