Ausgabe 
12 (6.6.1852) 23
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erllärt würde. Sie müßten alle auf die Frage: ob sie verstehen, was sie lesen, mitdem Kämmerer der Königin Candace (in der Apostelgeschichte) antworten:Wie kannich, wenn Niemand eS mir erklärt?" Der Irrthum begeht diese Grausamkeit, indemer gedruckte Bibeln (ohne alle Anmerkungen) unter die armen unwissenden Menschenvertheilt und ihnen so das Wort Gottes gleichsam liebloö vorwirst, während die katho-lische Kirche in wahrhaft mütterlicher Liebe dafür besorgt ist, den Kleinen das Broddes Evangeliums zu brechen, alles Schädliche von ihnen fern zu halten, sie vor deinMißbrauch der heiligsten Sache gerade am sorgfältigsten zu bewahren.

Wenn übrigens Jemand dieser unwissenden und vorurtheilsvollen Andersdenken-den die Behauptung aussprechen sollte, die katholische Kirche billige deßhalb nichtdaS Lesen der Bibel von Jedem ohne Unterschied, weil sie die Leute in Unwissenheiterhalten wolle, weil der Inhalt der heiligen Schrift ihren Lehren widerspreche, sokann man getrost antworten, daß dieß elende Lüge und Verleumdung sey, und vomGegner fordern, daß er seine Behauptung beweise. Diesen Beweis wird er wohl

schuldig bleiben.

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Bericht des apostolischen Viears für Centralasrika.

(Fortsetzung.)

Von Akbe auS wurden die zu Wadi-Halfa zurückgelassenen Gefährten und Ge-räthschaften einberufen. Sie langten am 4. December auf 15 Kameelen an. DieGeräthschaften wurden in einer halb zerfallenen Lehmhütte, ^ Stunden von dem Schiff,bewacht. Sämmtliche Reisende befanden sich in einer Art Gefangenschaft, sie konntenweder rückwärts, noch vorwärts. Doch lagen sie in einer nicht unfreundlichen Ge-gend, die wenigstens Gänse und Hasen für den Tisch lieferte. Der höchste Wasser-stand betrug gegen den damaligen vier Klafter mehr. Am 5. ritt Herr Kociancicnach Wadi-Halfa, weil ihm gesagt worden war, ohne einen tüchtigen Reieftr vonDongola , der das Wasser vollkommen kenne, dürfe er die Fahrt nach Baten-el-Hagiarnicht wagen; und weil er zugleich einer Zuschrift des Mudirs von Dongola an seineuntergebenen Scheikhs bedürfte, um für die vielen Katarakten mit Ziehern versehenzu werden. Der türkische Ferman hätte hier nichts genutzt, da die Einwohner nurdenjenigen als Oberherrn anerkennen, der ihnen Prügel zutheilen läßt, und nurdemjenigen gehorchen, der die Nilpferds-Peitsche über sie handhabt. Halil-Effendifertigte das Schreiben an den Mudir aus; Herr Kociancic ließ eS deS folgendenTageS dnrch einen Expressen abgehen, mit dem Befehl an diesen, binnen 15 Tagenzurückgekehrt zu seyn.

Voll Ungeduld, endlich vorwärts zu kommen, schrieb der thatkräftige Missionärschon am 9. December an Halil: bereits sey daS Wasser hinreichend gefallen, er solledie Zieher zusammenrufen; habe er ja versichert, auf seine erste Zuschrift kommen zuwollen. Tag um Tag verging indeß, Niemand erschien. Ehe der vierte vollendetwar, ritt Herr Kociancic wieder nach Wadi-Halfa, um ernstlicher anzutreiben. Halilwar abwesend; umsonst harrte er seiner Rückkehr. Da drang der Missionär auch inseiner Abwesenheit darauf, daß die Scheikhs ausgesendet würden, um die Zieher zu-sammenzutreiben. Auf dieses stellten einige sich ein, aber klappernd vor Kälte, dennbei sturmartigem Nordwind war daS Quecksilber auf 8° gefallen, da es sonst bis auf40 steigt. Die Leute wollten weder von dem Feuer weg, noch an die Taue hin.DeS folgenden Tages fand Herr Kociancic bei Akbe eine Anzahl Zieher unter hefti-gem Wortwechsel, ihrer statt 150 nur 96, und dieses theils junge, theils gebrech-liche Leute; doch sollte mit ihnen die Fahrt versucht werden. AnsangS, wie eS schien,mit Glück; denn schon nach eilf Uhr war die erste gefährliche Stelle der Strömungzurückgelegt. Aus dieser kam daS Schiff in eine engere Pforte, die vier Tage frühernoch fahrbar gewesen wäre. Jetzt plagte sich Alles vergeblich drei volle Stundenhindurch. Endlich mußte das Schiff zurückgelassen werden, in der Strömung ungleichschwieriger als das Vorankommen. Der dreifache Strick, der um den Mastbaum