Ausgabe 
12 (11.4.1852) 15
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ihre HedwigS>Vereine für die weibliche Armen- und Krankenpflege, ihre Franz-RegiS-Vereine für die Siltigung wilder Ehen, ihre Marien Herz-Vereine für daS Gebet umdie Bekehrung der Unbnßfertigcn, ihre Franz-Xavcr-Vercine für die Mission unter denHeiden, ihre BonifaciuS-Vereine (der zurückgewandte Gustas-Adolsö-Verein) für dieKirche in Deutschland, endlich ihrekatholischen " oder Piuö-Lcreinc, deren General-versammlung, gleich unserm Kirchenlage, aber mit ganz anderer Einheit uud Einig-keit, von Jahr zu Jahr durch Deutschland wandert. Einen ganz vorzüglichenWerth legt die katholische Kirche (wir glanben auch darauf noch aufmerksam machenzu müssen in demselben Sinne, in welchem wir überhaupt auf sie aufmerksammachen, nämlich unS zur Lehre) auf die UnterrichlSfreiheit und auf deren Benutzung,wo sie sie besitzt oder erlangt. In Frankreich wimmelt es (wie ein jung-deutscher Reisender aus Frankreich schreibt) seit der UnterrichlSfreiheit des neuen Gesetzes vonLehrbrüdern und Schwestern gerade so, wie von Schützen, wenn die Jagcsreiheitausgeht, und fortwährend, wie unser monatlicher Gerichtsbericht schon im Frühjahrerzählte, leeren sich die StaatSschulen und füllen sich die neuen kirchlichen. DerselbeKampf wirv in Irland getämpft, wo man mit eben so großer Energie als Opfer-freudigkeit an der Errichtung einer kirchlichen Universität und der Meidung der StaalS-lehranstaltcn arbeitet; denselben sehen wir im Einzelnen in Deutschland , wo die im-provisirle Facultäl Mainz in einem Momente die Gießener Professoren schülerlos alsalleinige Bewohner der StaatSfacultät zurückgelassen hat. Die Liberalen in Belgien haben so stark erfahren, wie sehr sie bei der Freiheit den kürzern ziehen, daß ihreKammcrmajorilät nach lebhafter Gegenwehr der Katholiken den StaatSzwang an derStelle des freien Unterrichts wieder hergestellt hat. In Sardinien hofft die revolu-tionäre Negierung auf dieselbe Weise der Kirche einen Todesstoß beigebracht zu haben;aber eine Kirche, die Zeugen und Märtyrer findet, wie dort, lacht der Todesstößedurch StaatSmaaßrcgeln; sie wird doch noch lriumphiren. Durch einfache Stanv-haftigkeit bei der EiveSfrage hat sie auch bei unS iu Preußen einen entschiedenenSchritt vorwärts über das Schulwesen gewonnen; in Nassau hat sie so eben dieScheidung des Staats-Schullehrer-SeminarS in zwei confessionelle erlangt. So sehenwir sie überall im Vorschreiten nach gleichen Grundsätzen, auf gleichen Wegen.Aehnlich in der Organisation und in der Unabhängigkeit ihres Episkopats. Wievoriges Jahr in Oesterreich , so hat sie durch die neuesten Unterhandlungen auch imsüdwestlichen Deutschland (der oberrheinischen Kirchcnprovinz) Aussicht, der Bevor-mundung der Regierungen loser zu werden. In Hannover wird ihr ein zweitesBiSthum zugestanden: auf ein BiSlhum Hamburg sind im Stillen, wie man sagt,ihre Hoffnungen gerichtet. In England aber, mit dem nicht zu niuerhandcln ist.weil fortfährt, sie zu ignoriren, ctablirt sie erst um so kühner, ohne zu fragen,ihre ganze Hierarchie, und behauptet sie, im festen Bewußtseyn ihres Rechtes, trotzPöbelocmonstrationen und Parlameutsbcschlüssen, die eines wie daS andere wirknngs-loS an ihr abprallen. Und in Nordamerika , in dessen weiten Ländcrgebietcn sie ungc»stört schaltet, wächst BiSlhum auö ViSthum hervor, und mitten unier dem hundert-fachen Sectenwesen steigt sie dort um so imponirentcr empor und überflügelt sichtbaralle andern Konfessionen. In dem auf die Reinheit seines Protestantismus stolzenEngland baut sie Kirche auf Kirche in mittelalterlich, r Schönheit, gründet Klosterauf Kloster, und bevölkert diese Klöster nicht etwa mit Spaniern und Italienern,sondern mit der Jugendblüthe dcS Landes, mit den gelehrtesten Zöglingen teS prote-stantischcn OrfordS, mit begeisterten Eonvertiten. In dem Herzen von London legtsie den Grund einer erzbischöflichen Kathedrale, in der preußischen Hauptstadt errichtetsie, mit dem konigl. Bethanien wetteifernd, ein Krankenhaus großartigen Umfangsfür Kranke aller Consessionen, Kirchen und barmherzige Stiftungen jedes Jahr injeder Gegend von Deutschland. Und der glänzenden Reihe ihrer deutschen Eonver-titen, die mit dem ersten Anbruch dieses Jahrhunderts Friedrich Leopold von Stolbergeröffnet hat, schließen sich die neuesten in Mecklenburg an, aus die oben schon hin-gedeutet wurde. Dem Redacteur des einzigen vormärzlichen konservativen BlatteS,