Ausgabe 
12 (4.4.1852) 14
Seite
106
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Die kranke Zeit und ihr Heilmittel. *)

.....Wir haben mit der größten Aufmerksamkeil und Theilnahme die neue-sten Erscheinungen auf dem Gebiete deS religiösen und sittlichen LebenS verfolgt,und zu Unserem Troste und Unserer innigsten Freude wahrgenommen, wie der leben-dige Glaube an Christus und die aufrichtige Hingabe an seine heilige Kirche inmanchen Kreisen sich wieder Bahn gebrochen, wo noch vor wenigen Jahren gänz-licher Unglaube, oder doch religiöse Gleichgültigkeit und sittliche Ungebundenheitherrschten. ES ist UnS insbesondere keineswegs entgangen, mit welch' nachahmungs-würdigem Eifer und rühmlicher Opferwilligkeit Einzelne, welche nicht nur die ganzeGefahr der unS drohenden Auflösung der socialen Ordnung, sondern zugleich auchdie einzig zureichenden Mittel ihrer Abwendung erkannt haben, sich bemühen, demvon sittlicher Fäulniß bereits tief ergriffenen Organismus der heutigen Gesellschaftdurch die Bethätigung ihres christlichen Glaubens in Uebung aller demselben entspre-chenden Tugenden und vorzüglich der werkthätigen christlichen Liebe neues, kräftigen-des Leben einzuhauchen. Wir erblicken hierin mit allen Einsichtsvollen den Anfangeines durch Gottes Barmherzigkeit hervorgerufenen HeilungSproccsseS, an dessen glück-licher Vollendung znr geistigen Wiedergeburt deS jetzigen Geschlechts nicht zu zwei-feln ist, wenn nur der Reichthum der unS zuvorkommenden Gnade von der großenMehrheit der Menschen erkannt und dankbar benutzt wird. Ist es aber schon alssicher anzunehmen, daß dieses geschehe? Gibt unS das Verhalten der meisten Men-schen eine genügende Berechtigung zu der zuversichtlichen Erwartung, daß sie dieGüte und Langmuth GotteS nicht mißbrauchen, sondern in Demuth und Reue zuihm zurückkehren, aufrichtige Buße wirken und so das Verderben abwenden werden,Welches immer eine unausbleibliche Folge der Unbußfertigkeit ist?

Ach, Geliebte! eS drängen sich unS alltäglich Wahrnehmungen auf, die unSin dieser Beziehung mit nicht geringer Besorgnis; erfüllen müssen. Trotz aller Mah-nungen und Warnungen, die Gott , um unS zur Buße und LebcnSbesseruug zu bewe-gen, durch die Ereignisse der letzteren Jahre an uns hat ergehen lassen, und trotzdeS unS vorleuchtenden herrlichen Beispieles Derjenigen, welche in dankbarer Aner-kennung seiner unS dadurch erwiesenen Liebe und Erbarmung mit Aufbietung allerihrer Kräfte und Mittel für ihr und ihrer Mitmenschen Seelenheil besorgt sind,leben noch immer unzählig Viele in allzugroßer Geistesträgheit und Sorglosigkeitbezüglich der Erreichung ihrer ewigen Bestimmung dahin, für Nichts ein warmeSInteresse an den Tag legend, als für die möglichste Befriedigung ihrer bloß auf daSIrdische und Vergängliche gerichteten Wünsche, Neigungen und Begierden. Daß eSsich in Wahrheit so verhält, zeigt sich nicht nur in der weithin verbreiteten Vernach-lässigung des Gebetes, der andächtigen Beiwohnung bei der Darbringung deS heili-gen Meßopfers, der Anhörung des Wortes GotteS , der Lesung belehrender underbauender religiöser Schriften, des öftern würdigen Empfanges der heiligen Sacra-mente der Buße und deS AltareS, und der Betheiligung an den zur Belebung desGlaubens und Bethätigung der- christlichen Liebe gegründeten kirchlichen Vereinen;sondern eS beweisen dieses auch und zwar noch klarer und unwidersprechlicher dieüberall, in Städten, Flecken und Dörfern, bei Hohen und Niedern noch immer sohäufig zum Vorschein kommenden, ja hie und da sich mehrenden Laster und Verbre-chen, welche die naturgemäßen Früchte eben dieser allem Ueberstnnllchen und Gött-lichen abgewendeten fleischlichen LebenSrichtung sind, AIS nothwendige Folgen undAusgeburten dieser gottentfremdeten falschen LebenSrichtung bezeichnet die unter unSherrschenden sittlichen Verirrungen auch der heilige PauluS; indem er Hurerei, Un-reinigkeit, Unkeuschheit, Ueppigkeit, Feindseligkeit, Hader, Eifersucht, Rache, Un-einigkeit, Zwist, Sectengeist, Neid, Mord, Völlerei, Schwelgerei und dergleichen,also gerade die Sünden und Laster, welche heute das gesellschaftliche Leben so sehrbeflecken, die schon vorhandene Armuth und Noth mit jedem Tage noch steigern, und

») Aus dem dleßjähngen Fasterchirtenbriefe des Hochwürdigsten Bischofs von Limvurg.