Ausgabe 
12 (23.5.1852) 21
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angeordnete Feierlichkeit nicht übertroffen wurde von der in den evangelisch-protestan-tischen Kirchen angeordneten. Wozu also die Verdächtigung der katholischen Kirche ;wozu die Zweifel an der Loyalität der Katholiken, wozu die lieblose Annahme, als habeMangel an Hochschätzung und Liebe gegen den hohen Verblichenen, oder Rücksichtenauf obschwebende kirchlich-politische Fragen die Kirchenbehörde bei ihrer Anordnunggeleitet?

Geliebteste! ich sage es Euch offen und unumwunden, eS hat die Verkcnnungmeiner reinen Absicht meinem Herzen eine tiefe Wunde geschlagen, da daS Bewußt-seyn unerschütterlicher Treue gegen unser erhabenes Fürstenhaus in meiner Brust lebt,da ich thatsächlich bewiesen, daß ich lieber mein Leben geopfert, als daß ich injenen verhängnißvollen Tagen der Revolution auch nur einen Augenblick gewankthätte in meiner beschwornen Anhänglichkeit und Liebe zum Höchstseligen GroßherzogeLeopolv K. H.!

Solche Verkcnnung thut mir wehe, auch um Euretwillen, Geliebteste, weilman so schnell geneigt ist, die treuen Kinder der Kirche deS Mangels an Loyalitätund Gehorsam gegen die Obrigkeit zu beschuldigen; welche Beschuldigungen oft vonsolchen ausgehen, die keine Probe opferwilliger Liebe zu ihrem Fürsten abgelegt, jadie vielleicht schnöde und undankbar ihn verlassen zur Zeit der Prüfung.

Geliebteste! Thut solche Verkennung wehe,^ nun so tragen wir sie dochgeduldig, eingedenk unsers Herrn und Erlösers, der, wiewohl Er offen gelehrt,Gott zu geben, waS Gottes ist, dem Kaiser zu geben, waS deS Kaisers ist, dennochals ein Empörer und Volksaufwiegler ist verurtheilt, und, wiewohl der Gehorsamsteund Sanstmüthigste, anS Kreuz geheftet worden. Folgen wir dem Beispiel JesuChristi , beladen mit dem Kreuz des HohueS und deS Spottes, beten wir für die,die uns lästern, und beweisen wir durch die That, daß wir fest und unerschütterlichglauben: von dem Herrn ist dem Herrscher gegeben die Herrschaft, und die Machtvon dem Allerhöchsten (WeiSh. 6, 4), eS gibt keine Gewalt außer von Gott, die,welche besteht, ist von Gott angeordnet; der, welcher sich ihr widersetzt, widersetztsich den Anordnungen Gottes und zieht sich die Verdammniß zu (Rom. l3, 1. 2).Gehorchen wir in Allem, was nicht dem göttlichen Gesetze widerstreitet der Obrig-keit, nW als Augendiener, sondern als Diener Christi , die den Willen thun vonHerzen, und mit gutem Willen dienen (Ephes. 5, 57); erfüllen wir gegen SeineKönigl. Hoheit den durchlauchtigsten, gnädigsten Regenten Friedrich die Unterthanen--Pflichten auf daS Genaueste,nicht nur um der Strafe willen, sondern auch umdeS Gewissens willen" (Röm. 13), und verrichten wirBitten, Gebete, Fürbitten,Danksagungen" für alle Obrigkeiten, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führenmögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn dieses ist gut und wohlgefälligvor Gott unserm Heilande (I.Tim. 2, i3).

Und um diesem Mahnruf des heiligen Geistes nachzukommen, verordne ich, daßin allen Pfarrkirchen der Erzdiöcese Freiburg, badischen Antheils, am 2. Juni diesesJahrS ein feierliches Amt cl« S8. Irinitste abgehalten werde als Dankopfer für alleSegnungen und Wohlthaten, die Gott dem Baterlande und dem Volke durch denHöchstseligen Großbcrzog Leopolv K. H. erwiesen hat, und als Bittopfer, auf daßder Allerhöchste unsern durchlauchtigsten und gnädigsten Regenten Friedrich segne, unterSeine Obhut nehme und ausrüste mit den zur segensreichen Regierung deS badischenVolkes nothwendigen Gaben. Die Gnade Jesu Christi sey mit Euch Allen.

Dieser Hirtenbrief ist von den hochwürdigsten Seelsorgern am sechsten Sonntagnach Ostern oder am Pfingstmontag den Gläubigen von der Kanzel zu verkündenund ich verpflichte die Seelsorger in ihrem Gewissen, ihn seinem ganzen Inhalte nachvorzulesen. --,!,« tch-m^tz? niWi >im »pst uMo-, »-smii

Frei bürg, am Tage deS heiligen Gregor von Nazianz , den 9. Mai 1852.

f Hermann, >" -Erzbischof von Freiburg .N'. lniK mOilsM? n?S in -i^ tzii« itU l ijj ' '. 'n)gv»z!>< m^l gnun