Ausgabe 
12 (23.5.1852) 21
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verkündete, gewannen auch Diejenigen, welche deS Morgens in banger Besorgnißihre Kameele bestiegen hatten, mit der Ueberzeugung, daß selbst in der Wüste Hun-ger und Durst könne gestillt werden, frischen Muth. Gesättigt uud heiter begabensich nun Alle auf ihre Lagerstätten bei dem Sandwirth. Noch waren deS kommen-den Morgens die Sterne an dem heitern Himmel nicht verglommen, als dreifacherTrompetenschall die Schläfer wachrief. Der Kaffee wurde bereitet, jedem Thier seineLast wieder aufgelegt, in einer halben Stunde war der lauge Zug von Neuem inBewegung. Die Gegend erzeigte sich bald schauerlich und wilv, bald lieblich, inwie weit bei dem Mangel an aller Vegetation dieser AuSdruck sich anwenden läßt.Zuweilen verengte sich daS Längenihal zu einem zwischen schroff aufsteigenden Felsenin mannigfaltigen Krümmungen sich dahin windenden Gebirgspässe, wo der ganzeZug, Mann für Mann und Kamee! für Kameel, in unabsehbarer Reihe nur einzelndaherschreiten konnte. Bald mußten die beladenen Thiere Schritt für Schritt dieunebenen Steine sorgfällig und prüfend bemessen, bald über die mit Sandverwehun-gen ausgefüllten Schluchteu und jähen Abgründe, bis an die Knie einsinkend, durchden weichen Sand mühsam in den Thalgrund Hinabwaden. AIS die Sonne demMeridian sich näherte, wurde wieder Halt gemacht; denn gewöhnlich wird währendder heißesten Tageszeit einige Stunden gerastet. Die Missionäre schlugen ihr Zeltauf, um im Schatten desselben, während das Mahl bereitet wurde, zu lesen oderzu schreibe». Um drei Uhr Nachmittags ging es weiter. So jeden Tag. Dochgelangten sie am Nachmittag deS drillen in ein malerisches Mimosenthal, am Abendin ein Palmenthal, am vierten zum Bir-Murad, wo die durstigen Kameele mit vollenZügen an dem gelbgrüuen Wasser einer Cisterne sich labten.

Am i. Dezember legten die Missionäre in einem langen höchst ermüdendenEngpasse die letzte Gebirgsgegend der Kubischen Wüste zurück und konnten erst umMillernacht in einem tiefen Kesselthale ihr Lager aufschlagen. Noch zwei Tage führteder Weg durch eine ungeheure, gleich dem Meer uferlose Ebene. In tiefer NachtdeS 3. Decembers näherte er sich wieder dem Nile, um aufs Neue die beinahe leergewordenen Schläuche füllen zu können. Zum letzten Mal weckre am 4. die Trom-pete zum Ausbruch. Bald kamen wieder Dumpalmen zum Vorschein, der blaue Nilschlängelte sich durch die Ebene, die Gefährten stimmten einen Lobgesang an, demHerrn zu Ehren, der sie wohlbehalten durch die Wüste geleitet hatte. Der Häupt-ling von Avu-Hamed wies ihnen eine Wohnung von Lehm, durch Baumstämmegestützt, dicht an dem NileSufer an. Der 4. und 5. waren Rasttage. Am 6. Nach-mittags brach die Carawane wieder auf, immer längs deS NileS, theils an Ort-schaften und Saatfeldern vorbei, theils über Sand- und Steinflächen, die mit Gebüschund kleinen Bäume» nur kümmerlich bepflanzt sind. Rauhe Nordwinde wehten durchdas Nilthal und erinnerten mit den dichten Sandnebeln, die sie veranlaßten, an diewinterlichen Schneegestöber der Heimath. Oft hielt sich der Thermometer kaum 7°über Null; man mußte sich tief in die Mäntel hüllen, und die Carawane glich mehr !einem Transport durch die Eisgefilve Sibiriens , als einer Erpedition in dem afrika-nischen Tropenlande. DeS Nachts mußte nian sich um große Feuer lagern, durchumhergestellte Kisten und Reisesäcke sichern, und trotz dessen fanden sich bei dem Er-wachen gewöhnlich Alle mit Sand überschüttet. Die leichtgekleideten Araber klapper-ten mit den Zähnen und waren kaum »ach Sonnenaufgang zum Aufbruche zu bewe-gen. Hätten Wind und Kälte in der Wüste sich eingestellt, so würde manches Ka-meel erjcgen, manche Kiste am Wege zurückgeblieben seyn.

-nns^Da es hier weder an Lebensrnitteln (die Jagd lieferte wilde Gänse und Gazellen),noch an Wasser fehlte, durfte der Zug langsamer vorwärts gehen. Der freundlicheMudir von Berber, Ali-Hassth-Bey, sandte aus j.vei Tagcmärsche weit einen Cour-rier entgegen, um die Missionäre zu ihrer Ausunft zu bewillkommnen. Am 12. Nach-mittags hielten sie unter Trompetenschall ihren feierlichen Einzug in Berber, wo sie,sammt all ihrem Gepäcke, der Gouverneur in seine eigene Wohnung aufnahm. Erschenkte ihnen während deS kurzen Aufenthall.'S jede freie Stunde, lud sie an seinen