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Manifest, welches die Ordensobern in Deutschland unter dem Großmeisterthum desHerzogs von Braunschweig im Jahre 1794 erließen, gesagt wird: „Durch daSChristenthum hat der Bund seine Consistenz erhalten; daS Christenthum hat ihn aus-gebildet; die Göttlichkeit des Christenthums war die Hauptgrund-lage seiner Lehre und seiner Zwecke/' so ist doch unzweifelhaft, daß dieseangebliche christliche Grundlage schon seit lange dem Orden abhanden gekommen.Faciisch hat derselbe dieß anerkannt durch die Aufnahme der Juden in die Verbrü-derung, und die vorzüglichsten maurerischen Sprecher bestätigen mit Worten, was derOrden in der That sanctionirt hat.
Man wolle bei der folgenden Darlegung der antichristlichen und antikirchlichen Bestre-bungen im Freimaurerbunde nicht übersehen, daß kein Ordensbruder eine Rede halten oderdrucken lassen darf, die nicht von den Obern approbirt ist. Somit sind sämmtlicheAuslassungen Ansteht deS OrdenS, nicht einer Person. In der Zeitschrift für Frei-maurerei , als Manuscrivt für Brüder gedruckt zu Altenburg 18Z3 (es. Eckert psg. 255)wiro die Zerstörung alles posiiiven Christenthums intendirt, indem gesagt wirv:„Einigung der verschiedenen Kirchengenossen in der naturlichenReligion, Gleichheit der Rechte und Ansprüche, gemeinschaftliches Vergnügen undgemeinschaftliches philanthropisches Wirken sollen die Verbrüderung befestigen." Eben-daselbst wird nicht undeutlich zu verstehen gegeben, daß die Gottheit unpersönlich unddaß die eigentliche Gottheit die Menschheit sey; denn der Bruder Maurer meint:„Man würde unö (die Maurer) der Abgötterei beschuldigen, wenn wir die Idee vonMenschheit als moralische Person ebenso personificiren wollten, wie man die Gottheitzu personificiren pflegt." DeS Pudels Kern also ist nach diesem Geständniß: WirMaurer würden unsern Unglauben an Gott offen verkünden und an die Stelle deSchristlichen GotteS die Menschheit setzen, wenn wir nicht glauben müßten, daß manuns für Abgötterei hielte. Wenn der Atheismus unter den Fittigen deS Maurer-thumS Platz hat, wie sollte das Christenthum daselbst auf große Ehre Anspruchmachen? Wer kann cS daher dem Prediger am neuen israelitischen Tempel zu Ham-burg, Gotthold Salomon , Mitglied der Loge „zur aufgehenden Morgenrötheim Osten" zu Frankfurt a. M., verübeln, wenn er in einer Logenrede ausruft:„Warum findet sich in dem ganzen maurerischen Ritual auch keine Spur voneinem kirchlichen Christenthum? Warum wird der Name Christus nicht eineinziges Mal genannt, weder im Eivc, noch im Gebet, daS bei geöffneter Loge oderbei der Tafellogc verrichtet wird? Warum zählen die Maurer nicht von der GvburtChristi, sondern wie die Juden von Erschaffung der Welt? Warum ist in der Frei-maurerei kein christliches Symbol? Warum Zirkel, Winkelmaaß, Waage? Warumnicht daS Kreuz und die andern Marterwerkzeuge? Warum statt „Weisheit, Stärkeund Schönheit" nicht daS christliche Trio: „Glaube, Hoffnung, Liebe?" Und Gott-hold Salomon antwortet ganz recht: Alleö das sey so und nicht anders, „weilein kirchlich-christliches Maurerthum der schreiendste Widerspruch, wie ein eckigerZirkel, sey." DaS Maurerthum hat mit dem wahren Christenthum nichts zu schaffen.Deßhalb, als man zu Berlin die Juden nicht aufnehmen wollte, schrieb auch GrafFernig, Vice-Präsident aller französischen Logen an vr. Verend: „daß man inganz Frankreich den Maureraspiranten nur nach seinem Leben, nicht nach seinemGlauben frage; der Gott der Maurer habe keinen besondern Namen; eS sey dergroße Baumeister deS Universums, und, fährt er fort: „die religiösen VorurlheiledeS Mittelalters (daS Christenthum) bewahren, heißt daS Gesetz deS Fortschritt«läugnen; vorgeben, daß die Freimaurerei vo« christlicher Aera sich herleite, daS heißtdie feierliche Ueberlieferung der königlichen Kunst verkennen; wir waren früher als dieStiftung der christlichen Religion." Der Sinn all dieser Thorheiten ist der: die Frei-maurerei will auch nicht einmal christlich scheinen! Bruder Kloß, der gelehrtesteMaurerschrifisteller, Professor und Medicinalrath, ist darum auch sehr ungehaltengegen die, welche die Logen noch mit einem christlichen Anstrich versehen wollen; erhielt 1344 in der Meisterloge zur „Einigkeit« einen Portrag: „über die Unstatthaf-