Ausgabe 
12 (20.6.1852) 25
Seite
193
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Zwölfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augswrger PostMtung.

20. Juni SS. 185s.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuementsvreiskr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezöge» werde« kanu

Der Freimaurer-Orden in seiner wahren Bedeutung.

I.

Unter dieser Aufschrift hat der Advocat Eduard Emil Eckert neuerdingszu Dresden ein Buch herausgegeben, welches mit einer Vollständigkeit, wie nie bis-her, alle irgend wie zur Kcnnlniß gelangten Aclenstücke über den Freimaurer -Ordenumfaßt und von-unschätzbarem Werthe für die richtige Beurtheilung dieser von derkatholischen Kirche wiederholt feierlichst ercommunicirlen geheimen Verbindung ist.Indem ich das interessante Buch allen denen angelegentlich empfehle, welche beiHellem Tage nicht im Finstern tappen wollen, vermeine ich der guten Sache einenDienst zu erweisen, wenn ich in nachfolgenden Artikeln daraus eine kleine Aehrenleslgebe und mit der Beleuchtung der Slellnng deS Ordens zur Kirche und zumpositiven Christenthum beginne. Hier wird der Grund klar und deutlichwerden, warum Papst Clemens XII. und Benedict XIV. den Freimaurerbund ver-worfen unv alle Katholiken, welche ihm beitraten, von der Kirche und ihren Seg->nungen ausgeschlossen, eine Bestimmung, die noch bis heute in Kraft besteht, wcß-halb alle Absolutionen, welche ein Freimaurer von einem mit seiner Mitgliedschaftunbekannten oder sie ignorirenden Priester im Beichtstuhl erlangt, ungillig, kraftlosund gottesränberisch sind, so lange derselbe im Ordcnsverband verbleibt.

Warum also diese Strenge der Kirche gegen einen Orden, der nach der vul-gären Meinung nur edle wissenschaftliche und sittliche Zwecke verfolgen soll? MitRecht findet Eckert es von vornherein sehr bedenklich, daß diese edlen Zwecke indas tiefste Geheimniß verhüllt und mit zwölf Eiden verklausnlirt werden. Dennbesäße der Bund wirklich eine höhere Einsicht in die göttlichen Dinge als wirgewöhnlichen Menschenkinder, eine Einsicht, welche der Menschheit eine größere Voll-kommenheit ermöglicht, als sie thalsächlich har, so wäre eine sittliche Nothwendigkeitda, dieß Licht mit seinem ganzen Glänze leuchten zu lafftn; denn offenbar hat derWeise die Pflicht, seine Weisheit zum Gemeingut zu machen, widrigenfalls er pflicht-vergessen und unweise handelt und den gerechien Verdacht erregt, baß sein Vorgebenlügenhaft und seine Devise eine falsche Maöke sey. Oder besitzt der Orden außeror-dentliche Mittel zur sittlichen und gesellschaftlichen Erhebung der Menschen? Aberwie darf derselbe diese dann vorenthalten und nur wenigen Auserwäbllen knnd geben?Ist in diesem Fall das Geheimniß nicht unvernünftig und unmoralisch? Vernunft undMoral fordern die öffentliche Bekanntmachung aller guten Mittel zur Heilung dersittlichen und gesellschaftlichen Wunden der Völker. Es handelt somit der Ordenunverantwortlich, wenn er seine angebliche Vorlrefflichkeit der Welt verbirgt, undwir haben das Recht, an der Güte seiner Zwecke zu. zweifeln, weil daö Gute di.>Finsterniß haßt. Dagegen heißt es: Wer böse ist, hasset daS Licht und kommt nicht