Ausgabe 
12 (16.5.1852) 20
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ren Schaaren von Menſchen bis in weiter Ferne überblickt. Mitten darunter ſiehtman die päpſtlichen und franzöſiſchen Truppen mit ihren in der Sonne blitzendenWaffen; aus St. Peters weiten Hallen drängt immer noch die Maſſe ſich nach, undrings auf den Colonaden und Gebäuden ſind bis in höchſter Höhe alle Plätze, aufdenen ein Menſch ſtehen kann, benutzt. Alle Zungen und alle Natianen ſind hiervertreten und während die klangvollen Glocken von St. Peter ertönen, harret Allesder Ankunft des Stellvertreters Chriſti, der von der Kirche in feierlichem Zugeauf die über der Vorhalle liegende Loggia getragen wird, entgegen. Große Ruheund immer ſich ſteigernde Erwartung charakteriſirte die Haltung der Maſſen, und eswar, wie es nach menſchlichen Vorſtellungen am jüngſten der Tage ſeyn muß, woauch alle Zungen und Völker auf die Ankunft Eines harren werden, des Einen, dender jetzt Erwartete in ſichtbarer Weiſe auf Erden vertritt, nur daß nicht Furchtund Schrecken ob des kommenden Gerichtes herrſchte, ſondern die Freude und Selig-keit des Auferſtehungstages und der kommenden Segenſpendung des heiligen Vaters.Immer mehrere Biſchöfe und Cardinäle in ihren weißen Mitren zeigten ſich auf derHöhe und in der Umgebung der Loggia, endlich verſtummten die Glocken, man ſahden Baldachin, der hoch über dem heiligen Vater gehalten ward, in einem Nu entſtand lautloſe Stille. Alle ohne Ausnahme entblößten die Häupter, und nun erſchienüber der Brüſtung der Loggia auf ſeinem Thronſeſſel, auf dem er hoch über Allegetragen wurde, der Stellvertreter Chriſti, das Oberhaupt unſerer heiligen katholi-ſchen Kirche, mit der dreifachen Krone auf dem Haupte. Sitzend noch auf demSeſſel rief er in den bekannten Worten die Hilfe des Herrn, der allerſeligſten Jungfrau, der Apoſtelfürſten und aller Heiligen mit der kräftigen und wohltönendenStimme, die Pius IX. auszeichnet und die bis in weiter Ferne hörbar iſt, an; dannerhob ſich der heilige Vater, ſtreckte die Hände hoch zu Himmel aus, und in demMomente, da er die Segensworte ausſprach, fielen die ungeheuren Maſſen nieder,alles Militär ſenkte die blitzenden Waffen und ſank in die Kniee, von der Engels-

burg ertönte der Donner der Kanonen und alle Glocken von St. Peter und derheiligen Stadt verkündeten weithin den Augenblick der Segnung. Noch verlaſen zwelCardinäle die Decrete des Ablaſſes, den der heilige Vater ertheilte, und der feierlicheZug verließ dann wieder die Loggia. Es dauerte mehrere Stunden, ehe in den nachSt. Peter führenden Straßen das Gedränge der Wagen und zurückkehrenden Fußgäuger ein Ende nahm Der klarſte Himmel begünſtigte die Feier, in der wirklichmehr als in jeder andern das Ueberirdiſche der Wuͤrde des heiligen Vaters und dasGöttliche ſeiner Miſſion auf dem Erdboden zu Tage tritt.

Breslan.

Breslau , im April. Die nachſtehende Thatſache iſt uns zur Veröffentlichungim Kirchenblatt berichtet worden, und obgleich wir uns ſehr ſchwer dazu entſchließenkonnten, ihr Glauben zu ſchenken und daher Anſtand genommen hatten, ſie zuberichten, können wir doch leider an ihrer Wahrheit keinen Zweifel mehr hegen undhalten es demnach für Pflicht, im Intereſſe der guten Sache, welches wir allein imAuge haben, dieſelbe nicht zu verſchweigen.

Eimnem hieſigen proteſtantiſchen Volksſchullehrer ſtarb vor Kurzem ſein einzigesKind. Um nun, wie er ſich ausdrückte, ſeiner betruͤbten Frau einen Erſatz zu geben,Ztaufte derſelbe(man ſagt in der Trunkenheit) ſeinen Hund und legte ihm denNamen ſeines verſtorbenen Vaters bei. Als Taufzeugen wurden das Dienſtmädchenund das gerade anweſende Milchmädchen zugezogen. Reun Tage darauf ereille denHundetäufer ein plötzlicher unvorgeſehener Tod.(Schl. K.-8.)

Verantwortlicher Redacteur: L. Schonchenu. Verlags-Jnhaber: F. C. Kremer.