Ausgabe 
12 (4.4.1852) 14
Seite
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Versäumnis; Dessen, waS jetzt noch leicht erwirkt werden könnte, eine Fürsten undVölker, Vorgesetzte unv Untergebene, Reiche und Arme, Gebildete und Ungebildeiegleichmäßig treffende, Furcht unv Entsetzen erregende Sühne fordern werden. Denndarüber, Geliebte! dürfen wir, um von andern Heimsuchungen, die dann sicher auchnicht ausbleiben werden, gar nicht zu reden, unS nicht läuschen, daß Diejenigen,welche jetzt, angetrieben von dem Fürsten der Finsterniß und Vater der Lügen, unterdem erheuchelten Vorgeben, durch Förderung wahrer Aufklärung und Erwirkung aus-gedehnter Rechte und Freiheilen für daS Beste deS in geistiger und leiblicher Armuthund Knechtschaft schmachtenden Volkes zu sorgen, gegen die von Gott gesetzie Obrig-keit aufreizen, falls sie zur Herrschaft gelangen, die selbstsüchligste unv grausamsteTyrannei üben, kein Recht und kein Eigenthum ihrer Mitmenschen achten, in diezartesten Verbältnisse des Familienlebens schonungslos eingreifen, die christlichenBtldungS- und Wohlthätigkeilsanstallen aufheben, und ungerührt von dem Anblickedes entsetzlichen Jammers und Elendes, welches sie weit um sich her verbreiten, ihremStolze, ihrer Habsucht.und thierischen Sinnenlust AlleS zum Opfer bringen werden.

Wann, Geliebte! waren demnach die heiligsten Güter der Menichhett, ja selbstdie Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung durch die religiöse und sillliche Verkom-menheit der Menschen mehr gefährdet als jetzt? Und wann war eben darum auch diedemüthige und reuevolle Rückkehr derselben zu Gott selbst im Interesse der zeitlichenWohlfahrt dringender geboten, als unter den dermaligen Verhältnissen? Wahrlich,Gelieble! bei der Größe der unö umgebenden Gefahr und dem Maaße der auf unSlastenden Schuld, auS welcher dieselbe hervorgegangen, müßle jede Hoffnung ihrernochmaligen Abwendung schwinden, überstiege nicht GotteS Liebe unendlich unser Ver-dienst; wäre der Herr nicht gnävig unv barmherzig, langmülhig unv von großerGeduld. Doch sieh! die unendliche Liebe und Erbarmung, mit welcher Gott nochimmer die längst verdienten Strafen von uns abwenden und durch neue geistigeund leibliche Wohlthaten unser zeitliches und ewiges Glück gründen und sichern will,wofern wir nur ohne weitern Aufschub in Demuth und Reue zu ihm zurückkehrenund bei ihm Hilfe suchen, offenbart sich unS gerade jetzt, in der größten Noth, auchauf die einleuchtendste, rührendste und ergreifendste Weise. Damit nämlich dieseseinzige Mittel, welches uns retten kann, auch von Solchen erkannt unv gewürdigtwerden möge, welche dasselbe nicht schon aus den bisherigen traurigen Ereignissenund der Eigenthümlichkeit unserer dermaligen Lage erfaßt und angewendet haben, hatdaS sichtbare Oberhaupt unserer heiligen Kirche, der würdige Nachfolger des heiligenPetruS, unser vielgeprüfter, glorreich regierender Papst, Pius IX. , geleitet von un-serm unsichtbaren Oberhaupte Jesus Christus und beseelt von seinem Geiste, mitwahrhaft väterlicher Liebe und Sorgfalt an die gesammte Christenheit sich gewendet,ihr ein sprechendes Bild unserer beklagenswerthen Zeit vor Augen gestellt und unterAufschließung der himmlischen Gnadenschätze sie zum Gebete und zur Buße aufgefordert.

O möchte doch die hohe Bedeutsamkeit dieser Einladung zum gemeinsamen ver-trauensvollen Gebete behufs der Abwendung der unS drohenden Strafgerichte durchaufrichtige Buße die nöthige Beachtung finden! Sie ist eine nochmalige laute, nurLiebe unv Barmherzigkeit athmende Mahnung unseres göttlichen Heilandes, uns durchdankbare Benutzung seiner unendlichen Verdienste mit seinem himmlischen Vater aus-zusöhnen, und in Kraft des wieder erlangten Friedens mit ihm und der auS demsel-ben entquellenden Weisheit, Tugend und innern Beseligung auch der unglücklichen,kranken, durch Leidenschaften aller Art in sich gespaltenen bürgerlichen GesellschaftWohlseyn, Friede und Freude wieder zu bringen. Wird auch dieser Ruf nicht beher-zigt, nun so dürfen wir uns nicht beklagen, wenn die furchtbaren Worte des Herrnsich abermals erfüllen:darum, weil ich rief, und ihr nicht wolltet, ich meine Handausstreckte, und Keiner daraufmerkte; weil ihr verachtet all' meinen Rath, und meineStrafreden in den Wind schlüget: so will auch ich bei euerm Untergange lachen, undspotten, wenn euch begegnet, waS ihr fürchtet. Wenn plötzlich daS Unglück herein-bricht und der Untergang wie ein Wetter heranstürzt; wenn Trübsql und Angst über

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