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sahnen hervorgehen? AuS einer solchen vom Leben abgelösten Treibhausblüthe deSWissens kann sich unmöglich eine gesunde kräftige Frucht entwickeln.
Soll nun diesem immer mehr um sich greifenden Uebel gesteuert werden, somuß daS falsche Princip der einseitigen Verstandesbildung aus unsern Schulen ver«bannt und an dessen Stelle die harmonische Ausbildung deS Geistes und Herzens,welche allein die mit der Religion verbundene Wissenschaft gewährt,zum einzigen Ziele der Schule gemacht werden. Die Religion muß nicht auf einpaar magere Stunden beschränkt werden, ihr warmer belebender Odem muß viel-mehr, so weit als möglich, alle Zweige des Unterrichts durchdringen und sie mußin viel tieferer und gründlicherer Auffassung, als bisher, dem so empfänglichenjugendlichen Geiste dargeboten werden. Dazu gehört, daß die Lehrer wahrhaft reli-giöse, durch Schule und Leben gleichmäßig ausgebildete, für ihren Beruf begeisterteMänner sind, daß sie in einem Sinne handeln und einem Ziele nachstreben, unddaß ihr Geist nicht von den Sorgen deS häuslichen Lebens niedergedrückt, ihr Eifernicht durch tausend Rücksichten gelähmt und ihre Wirksamkeit nicht von dem Gangeund der Laune der großen StaalSmaschine abhängig ist. Kurz: die Schulen müssen,wenn nicht die Gottlosigkeit und sittliche Verkommenheit immer mehr überHand neh-men soll, in die Hände der Kirche zurückgegeben werden, und eS ist hohe Zeit, daßdie Kirche diesem dringendsten aller Bedürfnisse Abhilfe schafft. (Schl. Krchbl.).ini! hll.i-tt.,.!-n!L« S?S n,ttvst,tivslP „»ückimiri^b "5 5«n >>r-'i ü,?u ,„,chtl<tt s-.Zlvv. -',-iUl.-', ni/i tzichwl.M uiintchS. uu h,ckt»<n ,.Swii»t!,l<>,P mtM.«mn<i,,d» »<vm
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Die Väter der Gesellschaft Jesu fangen an, im nördlichen Deutschland wieder
festen Fuß zu fassen. Daß sie bereits seit zwei Jahren in Münster ein Noviziaterrichtet haben, wird Ihnen nicht unbekannt seyn; diesen Herbst werden sie nun auchin Pad er born einziehen und daselbst ein Scholastikat für die Provinz Deutschland errichte«. Die Mittel zu dieser neuen Anstalt, worin die Novizen nach überstandenerProbezeit ihre philosophischen und theologischen Studien absolviren, sind durch frei-willige Subscriplionen in Paderborn und der Umgegend aufgebracht worden. AIS amEnde vorigen JahreS in Paderborn durch drei Väter der Gesellschaft eine Missiongehalten wurde, erwachte bei den Einwohnern der genannren Stadt die Liebe undVerehrung gegen den berühmten Orden wieder in so hohem Grade, daß Alle der sehn-liche Wunsch erfüllte, wieder einige Mitglieder desselben in ihrer Mitte zu haben.Paderborn verdankt den Jesuiten vorzüglich seine Erhaltung im kath. Glauben zur Zeitder Reformation, und bis Ende deS vorigen Jahrhunderts besaßen dieselben hier einblühendes Collegium. AIS nach Beendigung der Mission die Aussicht eröffnet wurde,daß der Wunsch der Einwohner wohl erfüllt werden könne, wenn nur die erforderli-chen Mittel zum Ankauf oder zur Anmicthung eineS-passenden Gebäudes beschafft wür-den, unternahmen eö einige wenige Männer, meist Laien auS dem Beamtenstande,durch Sammlungen von Suscriptionen die erforderliche Summe aufzubringen. Juwenigen Wochen war eine Summe von 10,000 Gulden gezeichnet und zwar größten»theils in Paderborn selbst, einer Stadt von ungefähr neuntausend Einwohnern; armeDienstmägde brachten unter sich allein eine Summe von 100 Gulden zusammen. Diekath. Adeligen in der Nachbarschaft schlössen sich freudig dem schönen Unternehmen an;der edle Graf v. B. zeichnete sofort als der erste 100 Gulden, und eS ist gewisseAussicht vorhanden, daß seine StandeSgenossen dem schönen Beispiele nacheifern werden.So ist eS denn in diesen Tagen möglich geworden, eines der schönsten und größtenHäuser der Stadt für die Väter der Gesellschaft Jesu zu miethen, und im Octoberwerden dieselben einziehen. Daß solche Unternehmungen von Seiten der Negierungnicht die geringsten Hindernisse erfahren, erkennen die kath. Unterthanen PrenßenSmit Dank an, und schreiben es mit Recht dem wohlwollenden und gerechten SinneSr. Majestät deS Köni gs zu. (Salzb. K rchbl.)
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