Ausgabe 
12 (27.6.1852) 26
Seite
204
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

204

durchaus verwerflich, weil das positive Christenthum untergrabend ist, wer kann dasläugnen? Denn nicht bl< in politischer, sondern vorzüglich in religiöser Beziehunghat Geltung, was in demManifest des deutschen Freimaurerordens an die Gliedergeheimer Grade und Systeme" gelesen wird, wo daS Verderbniß des Ordens offeneingestanden, wenn auch als Abfall von dem Geist deS Ordens dargestellt wird,indem eS daselbst heißt:Eine große Sccte erwuchs (im Orden), die, während sieMenschenglück und Menschenwohl zum Schild ihres Gewerbes auShing, in dem In-nern des Bundes darauf hinarbeitete, alles Menschenglück zu ihrem Raubezu machen." Und weiter:Diese Sccte ist eS, welche die Grundfesten deS Bundesbis zum völligen Einsturz unterwühlt hat. Durch sie ist die ganze Mensch-heit auf ganze Geschlechter hinaus vergiftet und verführt worden.Die Gährungen unter den Völkern sind ihr Werk.", Ferner:Der Plan einer all-gemeinen Zerstörung aller gesellschaftlichen Bande und Ordnun-gen offenbarte sich in allen ihren Reden und Thaten. Sie über-schwemmte die Welt mit zahllosen Büchern, warb Gesellen von Rang und Machtund betrog die scharfsinnigsten Köpfe durch Vorspiegelungen edelster Ab-sichten. In die Herzen der Jugend streute sie den Saamen der Begierlichkeit undtniflammte sie mit dem Zunder der unersättlichsten Leidenschaften" Endlich:Wirsagen ihnen daher frei: der Mißbrauch unseres Bundes und daS Mißverständnißunseres Geheimnisses hat alle die politischen und moralischen Verwirrun-gen hervorgebracht, von denen jetzt die Erde überschwemmt ist." Wir könnendaher auch nur vom christlichen Standpunct den Schluß deS Manifestes aus vol-lem Herzen gut heißen, wo also zu lesen:Wem von euch kann noch ein Zweifelübrig seyn, daß die Zeit gekommen ist, den Bund aufzuheben und alleseine Geschäfte der Unvollendung preiszugeben? .... Wir treten zurück; wir zerstörenden Bau. indem wir den Riß desselben vernichten. ... Die Secten deS Frcimaurer-thumS überlassen wir ihrem Schicksal, der Aufmerksamkeit der Fürsten , derVerachtung der Völker. Wer ibnen glaubt und zu ihnen tritt, istbetrogen und ein Feind seiner Ruhe und Glückseligkeit."

So sprachen die Meister und hatten freilich mehr die politischen als religiösenVerhältnisse im Orden.im Auge; die letzteren aber sind noch dringlicher, motivirenvollständig die Aufhebung eines OrdenS, in welchem und mittelst welches Kirche undChristenthum aufs feindseligste untergraben werden. Die Katholiken namentlich mögensich erinnern, daß es in allen Ortschaften vorzüglich Freimaurer waren, welche dieunchristliche Rongerei mit Gut und Wort unterstützten, ein Beweis, wie man in demOrden gegen die Kirche gesinnt und waS man für geläutertes Christenthum ansah.Auch dient dieser Thatsache zur Bestätigung, waS oben über den in den Logen vor-herrschend vorhandenen antichristlichen Geist gesagt worden. ES ist daher auch nurin beschränktem Sinne wahr, waS neulich der Maurer Hernry Delaage in seinemBuch über die geheimen Gesellschaften schreibt, wenn er behauptet:Vier Gründe sindeS, welche heut zu Tage noch die Menschen zu bewegen pflegen, sich in den Frei-maurerbund aufnehmen zu lassen: Handwerker, Kaufleute, Rechtsanwälte uud Aerztetreten bei, weil sie dadurch die Zahl ihrer Kunden und Clienten und ihre Einnah-men zu vermehren hoffen: Lebemänner fühlen sich angezogen durch die Aussicht aufSchmausereien und auf Logen-ClubS, die sich an jedem fremden Orte öffnen; Män-ner, die daS Unbekannte und Mysteriöse am meisten anzieht, hoffen dadurch hinlermanche Geheimnisse der Natur und Gesellschaft zu kommen; endlich aber ist eS diewirkliche, erhabene (?) Mission deS Ordens selbst, welche die Edlen und Großher-zigen anlockt, der Gedanke, daß der Freimaurer der wahre Weltbürger sey." Wirhaben gesehen, daß noch ganz andere Leute den Orden suchen, obgleich wir wohlwissen, daß die große Anzahl der Mitglieder bloß blindlings sich führen läßt, ihrGeld zahlt und Hand- und Spanndienste zu den ihnen ganz unbekannten letztenOrvenSzwecken leistet. (Forts, folgt.)