175
nutzlos hin. Unterhalb einer zweiten gefährlichen Stelle wurde sodann Halt gemacht;die 15V Zieher lagerten sich im Sande, zündeten mächtige Feuer an und begannendarauf Gelärme und Zank, die bald in Prügeleien übergingen. Da aber der Effendiselbst zugegen war, wurde schnell Justiz geübr, worauf Hadernde und Gezüchtigtedem Schlaf in die Arme sanken.
Werkthätig folgte Halil-Effendi der Fahrt, bald in seinem Sandal sitzend, baldam Ufer einherschreitend, die Leute antreibend, zuweilen selbst Hand anlegend. Am1. December ließen sich einige Stellen mittelst des Segels überfahren; wo dasZiehen erforderlich war, ging eS ohne Schwierigkeit von Statten. Größere Müheverursachten die Leute, welche jeden Augenblick entweder mit den Matrosen oder untersich zankten, selbst handgemein wurden, in den Sand sich legten, von ihren ScheikhSdurch Schimpfworte und mit Peitschenhieben mußten angetrieben werden, und beialle dem die kecksten Forderungen stellten. Nach langem Wortwechsel griffen sie andiesem Tage erst um 11 Uhr wieder zum Schiffsseil, so daß eine enge Strömungvon beiläufig drei Fuß Gefalle auf zwei Klafter erst Nachmittags drei Uhr erreichtwurde. Um über sie hinaufzukommen, genügte die Zeit nicht mehr; daS Schiff mußtezur Sicherstellung für die Nacht angebunden werden. Der Lärm begann von Neuem,jeden Abend wilder, als an dem vorangegangenen. Auch Mangel an LebenSmitteln trat bei den Ziehern ein. AIS Herr Rociancic ein wenig am Ufer sich ergehen wollte,verfolgte ihn unablässig das Geschrei: Bakschisch! Bakschisch! Sein Versuch, zweiRaufende zu trennen, wurde durch einen derben Schlag auf den zum Glück dichtenTurban vergolten.
Die Strömung, vor welcher die Nacht zugebracht wurde, war am 2. Decemberbinnen drei Viertelstunden im Rücken. Beinahe noch einmal so lange Zeit bliebhierauf daS Schiff zwischen Felsen eingekeilt. Hier wurden die allmälig herbeikom-menden Nachzügler niedergeworfen und zum Vergnügen der Uebrigen von HalilSeigenen Händen mit einer Dornenruthe über den halbnackten Rücken gestrichen. Fortanzogen Alle fröhlicher als bisher. Nach einer Stunde war daS Schiff über denkleineren Katarakt gezogen. Um zu dem größern zu gelangen, mußte die Mitte desFlußbettes gewonnen, das Ruder angewendet werben. Herrn Rociancics Hoffnung ,selbigen Tages noch AlleS zu überwinden, wurde durch den Bericht der Katarakten-Reiese niedergeschlagen: man könne und dürfe nicht weiter fahren, daS Wasser seynoch zu groß, das Schiff müßte unvermeidlich zu Grunde gehen. Da hätte allesZureden nichts vermocht, jede moralische, auch die Physische Kraft war von den Leu-ten gewichen. Bevor daS Wasser nicht wenigstens um 1'/2 Fuß fällt, sagten sie,auch die gefährlichsten Steine sichtbar werden, können wir nicht ziehen. Ob auchHerr Rociancic ihnen zeigte und selbst zeichnete, wie ohne alle Gefahr durchzukommenwäre, eS half nichts. Sie wollten zwanzig Tage warten, er nur zu neun sichverstehen, auch dieses bloß unter der Bedingung, daß sie alsdann mit gesundernKöpfen zurückkämen. Vorher mußte das Fahrzeug, welches an einer Felseninsel ange-bunden war, zum Ufer gebracht werden, um den Ankauf von LebenSmitteln möglichzu machen. In Hoffnung, in dem Nilarm von Akbe vielleicht einen Ausgang zufinden, wurde in einen Canal bei genanntem Ort eingelenkt. War aber in demHauptstrome des Wassers zu viel, so zeigte sich alsbald, daß hier dessen zu wenig sey.So war in Geduld zu harren, was die Zukunft bringen werde. (Forts, folgt,)
Die Seelsorge auf den Marianne«.
Wir entnehmen die folgenden Notizen über den Zustand der Kirche an einemder abgelegensten Winkel der Erde dem interessanten Bericht deS französischen Kapi-täns Kurien cls la Kr»vik:rs, welcher diese östlich von den Philippinen gelegene undwie diese urtter spanischer Oberherrschaft stehende Inselgruppe mit der Fregatte l.»kg^onntiuss im Juli des Jahres 1848 besuchte.
Neben der äußerst milden, fast patriarchalischen Regierung, welche die spanischeKrone über diese Inseln ausübt, eristirt noch ein anderer verborgener und mächtiger