Ausgabe 
12 (13.6.1852) 24
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Jahrbüchern" von dcr Gesellschaft überhaupt:Ich habe sie in der Nähe gesehen,eS war eine Helc>enschaar. Der Name Jesuit übt auf mein Herz, meinen Geist undmeine Dankbarkeit Anziehungskraft auS. Carvalso und Choiseul haben das schönsteMenschenwerk, den ewigen Gegenstand meiner Dankbarkeit und meiner Bewunderungund welchen nie irgend eine Anstalt unter'dem Monde gleichkommen wird, unwieder-bringlich (?) zerstört." Dann sagt er an einem andern Ort:Das menschlicheGeschlecht hat jenen kostbaren und staunenswerthen Berein von zwanzigtausend Indi-viduen, welche unausgesetzt und uneigennützig mit dem Unterricht, der Predigt, derMission, mit Wiederaussöhnungen, mit dem Beistanv der Sterbenden, mit einemWorte, mit den der Menschheit theuersten und nützlichsten Leistungen, beschäftigt war,für alle Zeiten eingebüßt." Was wäre aber der ehrliche Atheist gegen den ver-antwortlichen PillerSdorf? Hätte jener im Jahre 1848 in Wien gelebt, er hätte sich'Smüssen gefallen lassen, den Jntelligenzlosen beigezählt zu werden.

Der driite unserer Zeugen ist zwar ein Erzbischof, aber weniger als Kirchen-fürst, denn durch seine Unterwürfigkeit vor der Jmperatorengewalt Bonaparte'S aus-gezeichnet: der aufgedrungene Bischof von Mecheln de Pradt, Auch er kann nichtumhin, auszurufen:Welch' eine Richtung war dieses unter den Menschen! WaSsind die anspruchslosen Tugenden anderer Ordensgeistlichen gegen diese Männlichkeitdes Genies? Wirklich, wie hat der Orden auch gelebt, wie ist er unterlegen?Dieses nach Art und Weise der Titanen den vereinten Blitzen aller Götter deSirdischen Olymps. Hat der Anblick des TodeS seinen Muth erkältet? Ist er einenSchritt vor demselben zurückgewichen? ^ut 8int. ut sunt, gut non sint, lautete seinBescheid. Das heißt aufrecht und nach Art der Cäsaren sterben. Wer könnte St.JgnatiuS und seiner Stiftung den Titel groß versagen? ES wäre eine gewaltigeUnbill, ihnen in der Hierarchie der Macht des menschlichen GenieS den ersten Platzzu verweigern. Loyola war ein großer Eroberer, er besaß das Genie zu Eroberungen.Ja, JgnatiuS war groß, groß unter den Großen, von einer bis auf ihn unbekannte»Größe. Ein Eroberer einer neuen Art, hat er zwei Jahrhunderte hindurch mitwehrlosen Mönchen sich die Welt zu eigen gemacht. Er hat in die Mitte der Welteinen Baum mit unvergänglichen Wurzeln gepflanzt, welcher unter dem Beil, daSihn verstümmelte, neue Lebens- und Triebkraft erlangt. Wenn dieß keine Größe desGenies ist, so sage man doch, worin denn eS bestehe. Es geziemt der Mittelmäßig-keit nicht, Colosse in Erz zu gießen." (W. Kirchenztg )

Berlin .

Berlin, 22. Mai. In der Mark Brandenburg gedeiht die katholische Kirche auf eine höchst erfreuliche Weise. Die Seelenzahl mehrt sich von Monat zu Monat.So sind z. B. in Neustadt-EberSwalde vor Kurzem cilf erwachsene Personen mitihren Kindern, zusammen fünfundzwanzig Personen, in den Schooß der Kirche auf-genommen worden, und acht Erwachsene sind wieder im Unterrichte. Möge dieerbarmende Liebe unserer GlaubenSbrüder in der Ferne unS beistehen, damit demSeelenhunger so vieler kleinen Gemeinden des Delegatur-Bezirkes, die kaum einmaldeS Jahres einen Priester sehen, Genüge geschehen könne, Wohl hat der Himmel inden letzten Jahren wunderbar geholfen, denn die Zahl der Seelsorgerstellen ist inner-halb acht Jahren verdreifacht worden, aber noch brauchen wir wenigstens fünf Prie-ster, um den dringendsten Bedürfnissen zu genügen, Was sind in Berlin selbst für2O,vl1t> Seelen der Civilgemeinde fünf Curatpriester, von denen der eine noch zweiDrittheile seiner Zeit am Schreibtische zubringen mußl Der zum Feldpropst fürden katholischen Bestandtheil der Armee vom Könige bestellte westfälische Geistliche,Herr Menke, ist vor einigen Tagen hier eingetroffen und hat seine Funktionenbegonnen.

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Jnhaber: F. E. Aremer.