Ausgabe 
12 (25.7.1852) 30
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Wenn so die Erscheinung der Jesuiten auf viele rationalistische Protestanten einegute, auf die gläubigen dagegen eine ungünstige Wirkung hervorbrachte, die flch heuteschon zum feindlichen Auftreten vorzubereiten scheint, so hat sie auf unsere Demokra-ten und wir besitzen deren noch eine nicht kleine festsrganisirte Partei alsnährendes Oel gewirkt für das immer brennende Feuer ihres höllischen HasseS gegenden katholischen Glauben. Frivoler Spott, frecher Hohn und höllische Verleumdungfind hier wie überall ihre gewohnte Angriffswaffe. Und wie sollte eS auch andersseyn? Wer daS Daseyn eines Gottes, wer die Unsterblichkeit lehrt, wer von einemjenseitigen Gerichte spricht, wer die thierischen Leidenschaften bekämpft, wer Demuth,Liebe, Gehorsam, Achtung jeder Autorität verkündet; wer dieaufgeklärte" Weisheitder Zeit und deren Hochmuth geißelt und nach jenes griechischen Philosophen Vor-gang imLerne Dich selbst kennen," in der christlichen Selbsterkenntniß eine Haupt-aufgabe deS Lebens erblick-, der muß absolut einen tövtlichen Widersacher dort finden,wo der Atheismus auf dem Fleische thront, wo Seele und Geist der Sclave desKörpers, das eigene Ich der selbstgeschaffene Gott, die Unsterblichkeit der Seele nurein dummeS Ammenmährchen ist, und wo die zügellosesten Leidenschaften als höchsteTugenden gelten. Die atheistische Demokratie und nur diese hauSt in der Pfalz ist der Todfeind deS Christenthumes, der Katholicismus erscheint ihr als dessenHauptrepräsentant, die Jesuiten aber sind seine geist- und siegreichen Verkünder, darumjener tödtliche Haß. Möchten doch alle Staatsmänner nur die einfache Rückwirkung,welche die Missionen auf die Demokratie haben, unparteiisch und sachgemäß wür-digen. Gegen die Jesuitenmissionen müßten dann überall die Schlagbäume fallen I(Mainz . Journ.) _

Die Mission in Neumarkt .

Neumarkt , 4. J.uli. Die Tage des Heiles die schönen Tage der Missionsind vorüber, doch nur der Zeit nach, im Andenken Tausender dauern sie noch lange,wo nicht ihr Leben hindurch. Soll ich von dieser Mission im Allgemeinen reden, sowird eS genügen, an daS erinnert zu haben, waS unlängst von jener in Jngolstadterzählt wurde. Unser Gotteshaus war Tag für Tag mit Menschen gefüllt, daßman Mühe hatte, am Schlüsse der Predigt aus der Kirche zu kommen, die Beicht-stühle von Morgens 4 Uhr bis Abends 7 Uhr belagert und um bei den PP. Mis-sionären zuzukommen, sah man viele, die nicht einmal, sondern mehr Tage nach ein-ander acht und mehr Stunden ausharrten. Mußte ja dieses liebevolle Auftreten, dieseLeutseligkeit und dieser unermüdete Eifer uns gewinnen und unsere Begeisterung fürdie Religion aufflammen machen, die, im Glänze ihrer Schönheit gezeigt, im Mundedieser Prediger ihre anmuthsvolle Erbarmung selbst dann nicht verlor, wenn sie ernsteWorte an uns richtete und wir, wie bei der Abbitte vor dem Allerheiligsten, zer-knirscht und erschüttert an unser Herz geschlagen haben. Als aber am Ende PaterRohmann die Freuden des Himmels schilderte, da schien wirklich der Himmel unSein Vorgefühl seiner Freuden kosten zu lassen, als nach dem feierlichen Einzug deShochwürdigsten Herrn Bischofes P. Schmude das Lob der Königin der Himmel ver-kündete und durch lautlose Stille der Gesang unschuldiger Kinder wie mit Engels»stimmen durch die Kirche tönte:Jungfrau, Mutter, himmlisch Schöne", da faßteEntzücken jedwede Seele und die folgende Procession, bei der Se. bischöfl. Gnadenzur Freude und Erbauung seines Volkes das Allerheiligste trug, war ein Triumph-zug der Gnade, an dem sicher die Engel deS Himmels sich erfreuten, in deren Chöreder SchlußhymnuS deS Te DeumS sich mischte. DaS war aber bloß die eine Perlein der Krone des Festes. Am folgenden Tage die heilige Firmung. Bischof Georgbestieg die Kanzel; seine Ansprache war nur der Erguß eines freudeerfüllten Herzens,seine Worte erstickten unter seinen und seiner Zuhörer Thränen. Zum letzten Maleerschien P. Schmude, seine Rede galt den armen Schulschwestern, die in ihr neueSKloster eingeführt werden sollten. Und mit Recht sprach gerade Er; denn Er war