.YNl,g7(lttß. 7?M5m6.
ans Licht, damit seine Werke nicht offenbar werden. Oder ist es wahr, daß Wohl-thätigkeit des Ordens letzter Zweck ist? Die ächte Wohlthätigkeit geht zwar ver.borgene Wege; allein ein Mal weiß man, daß der Orden seine Wohlthätigkeit inerheblichem Maaße nur auf die Ordensbrüder auSvehnt, und könnte man auchdie Uneigennützigkeit seiner Liebe in ihrer Ausdehnung auf alle Menschen nachweisen,müßte eS nicht, sofern Wohlthätigkeit deS Ordens Envabsichl wäre, unverständig undlächerlich erscheinen, diesen Zweck in das Geheimniß zu hüllen und die Mitgliedermit einer Menge schrecklicher Eide zu verpflichten, denselben gegen Niemand zu offen-baren? Kein vernünftiger Mensch wird darum läugnen, daß Eckert Recht hat,wenn er sagt: „Mag nun Wohlthätigkeit, Wissenschaft, Moral oder Religion alsZweck genannt werden, keiner dieser Zwecke verträgt sich noch heute mit der ängst-lichen Geheimhaltung, mit den Verschwiegenheilseiden bei jeder Graduirung, selbstden Brüdern unterer Grade gegenüber." Entweder ist also der Orden eine großeSpielschule für erwachsene Kinder, roaS Keinem einfallen wird zu behaupten, oderseine Zwecke vertragen sich nicht mit den religiösen und sittlich-gesellschaftlichen Grund--principicn, wie sie durch das Christenthum gelehrt und realisirt werden. Diesesletztere nachzuweisen wird nicht schwer fallen und kann unmöglich die Bemerkungeines höchst oberflächlichen Correspondenten der schlestschen Zeitung dagegen etwas ver-fangen, wenn er, um den Freimaurerbund gegen allen Ärgwohn sicher zu stellen,hervorhebt, daß hohe Persönlichkeiten, welche ein Interesse haben, alle religions- undstaatSgefährlichen Tendenzen niederzuhalten, demselben angehörten; denn wahrscheinlichweiß derselbe nicht, daß die meisten OrdenSglieder in höchster Unkenntniß überdie veschworenen Geheimnisse des Ordens sind, so daß es durchaus nicht auffälligist, wie Männer in.ihm arbeiten und mit Geld und Ansehen ihn unterstützen, welcheniemals ihre Hand bieten würden, wenn sie klar erkennten, welche Tendenzen alöletzte Absicht verfolgt werden.
Aeußerst wichtig ist zur Charakterisirung des religiösen Standpunctes im Frei-maurerorden die „kritische Geschichte der Freimaurerei von Feßler", welche alsManuscript von der Großloge an die einzelnen Logen abschriftlich vertheilt worden,die also alö authentische Urkunde zu betrachten. Hier lieSt man (ok. EckertpgZ. 120): „In der Behandlung war ich weder Lutheraner noch Calvinist, nichtKatholik, nicht Atheist noch Deist, nicht einmal Christ; so mußte es denn auch kom-men, daß mir der JesuS , wie ihn die Vernunft anerkennen und dasedlerfühlende Herz verehren und lieben muß, unmöglich der Jesus der Kirche und der Theologie werden konnte." Dieß Bekenntniß deSnackten Unglaubens an Jesus Christus als Gottessohn wird 122 erläutert undverstärkt durch die Auslassung: „JesuS wollte weder das Jubenthum reformiren, nocheine neue religiöse Secte bilden, noch auch eine Kirche errichten, sondernunter dem von ihm errichteten Reiche bloß den Zweck deS essäischen Bundes theilserweitern, theils allgemeiner machen, theils unter einer einfacheren und der Vernunftangemesseneren Hülle verbergen." Im weiteren Verlauf wird dann die Gründungder Kirche durch die Apostel und die bekehrten Juden als ein Erzeugniß der Unwissen-heit und Beschränktheit erklärt, indem dieselben ihre Synagogenverfassung nicht hättenvergessen können, „weßhalb sie dahin gearbeitet, daS von Jesu gestiftete ReichGotteS in eine synagogenartige, d ogmatisirende, verfolgende, herr-schende Kirche zu verwandeln." Man hat hier also so viel Blasphemienals Worte oder Sätze. Unmöglich kann für daS Angeführte blos Feßler persönlichverantwortlich gemacht werden; denn seine Schrift ist Eigenthum der Großloge ; diesehat Abschriften von selber versandt; sie hat somit die in dem Manuscript klar gelehrteVerläugnung der Gottheit Christi und die hierin insinuirte Erklärung deS christlichenGlaubens und der christlichen Kirche als Product der Unwissenheit und des mindc,stenS unabsichtlichen Betruges nicht gemißbilligt und verworfen, sondern durch Ver-breitung dieser Lehren offen kund gegeben, daß die Verläugnung ver christlichen Grund-lehren sich mit dem Zwecke deS Ordens wohl vertrage. Wenn daher auch in dem