Ausgabe 
12 (25.7.1852) 30
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Ein Freund deS Schreibers dieser Zeilen, der schon vor ein paar Jahren seineeinzige reichbegabte Tochter zur Erziehung in ein HauS der vames äu 8ser6 dosurbrachte, hat ihm seitdem mehrmals bezeugt, wie innig er dieses Entschlusses sichzu freuen Ursache habe. Sein dankbares Vaterherz hat dem Bestreben und Waltendieser Damen unausgesetzt das beredteste Zeugniß gegeben, welches eS nur deßhalbnicht in weitern Kreisen wollte laut werden lassen, weil dieselben nicht nach Lob vorder Welt trachten. Er zollt der Weise, wie sie ihre Zöglinge in gründliche Bildungeinzuführen wissen, ohne sie der ächt weiblichen Sphäre zu entrücken, die vollste An-erkennung, worin er mit Schriftstellern hochberühmten Namens, namentlich mit Goumein seinen Iroi'5 komes (an mehrern Stellen) vollkommen übereinstimmt.

(Schluß folgt.)

Die Jesuitenmiffionen in der bayerischen Pfalz .

Seit Jahresfrist sind vier Volksmissionen (zu Speyer, Landstuhl, Grünstadt und Rheinzabern) von den Jesuiten in unserer Pfalz abgehalten worden; sie habenso Manches aufgerüttelt im innern und im äußern Leben, und eS drängt sich jetztdie Frage auf: welches ist ihre Wirkung gewesen?

Bei unserm katholischen Volke, für welches sie allein bestimmt waren,erfüllten sie ihren Zweck. Erregung, Belebung und Befestigung des religiösen Be-wußtseyns, Unterdrückung und Beschränkung böser Leidenschaften, Werke der Demuth,der Liebe, des Gehorsams, neue Begründung eines christlichen Familienlebens: daSsind etwa die herrlichen Früchte, welche dieses GeisteSwerk gebracht hat. Im innernSeelenleben erzeugten sie Ruhe und Frieden, nicht jenen äußerlichen politischen Frie-den, wie ihn die Welt bringt, sondern jenen innern HerzenSsrieden, wie ihn nurGott geben kann und der die alleinige Quelle eines ruhigen, geordneten StaalSlebenSist. Somit waren eS diegeduldeten" Missionen, welche als Begründer deS innernFriedens jene Sendung, die im Jahre 1849 die braven Preußen als äußere Frie-densstifter begonnen, zum höchsten Wohle deS Staates bei unS ruhmvoll beschlossenhaben.

Obwohl nur für die katholische Bevölkerung bestimmt, mußten indessen dieseaußerordentlichen kirchlichen Heilmittel auch ihre Rückwirkung auf andere GlaubenS-und Parteigenossen ausüben. Die Protestanten blieben davon nicht ganz unbe-rührt. Die rationalistischen, welche noch Gemüth und freie Urtheilskraft besaßen,denen aber der Begriff von Gott, von Unsterblichkeit, von jenseitiger Belohnung undBestrafung im Strudel trivialer ZeitungS- und Romanenlectüre unbewußt abhandengekommen war, sie wurden durch diese klaren Vorträge nachdenkend und bestürzt:eS könnte doch etwas Wahres an den alten Mährchen des dummen Volkes seyn." .Doch diesen Zweifel zur Gewißheit zu erheben, dazu fehlte meist der sittliche Muth.Allein selbst der bloße Zweifel hat hier sein GuteS; mancher frühere Maulheld undSpötter nämlich lernte jetzt jene vervehmten Jesuiten , welche mit seltener Klarheit undin einfacher volkSthümiicher Sprache die chriftl. Grundwahrheiten vortrugen, achtenund schätzen, wennauch nicht lieben; er konnte in ihnen unmöglich jene moralischenUngeheuer, jene VolkSverdummer, jene confefsionellen Unruhestifter, jene Störer deSFamilienfriedens erkennen, wie sie tagtäglich der ganze radikale Journaltroß uns vorAugen führt. Wenn alle Jesuiten , so hieß eS, solche Männer sind und ihr Ordensolche Priester erzieht, dann kann man sie unmöglich befeinden, und nur die teuflischeBosheit des Unglaubens vermag eS, jenen lödtlichcn Haß zu erzeugen wegen dersiegreichen Verkündigung der göttlichen Wahrheit! Ganz anders war die Rück-wirkung auf die gläubigen Protestanten, besonders ihre Geistlichen gewesen, und- Wer sollte eS glauben? sie sahen den häufigen Besuch jener Verträge durch ihrePfarrkindcr äußerst ungern; ob aus Eifersucht, ob aus Furcht? ich kann eS nichtsagen. Sie belauschten sie mit ängstlicher Aufmerksamkeit und benutzten sie dann inihrer Weise zur geeigneten Widerlegung.