Ausgabe 
12 (4.4.1852) 14
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die Grundpfeiler jeder sittlichen Ordnung untergraben, ausdrücklich Werke deS Flei-sches nennt, und die Bemerkung beifügt, daß die damit Belasteten das Reich Gottesnicht erben werden (Gal. 5, 1921).

Ist aber die Bekehrung Aller, welche längere Zeit, den Einwirkungen der gött-lichen Gnade sich verschließend, von den ungestümen Trieben ihrer verdorbenen sinn-lichen Natur sich beherrschen lassen, wegen der nahe liegenden Gefahr allmäligergänzlicher Verstockung ihres HerzenS schon zweifelhaft; so gewiß in noch weit Höhe-rem Grade die Bekehrung Derer, welche nicht sowohl aus träger Gedankenlosigkeitund Schwäche dem Gnadenzuge deS heiligen Geistes nicht folgen, als vielmehr auSBosheit demselben absichtlich sich widersetzen. Und daß eS auch Solcher in unsernTagen sehr Viele gibt, wird Niemand bezweifeln, der die lügenhaften und verleum-derischen Angriffe kennt, welche die Kirche und alle ihre warmen Anhänger, beson-ders aber ihre freimüthigen und seeleneifrigen Diener täglich zu erdulden haben.Denn was anderes als der Haß gegen den in der Kirche lebenden Geist der Wahr-heit, Liebe und Heiligkeit selbst ist eS, waS ihre ärgsten Feinde, die Hauptfördererdes Unglaubens und der sittlichen Verkommenheit, in beständigem Kampfe gegen die,selbe erhält? Da sie wohl einsehen, daß unsere heilige katholische Kirche die einzigeMacht ist, an welcher alle ihre Bestrebungen, die rechtliche Ordnung in der mensch,lichen Gesellschaft umzustoßen und dagegen ihre niedrigen Leidenschaften auf den Thronzu erheben, scheitern müssen, so lange deren Glieder durch lebendigen, ihre Gesin-nungen und Handlungen bestimmenden Glauben mit ihr verbunden sind; so erfülltder Anblick der dermaligen, keine Verfolgungen, Leiden und Opfer scheuenden Thätig-keit der Kirche, um die ihr noch aufrichtig Ergebenen in ihrer Treue zu befestigen,und die bereits Irregeleiteten wieder auf den Weg der Wahrheit und Tugend zurück-zuführen, diese Feinde GotteS und der Menschheit mit einer wahrhaft teuflischen Wuth.

Hierzu kommt nun noch, um das Maaß der Zerrüttung unserer heutigen Zu-stände und Verhältnisse voll zu machen, der beklagenSwerthe Umstand, daß die Kirche,die Trägerin aller christlichen Wahrheit und Gnade, die Seele der staatlichen undbürgerlichen Ordnung, bezüglich der Anwendung ihrer reichen Mittel zur Regenerationder Menschheit, wie an vielen andern Orten, so auch in einem bedeutenden Theilevon Deutschland bis heute noch sehr wesentliche Hemmungen und Beschränkungenerleidet, während die Feinde deS Christenthums allerwärts ungestraft jede Ungerech,tigkeit gegen dieselbe sich erlauben, ihre heiligsten Lehren und Gebräuche verspottenund verhöhnen, ja selbst den Glauben an Gott, Tugend und Unsterblichkeit laut undöffentlich als Trug und Wahn ausgeben dürfen, und von dieser Freiheit nicht nur inmündlicher Rede, sondern auch in unzähligen Organen der TageSpresse den schamlo-sesten Gebrauch machen. Unter solchen Verhältnissen kann eS uns nicht wundern,wenn der lebendige, in gewissenhafter Erfüllung der sittlichen Gebote sich offenbarendechristliche Glaube selbst aus dem Herzen des sonst so frommen Landvolkes hie und dain solchem Maaße entschwunden ist, daß neben den gröbsten sittlichen Vergehen undAusschweifungen auch daS entsetzliche Verbrechen deS Meineides bei ihm nicht mehrzu den seltenen Erscheinungen gehört. Und wie nachtheilig alles Dieses namentlichauf die heranreifende Jugend wirken muß, daS bedarf bei den deßfallS schon gemach-ten vielfachen Erfahrungen keiner Erörterung.

Wir wollen nun nicht behaupten, Geliebte I daß bei dieser Lage der Dinge dieHerbeiführung einer bessern Zukunft auf dem Wege ruhiger Entwickelung des nochvorhandenen Guten nicht mehr möglich sey; aber so viel ist gewiß, daß, wenn fürdie Verbesserung unserer dermaligen Zustände fortan nicht allseitiger, einträchtiger undentschiedener gesorgt, die göttliche Autorität der Kirche nicht höher geachtet, und dieFülle der auS ihr strömenden übernatürlichen Lebenskräfte nicht dankbarer und eifrigerbenutzt wird, als dieses bisher geschehen, die kaum wieder einigermaßen befestigtestaatliche und bürgerliche Ordnung der wachsenden Gewalt der auflösenden und zer-störenden Kräfte nicht lange mehr wird widerstehen können, und daß dann die Strafegerichte, mit welchen uns Gott schon wiederholt gedroht, hereinbrechen und für das