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an den Gütern der Familie eben nur die Glieder der Familie Antheil nehmen. Istman in frühern Fällen von dieser Vorschrift abgewichen-, so folgt daraus nicht, daßman immer abweichen müsse. Die ein-, zwei-, drei- und mehrmalige Uebertretungeiner Vorschrift hebt dieselbe keineswegs auf, insbesondere wenn sie aufs Neue ein-geschärft wird, wie dieß in vorliegendem Falle vor einigen Jahren von Seiten deSheiligen Stuhles geschehen ist, wobei der heilige Stuhl auSsprach, daß für alle Ver-storbene die heilige Messe zu lesen in solchen Fällen eine Täuschung veS gläubigenVolkes sey, was der Kirche unwürdig ist.
Unser Höchstseliger Großherzog Leopold K. H. bekannte Sich zur evangelisch,protestantischen Konfession bis zum Enhe des Lebens. Seine K. H. konnten deßhalbnicht durch Abhaltung eines Seelenamtes zu den Gliedern der katholischen Kirche gerechnet werden. Ein ganz anderes Verhältniß ist eS, so lange der Landesregentnoch lebt. Da werden allerdings, auch wenn derselbe nicht der katholischen Kirche angehört, bei besondern Veranlassungen, z. B. bei dem Regierungsantritt, dem hohenNamenöfeste u. f. w., Meßopfer durch Anordnung der Kirche dargebracht, allein indiesen Fällen wird der Regent aufgefaßt als der von Gott gesetzte Herrscher deSStaates, und von Gott ihm durch Darbringung deö heiligen Opfers erfleht die zursegensreichen Vollführung seines höchstwichtigen und höchsteinflußreichen AmteS noth-wendigen Gaben. Oder eS wird dem Allerhöchsten gedankt für die Wohlthaten, dieEr durch den LandeSvater dem Volke erwiesen, oder eS wird das Dankopfer darge-bracht für besonders erfreuliche Ereignisse, wie z. B. für die Geburt eines KronpriN-zen, für die Wiedergenesung eines erkrankten Regenten, für die Beseitigung drohen-der Gefahren, wie ich auch nach Bewältigung der Revolution und nach Wiederein-setzung der rechtmäßigen Regierung ein feierliches Amt zur Zeit angeordnet habe.Nach dem Tode eines nicht katholischen Regenten kann nur dann ein heiliges Meß-opfer dargebracht werden, wenn sich dasselbe bezieht auf die Segnungen und Wohl-thaten, die Gott durch seine Regierung dem Volke erwiesen, also wenn ee> ein Lob-und Dankamt ist, welches aber bei einem Trauergottesdienst zu feiern offenbar nichtangeht. DaS religiöse Bekenntniß kommt in solchen Fällen gar nicht in Betracht.Anders verhält eS sich, wenn für den Verblichenen ein Seelenamt soll gehalten wer-den. Ein Seelenamt kann die Kirche nicht mehr für ihn als Regenten feiern, son-dern eS bezieht sich einzig und aNein auf seine Person. Der Dahingeschiedene erscheintnunmehr als Mitglied seiner Konfession. Für ihn nach seinem Tode ein Seelen-opfer darbringen, hieße thatsächlich auSsprechen, daß Er Glied der katholischen Kirchegewesen, daß Er in der Gemeinschaft der Kirche gestorben, welche an die Wirksam-keit deS heiligen Meßopfers für die Verstorbenen und an den ReinigungSort glaubt.
Darf die Kirche thatsächlich irgend Jemanden zu ihren Gliedern zählen, dereS nicht gewesen? Gewiß nicht! Die Kirche achtet höher die Freiheit der Gewissen.
Es ist demnach die Versagung eineö Seelenamteö bei der Trauerfeier einesProtestanten etwas ganz Natürliches und Vernünftiges, insbesondere wenn wir dieLehre deS Protestantismus näher inS Auge fassen. Dieser Lehre gemäß ist die katho-lische Kirche im Irrthum, daß sie daS heilige Abendmahl als ein Opfer auffaßt, daßsie glaubt an den in der Eucharistie wahrhaft, wesentlich und wirklich gegenwärtigenGottmenschen, der sich dem Vater für unS aufopfert, ja der Protestantismus machtder Kirche den Vorwurf, als entziehe sie durch die Lehre von der Messe dem Kreu-zeSopfer die Kraft und Bedeutung; noch andere weit härtere Aeußerungen fallen überdie katholische Kirche wegen ihrer Lehre vom heiligen Meßopfer. Einem Protestan-ten, der^mit Ueberzeugung seiner Konfession zugethan ist, kann höchstens die Meß-feier als eine in die Sinne fallende Ceremonie erscheinen, gegen welche Auffassungdie Kirche ihr heiligstes Opfer zu bewahren und zu beschützen verpflichtet ist, und nichtkann sie zugeben, daß man von ihrer heiligsten Handlung Gebrauch macht, um nureine pomphafte Feierlichkeit zu veranstalten oder eine musicalische Produktion aufzuführen.Nein! der Katholik beugt sich in tiefer Anbetung vor dem Gottmenschen, der im Reich-thum seiner Liebe und Gnade unblutigerweise Sich zum Heile der Welt hinopfert, wie