Zwölfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augslmrger PostMtung.
n< Juli 28. IS5S,
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Ein Zeugnis; aus protestantischem Munde.
In der „Freimüthigen Sachsen-Zeitung" lesen wir folgenden Artikel:
Die katholische Kirche ist in einem neuen, wunrerbaren Aufschwüngebegriffen. Ihre Regsamkeit, ihr Leben äußert sich auf allen Gebieten deS GeisteSwie auf dem Markte dcS gewöhnlichen Lebens. Sie ist eS, die unter den TrünimeindeS politischen Schiffbruches nach dem Ewigen, dem Festen griff, die. während alleAuloriiät sich auflöste, während der Wahnwitz der Zeit auf den Gassen unv in denVolksversammlungen seine Saiurualien feierte, während die politische Phaiuastik undTheor-e in dem Irrgarten constituircndcr Parlamente umhertaumelte, still ihre größtenEroberungen gemacht hat, und cö ist ein nachoenkenSwenheS Zeichen, daß geradevon der Zeit an, wo der katholischen Kirche jene Feinve erstanden, von denen wohlmanch Kurzsichtiger geglaubt hat, sie würden Rom zu Falle bringen können inDeutschland , daß gerade von jenem Tage an, wo die falschen Propheten ihre Um«züge hielten, die katholische Kirche eine Thätigkeit entfaltete, die ihr erst recht neueKraft und neues Leben gab.
Es kam die Zeit, wo fast alle menschliche und göttliche Autorität fiel. AuchRom fiel. Aber nicht daS Rom , welches eine geistige unv kirchliche Gemeinschaftüber dem Erdball bildet; nicht die Kirche RomS, — denn während ihr Haupt fluch-tig irrte und man in den Straßen und Tempeln RomS die revolutionäre Fackelschwang, stählte sich die Kraft der eigentlichen Kirche, und cS zeigte sich, daß Rom auch ohne Rom leben konnte.
Wie tritt unö heute diese Kirche in Deutschland, in Europa , ja auf dem gan-zen Universum entgegen? — diese Kirche, die seit Jahren die härtesten Angriffe undVerfolgungen von fanatischen Gegnern und von der welllichen Macht erculcet hat,deren Güter „säcularisirt", deren Würdenträger verfolgt, eingekerkert und verbanntwurden, deren Thätigkeit ängstlich überwacht, oft gehemmt, deren Organe oft v-l-wundel wurden?
Sie ist eine Macht wie keine zweite auf dieser Welt. Ihre Sendboten ziehenin die Thore der großen Städte, der Sipe ihrer Feinde und der Feinde allen Glau>benS, sie bahnen sich ihre Wege in die neuen Welten und erobern hier wie da. Siehat in Frankreich aus dem Despotismus Freiheit für sich gewonnen, die Tuelbill inEngland hat ihre Macht nnr erhöht, das herrenlose Belgien nahm sie in Aesih, siekämpst noch in einigen deutschen, italienischen Ländern und in der Schweiz als eineächte ticclosia militans; in andern deutschen Staaten, in Oesterreich , tritt sie alsHerrscherin auf.
Wir Protestanten sehen den Aufschwung der katholischen Kirche an sich nichtmit Schmerz; können ihn nicht so betrachten, denn sie kämpft ja wie wir, für eins,